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Champions League : Fast der nächste Rückschlag für den BVB

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Ein spätes Tor und drei Punkte: BVB-Profi Erling Haaland beim Spiel gegen St. Petersburg Bild: AFP

Nach dem missglückten Start in die Champions League wendet die Borussia einen weiteren empfindlichen Dämpfer spät ab. Weil der BVB gegen St. Petersburg erst ein Elfmeter bekommt – und Torjäger Haaland am Ende doch noch trifft.

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          Lange Phasen der Trostlosigkeit bescherte Borussia Dortmund seinen Zuschauern vor den Fernsehern am Mittwochabend im strömenden Oktoberregen. Als wollten sie diesen Tag, an dem die Nation über neue ernüchternde Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie informiert wurde, mit dem passenden Fußballspiel beenden, quälten sie sich zu einem tiefgrauen 2:0 gegen Zenit St. Petersburg. Ein Elfmeter von Jadon Sancho und ein spätes Tor von Erling Haaland bescherten ihnen drei wichtige Punkte. Die Leistung des Teams war jedoch bis in die Schlussphase hinein blass und bieder.

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          „Wir hatten oft den Ball und mussten schnell spielen“, sagte Torschütze Haaland nach dem Spiel bei Sky. „Wir wussten, dass die Chance kommt. Am Ende sind es drei wichtige Punkte. Wir mussten geduldig sein, es ist ein sehr wichtiger Sieg.“ Trainer Lucien Favre verglich die Abwehr der Gäste mit „zwei Bussen vor dem Tor, es war sehr, sehr schwer.“ Und Sportdirektor Michael Zorc äußerte: „Wir sind zufrieden, weil wir das Spiel mehr als verdient gewonnen haben.“

          In der ersten halben Stunde schoss Giovanni Reyna einmal aus guter Position aufs Tor, setzte seinen Versuch aus 16 Metern aber knapp neben den Pfosten (15.) ansonsten passierte lange wenig. Die Dortmunder hätten ein Dribbling oder eine raumöffnende Idee von Jadon Sachno gebrauchen können, aber der Engländer befindet sich seit Wochen auf Formsuche. „Tief, Tief“, rief Favre mehrfach, seine Spieler schienen nicht zu wissen, wie sie diesen Hinweis umsetzen sollten und begannen mehr und mehr auch untereinander zu diskutieren.

          Keine Rehabilitation

          Und wie es so ist in solchen Spielen, irgendwann hat auch der Gegner seine Chance. Nach einer Flanke von links unterschätzte Torhüter Roman Bürki den Ball, doch Sebastian Driussi nutzte seine Kopfballchance nicht (35.). Bürki hatte abermals den Vorzug vor Marvin Hitz erhalten, der ja Mitte des Monats drei Mal spielen durfte. Vor dem Anpfiff weigerte sich Favre ein weiteres Mal, klarzustellen, wer denn nun seine Nummer Eins für die kommenden Monate sein soll. Für Aufklärung sorgte aber Sportdirektor Zorc als er sagte: „Die Geschichte hat jetzt einen sehr langen Bart. Roman war unsere Nummer Eins und ist unsere Nummer Eins.“ Hitz sei eben auch ein guter Torhüter und habe ein wenig Spielpraxis bekommen.

          Die Torhüterposition spielte für diesem Abend aber eher eine untergeordnete Rolle. Der BVB benötige offensive Lösungen. Mahmoud Dahoud war lange Zeit der einzige, der zumindest ab und zu einen Einfall hatte, wirklich durchschlagend waren aber auch seine Versuche nicht. Erst in der Viertelstunde vor der Pause wurde das Spiel des BVB etwas schwungvoller, Reus (39.), und Haaland (42.) kamen zu Chancen, aber als Rehabilitation für das schwache Spiel von Rom aus der Vorwoche taugte diese Leistung nie.

          Dabei hatte Favre wie schon beim 3:0 gegen Schalke eine Viererkette nominiert und damit einen zusätzlichen Offensivspieler aufstellen können. Doch der Plan ging nicht auf, und nun fehlte in dieser Saison erstmals auch ein Publikum im Westfalenstadion, das hätte Impulse geben können.

          Nachdem in den ersten Partien der Saison noch rund 10.000 Zuschauer kommen durften und gegen Schalke am vorigen Samstag noch 300 zugelassen waren, fand diese Partie nun vor komplett leeren Rängen statt, was Hans-Joachim Watzke deutlich kritisierte. „Wir sind wie die Stadt und das Dortmunder Gesundheitsamt komplett anderer Meinung, weil wir überzeugt und sicher sind, dass wir über ein nachweislich funktionierendes Gesundheitskonzept verfügen“, hatte der Dortmunder Geschäftsführer im Vorfeld des Spiels erklärt.

          Die zweite Hälfte begann der BVB dann etwas energischer, Reus traf den Pfosten, stand aber im Abseits (48.). Doch auch dieser Schwung flaute schnell wieder ab. Der BVB spielte und spielte ohne Rhythmuswechsel und ohne Inspiration, Dahoud schoss noch einmal ganz ordentlich aus der Ferne, aber in den meiste Zeit war dieses Spiel vor allem: langweilig. Sie brauchten einen Elfmeter, um schließlich doch in Führung zu gehen. Vyacheslav Karavaev hatte den eingewechselten Thorgan Hazard umgerissen. Sancho verwandelte souverän (77.), bevor Haaland in der Nachspielzeit sogar noch ein zweiter Treffer gelang.

          Was das reine Ergebnis betrifft hat sich die Lage beim BVB mit dem Sieg gegen Schalke und diesem Erfolg gegen St. Petersburg nun etwas entspannt, nachdem die Niederlage von Rom in der vergangenen Woche noch mächtig für Unruhe gesorgt hatte. In dieser Champions-League-Gruppe, die definitiv zu den einfacheren zählt, sind sie zurück in der Spur. Aber fußballerisch war das ein Abend zum Vergessen.

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