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0:2 in Paris im Geisterspiel : Tuchel wirft Dortmund aus Champions League

  • -Aktualisiert am

Der traurige Schlusspunkt: Emre Can (rechts) sieht die Rote Karte. Bild: AFP

Gruselig, schwach und blutleer: Die Leistung des BVB im Geisterspiel in Paris passt zu den Umständen. Nach dem 0:2 scheitert die Borussia im Achtelfinale der Champions League. Und Can sieht auch noch Rot.

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          Die Reise von Borussia Dortmund zum Rückspiel im Champions League-Achtelfinale zu Paris St. Germain wird tatsächlich als gespenstisches Erlebnis in die Geschichte des Revierklubs eingehen. Nicht nur, weil das Duell in einem leeren Stadion als „Geisterspiel“ stattfand, auch die Leistung der Mannschaft von Trainer Lucien Favre war in vielen Phasen gruselig, schwach und blutleer. Am Ende verlor der BVB 0:2 gegen das französische Ensemble des deutschen Trainers Thomas Tuchel und ist aus der Champions League ausgeschieden. Erst in der Schlussphase hatten die Dortmunder sich aufgebäumt, aber die Leistung war einfach nicht gut genug für mehr in dem ungewohnten Ambiente.

          Champions League

          Wobei die Pariser zumindest ein wenig Unterstützung von ihrem Anhang erhalten hatten. Vor dem Stadion hatten sich mehrere hundert PSG-Fans versammelt, mit dem Vorhaben, so viel Krach zu machen, dass die Mannschaften drinnen möglichst viel davon mitbekommen. Ein Feuerwerk wurde abgebrannt, und tatsächlich waren zu Beginn Fangesänge zu hören. Sogar vor dem Fernsehschirm.

          Den meisten Journalisten waren zwei Tage vor der Partie aufgrund der Coronakrise die Akkreditierungen entzogen worden. Nur Berichterstatter der TV-Anstalten, die Übertragungsrechte erworben haben, waren zugelassen. Nach fünf Minuten war dann aber klar, dass die Gesänge über die Stadionlautsprecher eingespielt worden waren, was die Uefa schnell unterband. Nun war es endgültig ein Geisterspiel. Die Kommandos und Rufe der Spieler hallten durch den Prinzenpark, und der BVB hatte massive Probleme.

          Die Mannschaft zog sich weit zurück in die eigene Hälfte, mit einer Fünferkette, vor der vier weitere Spieler intensiv daran arbeiteten, Paris keine Räume zu geben. Einzig Stürmer Erling Haaland agierte etwas weiter vorne. Dass die Dortmunder allerdings überhaupt keine Entlastungsangriffe hinbekam, weil sie bei eigenem Ballbesitz viel zu ungenau spielten, gehörte sicher nicht zum Plan. Paris war die bessere Mannschaft und hatte die erste große Chance, als Edinson Cavani nach einem Pass von Idrissa Gueye zentral vor dem Dortmunder Tor auftauchte. Roman Bürki verhinderte das Gegentor mit einem tollen Reflex (25.), musste wenig später aber doch hinter sich greifen.

          Weil Achraf Hakimi und Mats Hummels nach einer Ecke von Angel di Maria ohne Spannung und Konzentration verteidigten, hatte Neymar keine Mühe den Ball aus fünf Metern ins Tor zu köpfen (28.). Es war eine verdiente Führung, weil der BVB überhaupt keinen Zugang zu diesem Spiel fand. Es war ja viel spekuliert worden, welche Wirkung die veränderte Atmosphäre haben würde. „Es ist komisch für alle. Wir müssen uns mental vorbereiten, das ist anders“, hatte Lucien Favre vor der Partie gesagt und gefordert: „Da müssen wir bereit sein.“ Scheinbar hatte der Trainer geahnt, dass die leeren Ränge sich nicht als Vorteil für das Auswärtsteam entpuppen würden.

          Es geht weiter in der Champions League für Thomas Tuchel und Paris.

          Erst in den Minuten vor der Halbzeit wurden die Dortmunder etwas präsenter in der Hälfte von PSG, doch die Energielosigkeit beim Verteidigen des eigenen Tores blieb ein Problem. Ein ganz simpler Angriff über die linke Dortmunder Defensivseite führte zum 2:0 für PSG. Pablo Sarabia hatte jede Menge Platz für einen Querpass, den Juan Bernat ins Tor verlängerte (45.). Paris spielte stark, auch die die Angreifer Neymar und di Maria arbeiteten fleißig in der Abwehr. Niemand vermisste Kylian Mbappé, der in den Tagen vor den Spiel über Erkältungssymptome geklagt hatte und auf das Coronavirus getestet wurde. Das Ergebnis war zwar negativ ausgefallen, dennoch saß der Starstürmer beim Anpfiff nur auf der Bank.

          Nach der Pause spielten die Dortmunder dann zwar etwas besser, in den Kategorien Mut und Einsatzbereitschaft spielten sie jetzt auf Augenhöhe. Doch in Strafraumnähe blieben sie weiter ungenau und harmlos. Allerdings fehlte nur ein Tor zur Verlängerung, und die Pariser waren schon 2018 und 2019 jeweils nach komfortablen Führungen in den Schlussphasen der Achtelfinalrückspiele noch ausgeschieden. Sie konnten also hoffen, dass das Pariser Trauma irgendwie helfen würde. Doch mehr als harmlose Fernschüsse (Julian Brand, 73., 77., Emre Can, 75.) brachten sie nicht zustande. Und als Can dann auch noch mit einer Roten Karte vom Platz flog, weil er Neymar umgestoßen hatte (88.), war das Spiel verloren.

          Die Dortmunder scheitern damit zum dritten Mal in Folge im Achtelfinale eines Europapokal-Wettbewerbs, was langsam die grundsätzliche Frage aufwirft, ob der BVB sich noch zu den zehn besten Klubs des Kontinents zählen darf. Beide Pokalwettbewerbe sind damit früher zu Ende gegangen als erhofft, und in der Bundesliga beträgt der Rückstand auf den FC Bayern auch schon vier Punkte. Die Gefahr ist groß, dass diese Mannschaft, die sich zuletzt so wunderbar entwickelt hat, am Ende mit dem Minimalziel begnügen muss. Der abermaligen Möglichkeit, an der Champions League teilzunehmen und vielleicht 2021 endlich mal wieder ins Viertelfinale vorzustoßen. „Wir haben verloren, haben aber nicht schlecht gespielt“, sagte BVB-Trainer Favre im TV-Sender Sky. „Paris war etwas stärker und ist durchaus verdient weitergekommen“, sagte Mats Hummels.

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