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Kritik von Höwedes : „Die Seele des Fußballs wird verkauft“

  • Aktualisiert am

„Es ist einfach zu viel“: Benedikt Höwedes. Bild: Picture-Alliance

Mit Lok Moskau kehrt Benedikt Höwedes in der Champions League erstmals nach Schalke zurück. Zuvor übt der frühere Nationalspieler scharfe Kritik – an der jüngsten Entwicklung des Fußballs.

          Der frühere Nationalspieler Benedikt Höwedes hat die Einführung weiterer internationaler Wettbewerbe und die verschiedenen TV-Übertragungen scharf kritisiert. „Es ist einfach zu viel. Ich habe das Gefühl, dass momentan die Seele des Fußballs verkauft wird“, sagte der 30-Jährige dem „Westfälischen Anzeiger“ in einem Interview. Höwedes, der bis zum Sommer 2017 für den FC Schalke 04 spielte, kehrt am Dienstag (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) in der Champions League mit Lokomotive Moskau nach Gelsenkirchen zurück.

          Angesichts unterschiedlicher Sendezeiten und TV-Sender bei europäischen Wettbewerben sagte der Weltmeister von 2014: „Es dürfte auch immer schwieriger für den Fußball-Fan sein, größtes Interesse zu zeigen, wenn jetzt zum Beispiel mit der Europa League 2 noch ein weiterer Wettbewerb dazu kommt. Sogar von uns Spielern wissen ja einige gar nicht mehr, auf welchem Sender man denn jetzt noch einzelne Spiele der Champions League im Fernsehen sehen kann. Irgendwie geht ein bisschen die Freude am Fußball verloren.“

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          Kritik der Fans könne er daher nachvollziehen. „Es geht schließlich um die Fans. Der Profi-Fußball ist doch etwas so Besonderes, weil wir fast stets in ausverkauften Stadien spielen“, sagte Höwedes. „Warum also jene vergraulen, die ein normales Spiel zu einem besonderen machen? Dafür sehe ich keinen Grund.“ Nach 577 Tagen kehrt Benedikt Höwedes am Dienstag in sein „Wohnzimmer“ zurück – mit gemischten Gefühlen. „Einerseits freue ich mich darauf, nach Hause zu kommen“, sagte er dem „kicker“: „Aber es wird nie normal für mich sein, gegen Schalke zu spielen. Den Verein, für den ich 16 Jahre lang aktiv und dessen Fan ich immer noch bin.“

          Schon im Hinspiel hatten beim langjährigen Kapitän der Königsblauen, der am 13. Mai 2017 seine 335. und letzte Partie für die Gelsenkirchener in der Veltins Arena bestritt, die Gefühle verrückt gespielt. „Ganz, ganz merkwürdig“ hatte es der 30-Jährige gefunden, nach dem 0:1 in die Schalker Kabine zu kommen und seine alten Kollegen jubeln zu sehen, weil sie gegen ihn gewonnen hatten. Auch diesmal will Höwedes seinen „alten Jungs“ erst nach dem Schlusspfiff „um den Hals fallen“. Denn: „Das wird keine Spaßveranstaltung.“ Für Schalke, den auf Bundesliga-Rang 13 abgestürzten Vizemeister, geht es sportlich um nichts mehr – Platz zwei in der Gruppe D und damit das Achtelfinale in der Königsklasse sind sicher. Moskau dagegen kämpft noch um die Teilnahme an der K.o.-Runde der Europa League.

          Die Freude über das Wiedersehen hält sich allerdings in Grenzen, wenn es um Schalkes sportliche Führung geht. Zu Trainer Domenico Tedesco und Sportvorstand Christian Heidel will sich Höwedes öffentlich nicht äußern und „das Thema noch mal aufwärmen“. Doch der erzwungene Abschied schmerzt noch immer. Für Tedesco war der 44-malige Nationalspieler nicht mehr gut genug. Erst nahm er ihm kurz nach seinem Amtsantritt 2017 die Kapitänsbinde ab und empörte die Fans, als er ihm beim Wechsel zu Juventus Turin nachrief: „Reisende soll man nicht aufhalten.“

          Der bitter enttäuschte Höwedes konterte: „Reisende kann man aufhalten, wenn man will.“ Als er nach einem Jahr in Italien mit zahlreichen Verletzungen und nur drei Spielen zurückkehrte, hatte Tedesco keine Verwendung mehr für ihn. Er wechselte für fünf Millionen zu Lokomotive Moskau, wo er in Sportchef Erik Stoffelshaus und Außenstürmer Jefferson Farfan zwei frühere Schalker wiedertraf. Dass Königsblau nach der überraschenden Vizemeisterschaft in der vergangenen Saison tief in die Krise gestürzt ist, erfüllt ihn nicht mit Genugtuung - im Gegenteil: Er wünsche seinen ehemaligen Kollegen, dass „sie zurück in die Spur finden“. Das erscheint nach dem 1:2 im 175. Revierderby gegen Borussia Dortmund schwerer denn je – zumal fast der komplette Sturm verletzt ausfällt. Tedesco will deshalb „mal etwas Neues probieren“. Weil auch Steven Skrzybski (Hämatom im Brustbereich) noch nicht zur Verfügung steht, holte der Coach U-19-Angreifer Ahmed Kutucu hoch.

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