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2:0 gegen Lissabon : Sanches ist mehr als Reiseführer für die Bayern

„Ein wunderbarer Spieler“: Niko Kovac wird für seine Nominierung von Renato Sanches belohnt. Bild: dpa

Der deutsche Meister siegt in der Champions League souverän gegen Lissabon. Ein ehemaliger Benfica-Spieler hat dabei für München einen ganz großen Moment. Die Zuschauer erheben sich.

          3 Min.

          Niko Kovac hat in seinem ersten Champions-League-Spiel als Trainer Mut bewiesen - und sich dafür am Mittwochabend durch einen 2:0-Sieg mit Bayern München bei Benfica Lissabon belohnt. Der von ihm überraschend im Mittelfeld aufgestellte Renato Sanches leitete den Angriff zur Führung durch Robert Lewandowski ein (10. Minute) und erzielte selbst den zweiten Treffer (54.), für den ihn das Publikum seines alten Klubs in seiner Heimatstadt feierte.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Das ist ein besonderer Moment für mich. Ich bin glücklich, dass ich getroffen habe. Ich möchte mich bei den Fans bedanken“, sagte Sanches und erhielt ein Extra-Lob von Kovac: „Es freut mich für Renato und uns als Team. Was er in der Vorbereitung gemacht hat, war schon außerordentlich. Heute war sein Zeitpunkt gekommen. Renato hat eine gute Technik. Dass er Fußball spielen kann, wussten wir. Man muss aber bedenken, dass er ein junger Spieler ist.“

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          Der FC Bayern behielt somit die gute Gewohnheit, sich von Anfang an die nötige Ruhe zu verschaffen, bei und gewann zum 15. Mal hintereinander das erste Spiel einer Champions-League-Saison.

          Sanches weist den Weg - auf dem Feld

          Es war erst der zehnte Startelfeinsatz für den 21-jährigen Sanches im Team des deutschen Meisters, seit er 2016 als frisch gekürter Europameister mit Portugal und als eines der angeblich größten europäischen Talente von Benfica zu den Bayern gekommen war - für 35 Millionen Euro, die sich durch Bonuszahlungen auf bis zu 80 Millionen Euro erhöhen können.

          Kovac hatte angekündigt, dass Sanches „nicht als Reiseführer“ in seine Heimatstadt mitreisen würde - und hielt Wort. Dabei war Sanches in der vergangenen Saison mangels Aussichten auf Einsätze beim deutschen Meister noch an den Premier-League-Klub Swansea City ausgeliehen worden - und als Absteiger nach München zurückgekehrt.  Am Mittwoch aber spielten er und Javi Martinez im Mittelfeld anstelle des wegen einer Zehenblessur geschonten Thiago und des erst vier Minuten vor Schluss in seinem hundertsten Champions-League-Spiel eingewechselten Thomas Müller.

          Münchner Führung: Robert Lewandowski trifft zum 1:0.

          Und der junge Portugiese fand schon früh genug Platz vor, um den Angriff zur Führung einzuleiten. Nach einem Diagonalspurt durch das leere Spielzentrum spielte er den Ball auf Franck Ribéry, der am linken Flügel auf den ihn hinterlaufenden David Alaba wartete. Dessen klugen Pass von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr nahm Lewandowski, den Blockversuch des grätschenden Verteidigers Alex Grimaldo umgehend, elegant zur Seite an und nutzte den gewonnenen Raum für einen plazierten Flachschuss ins Eck. Es war bereits das 46. Champions-League-Tor des Polen - und der Auftakt zu einer Druckphase, in der die Bayern mehrfach das da schon mögliche 0:2 versäumten.

          Arjen Robben, von Joshua Kimmich mit einem langen Pass freigespielt, scheiterte drei Minuten nach der Führung vor Odisseas Vlachodimos, dem in Stuttgart geborenen und ausgebildeten Benfica-Torwart, der 2017 mit der deutschen Junioren-Auswahl U-21-Europameister war. Weitere drei Minuten später verdarb Ribéry einen Fünf-Mann-Konter mit einem eigensinnigen, schwachen Abschluss. Und nach zwanzig Minuten verpasste James eine butterweiche Flanke von Alaba am Fünfmeterraum um Haaresbreite und wurde dann von Robbens Nachschuss getroffen - der Querschläger flog knapp am Tor vorbei.

          Benfica hatte bis dahin nicht ein einziges Mal aufs Tor geschossen - und brauchte für seine erste Gelegenheit denn auch den einzigen Fehler des sonst souveränen Mats Hummels, der mit seinen rosa Schuhen den Ball an Eduardo Salvio verlor. Der Argentinier schoss über das Tor (22.) und scheiterte dann bei seiner zweiten Chance mit einem Schuss aufs kurze Eck an Torwart Manuel Neuer (28.). Die Bayern gerieten danach unter Druck und konnten sich gegen das Pressing der bemühten Portugiesen fortan nur selten spielerisch befreien.

          Zwei Torschützen: Robert Lewandowski (links) gratuliert Renato Sanches (rechts) zu dessen Treffer zum 2:0. Lewandowski hatte die Führung erzielt.

          Die einzige Torchance, die ihnen vor der Pause noch vor die Füße fiel, verdankten sie einem krassen Ballverlust des Verteidigers Rúben Dias, der Ribéry und Robben in eine Zwei-zu-eins-Überzahlsituation brachte. Doch der Niederländer scheiterte frei vor dem Tor mit einem unplazierten Rechtsschuss an Vlachodimos.  

          Sanches entschuldigt sich, das Publikum feiert ihn

          Aus einer Drucksituation am Bayern-Strafraum ergab sich dann die bemerkenswerteste und letztlich entscheidende Aktion des Spiels. Kimmich brachte an der eigenen Torauslinie den Ball in Bedrängnis zu Robben, der ihn mit einem Hackentrick auf Sanches weiterleitete. Durch diese überraschende Auflösung der Situation fand Sanches plötzlich viel Platz, trieb den Ball dynamisch über vierzig Meter durchs Zentrum und bekam ihn nach drei weiteren Stationen über Lewandowski, Ribéry und James fünf Meter vor dem Tor zurück, wo er den von ihm selbst eingeleiteten perfekten Schnellangriff schließlich selbst vollendete.

          Applaus für ihren ehemaligen Schützling: Nach dem Treffer von Renato Sanches feierten die Benfica-Fans den Bayern-Profi im Estádio da Luz lautstark.

          Danach hob er die Hände halb entschuldigend, halb dankend Richtung Publikum - in dem sich Tausende erhoben, um den früheren Benfica-Zögling mit großem Beifall zu feiern, eine große Geste des portugiesischen Publikums.  „Wahnsinn, das habe ich noch nie erlebt. Mich freut es unglaublich für den Jungen“, sagte Joshua Kimmich bei Sky dazu: „Er hat ein Riesenspiel gemacht. Da ziehe ich meinen Hut, wenn man sieht, aus welcher Situation er kommt.“ 

          Benfica mühte sich weiter, der frühere Frankfurter Haris Seferovic schoss flach vorbei, Dias scheiterte per Kopfball an Neuer - doch den Portugiesen fehlten an diesem Abend einer wie ihr verlorener Sohn, der nach zwei verlorenen Jahren nun seine Bayern-Karriere in Gang bringen könnte.

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