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Bergamos Robin Gosens : Ein Außenseiter für Außen

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Robin Gosens: Ein Profi mit einem ungewöhnlichen Weg dorthin Bild: dpa

Außenverteidiger sind rar im europäischen Spitzenfußball, auch in der deutschen Nationalmannschaft. Robin Gosens zählt zu den besten, obwohl er nie ein Nachwuchsleistungszentrum gesehen hat. Jetzt wartet er auf eine Nominierung – vom Bundestrainer oder Bondscoach.

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          Robin Gosens mag sich noch nicht festlegen. „Wenn es wirklich dazu kommen sollte“, dass ihn Joachim Löw und Ronald Koeman anrufen, dann „musst du mit deinem Herzen wählen“, sagt er mit einem Lächeln. „Ich glaube auch nicht, dass es in diesem Fall eine gute oder schlechte Wahl gibt.“ Dass Gosens überhaupt die Wahl haben könnte, liegt, natürlich, an seiner Herkunft.

          Der 25 Jahre alte Außenverteidiger, der mit Außenseiter Atalanta Bergamo in der Champions League für Furore sorgt und am Mittwoch (21 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und auf Sky) im Achtelfinale auf den FC Valencia trifft, hat eine deutsche Mutter – und einen niederländischen Vater. Gosens wurde im niederrheinischen Emmerich unweit der Grenze geboren und ist im Stadtteil Elten aufgewachsen. „Ich fühle mich auch niederländisch und deutsch“, sagt er im Interview mit dem Fernsehsender NOS.

          Champions League

          Nachdem er in der U 19 bei Borussia Dortmund durch das Probetraining gefallen war (In einem Gespräch mit dem Fachmagazin „11Freunde“ nennt er den Nachmittag ein „Fiasko“), wechselte er über die Grenze, bis 2017 spielte er fünf Jahre in den Niederlanden. „Beide Länder sind fußballverrückt und leben den Fußball“, sagt er und hofft, bald für eines der Nationalteams auflaufen zu dürfen – auch wenn die Entscheidung ihm nicht leicht fallen würde.

          Bundestrainer oder Bondscoach?

          Sowohl Löw als auch Koeman haben den Linksfuß für die EM auf dem Zettel. „Ich persönlich habe von beiden Seiten noch nichts gehört und noch kein Telefonat geführt“, sagt Gosens. Doch nicht nur laut dem niederländischen Fachblatt Voetbal International ist es „nur eine Frage der Zeit“, bis Bundestrainer oder Bondscoach durchklingeln. Gosens, der auf links perfekt in Löws neues System mit defensiver Dreierreihe und offensiven Außen passen würde, hat sich längst einen Namen gemacht.

          Im vergangenen Sommer stand der Schalke-Fan kurz vor einem Wechsel zu den Königsblauen, im Winter war neben RB Leipzig auch der FC Chelsea interessiert. Sieben Tore und fünf Vorlagen in 21 Ligaspielen für Bergamo sind eine eindrucksvolle Visitenkarte, darunter auch ein Treffer per Direktabnahme gegen Inter Mailand beim 1:1 (0:1). Atalanta bezahlte 2017 läppische 900.000 Euro für ihn – jetzt soll der torgefährliche Mittelfeldverteidiger, mehr verlässlicher Passspieler statt Dribbler, 18 Millionen wert sein.

          Für Gosens ist das eine unwirkliche Summe. „Ich bin nicht der typische Profi, und das ist mir sehr, sehr wichtig“, sagt der Linksfuß, der parallel zum Profidasein noch ein Studium der Psychologie an einer Fernuniversität absolviert. Bei seinen ersten Spielen in der Königsklasse im vergangenen Herbst gegen all die „gigantischen Topstars“ habe er gedacht: „Wie kann das sein, dass du hier auf dem Platz stehst?“

          Gosens jobbte noch vor wenigen Jahren für 8,50 Euro die Stunde an der Tanke, vor den Spielen beim VfL Rehde wurden die Nächte „durchzelebriert“, ein Nachwuchsleistungszentrum hat er nie besucht – ein „Pluspunkt“, meint er, weil er immer noch dazulernen könne. Sein Ziel bleibt die Bundesliga, „wenn Schalke anklopft, gehe ich“, sagt er, obwohl er sich in Bergamo „sehr wohl“ fühlt.

          In seinem Kinderzimmer zu Hause steht in großen gelben Buchstaben der Spruch „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“ über dem Bett an der Wand. Er macht „keinen Hehl“ daraus, dass er auch von Länderspielen träume, sagt Gosens. Die Frage bleibt nur: in welchem Trikot?

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