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7:0 gegen Donezk : Bayern zittern nur drei Minuten

Die Bayern wollen in der Champions League noch höher hinaus Bild: AP

Die Bayern haben leichtes Spiel und schießen Schachtjor mit 7:0 ab - auch weil ein Donezk-Spieler die schnellste Rote Karte der Champions-League-Historie sieht. Sorgen haben die Münchner dennoch, weil zwei Stars verletzt vom Rasen müssen.

          3 Min.

          Die befürchtete Zitterpartie für den FC Bayern hat am Mittwoch keine drei Minuten gedauert. Dann zückte der schottische Schiedsrichter William Collum die Farbe Rot, und der Rest des Abends wurde eine Gala der Roten. Nach dem Platzverweis für den Ukrainer Oleksandr Kucher, dem schnellsten der Champions-League-Geschichte, wegen eines Fouls an Mario Götze und nach dem daraus folgenden, von Thomas Müller verwandelten Elfmeter hatte der deutsche Meister die Partie gegen Schachtjor Donezk locker im Griff.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          So zogen die Bayern mit einem 7:0-Sieg nach dem 0:0 im Hinspiel sicher ins Viertelfinale ein. Die weiteren Tore erzielten Jerome Boateng (34. Minute), Franck Ribéry (49.), Müller (52.), Holger Badstuber (63.), Robert Lewandowski (75.) und Götze (87.). „Die Rote Karte kam uns natürlich entgegen. Dann haben wir es souverän zu Ende gespielt“, sagte Boateng. „Das Foul und der Platzverweis nach zwei Minuten haben uns voll in die Karten gespielt“, erklärte auch Badstuber.

          Zum ersten Mal sahen 70.000 Zuschauer ein Champions-League-Spiel in der Münchner Arena, die in der Winterpause erweitert worden war. Sie erlebten ein Heimteam, das schon durch die von Trainer Pep Guardiola gewählte Aufstellung mit fünf Offensivkräften und Bastian Schweinsteiger als einzigem Defensivmann im zentralen Mittelfeld deutlich machte, dass es an diesem Abend nur eine Richtung geben sollte: vorwärts.

          Und raus bist du: Kucher sieht den frühesten Platzverweis in der Historie der Champions League Bilderstrecke

          Mircea Lucescu, der Trainerveteran des ukrainischen Meisters, hatte eingeräumt, dass man „Guardiola nicht überraschen“ könne – und sich dennoch etwas ausgerechnet: „Ein Weiterkommen ist möglich.“ Diese Möglichkeit schrumpfte aber schon mit dem ersten Münchner Angriff auf einen Wert nahe dem Nullpunkt, als nach Ribérys Direktspiel auf Götze Verteidiger Kucher mit seinem Klärungsversuch zu spät kam und den Bayern-Angreifer traf.

          Der Elfmeter war eine logische Folge, der Platzverweis hingegen eine Ermessenssache, die der Schiedsrichter sehr zu Ungunsten des Ukrainers auslegte – ein weiteres Beispiel für den Unsinn der automatischen Mehrfachbestrafung (Elfmeter, Platzverweis, Sperre), die einem Spiel mit einem einzigen Zweikampf jede Spannung nehmen können.

          Den Bayern war das natürlich an diesem Abend mehr als recht. Müller verwandelte sicher, und danach spielten sie den dezimierten Gegner an die Wand. Robert Lewandowski legte quer auf Arjen Robben, der den Ball knapp vor dem leeren Tor nicht mehr ganz erwischte (7. Minute). Robben drosch den Ball nach einer flach gespielten Ecke über die Latte (11.), ehe er sich wegen eines eingeklemmten Nervs im Rücken früh auswechseln ließ. Lewandowski setzte einen Kopfball an den Pfosten (24.). Müller köpfte frei in die Arme des Torwarts (29.).

          Es schien in dieser Phase, als könnten all die namhaften Torjäger trotz drückender Überlegenheit das Tor einfach nicht treffen. So war es ein Verteidiger, der die Lücke finden musste. Abwehrchef Boateng, der den einzigen nennenswerten Konter der Ukrainer durch den Brasilianer Alex Teixeira nach fünfzehn Minuten mit einem präzisen Tackling beendet hatte, zeigte sich nach einer guten halben Stunde plötzlich im gegnerischen Strafraum, leitete einen Kopfball auf Müller weiter, der auf Lewandowski verlängerte, und dann landete der von Torwart Pyatov abgewehrte Schuss des Polen als Abpraller wieder bei Boateng. Aus kurzer Entfernung traf der Nationalspieler das leere Tor zum 2:0.

          15:1 Torschüsse in der ersten Halbzeit verdeutlichten die Überlegenheit der Bayern, die sich nach der Pause noch vergrößerte. Während sein Gegenspieler Dario Srna an der Außenlinie behandelt wurde, nutzte Ribéry den Freiraum, um in den Strafraum einzudringen und nach Doppelpass mit David Alaba das 3:0 zu erzielen. Schon beim nächsten Angriff, wieder von der linken Seite durch Ribéry eingeleitet, prallte der Ball nach Lewandowskis Schuss weg vom Tor, und Müller stand da, wo ein Müller stehen muss, und schob ihn zum 4:0 ein. Ribery musste wenig später angeschlagen raus. Immer wieder fasste sich der Franzose ans Sprunggelenk. Für ihn kam Bernat. „Die erste Info ist, dass es nicht so schlimm ist“, berichtete Trainer Guardiola.

          Nachdem das Team aus Donezk seine einzige Torchance durch Luiz Adriano knapp vergeben hatte (55.), durfte sich auf der anderen, ständig belagerten Seite noch ein Bayern-Verteidiger sein Erfolgserlebnis holen. Holger Badstuber, in seinem ersten Startelf-Einsatz in der Champions League seit zweieinhalb Jahren, setzte eine Rafinha-Flanke ins Netz und entschädigte sich so mit seinem ersten Treffer in der „Königsklasse“ für die lange, von schweren Knieverletzungen geprägte Leidenszeit.

          Kurz darauf durfte Badstuber raus und Dante, zuletzt in Hannover sehr früh ausgewechselt, als sein Vertreter wieder ein wenig Spielpraxis und Selbstvertrauen zurückgewinnen. Und am Ende gelang auch Lewandowski und Götze noch ihr Tor – es war ein Abend, an dem sich jeder, der ein rotes Hemd trug, sein Erfolgserlebnis holen konnte.

          Müller ist nun übrigens als bester deutscher Champions-League-Torschütze mit Mario Gomez gleichgezogen. Der Fußball-Nationalspieler vom FC Bayern erzielte beim 7:0 der Münchner gegen Donezk seine Königsklassen-Treffer 25 und 26. Gomez, jetzt beim AC Florenz unter Vertrag und derzeit verletzt, traf in seiner Zeit für die Bayern 23 Mal. Drei Treffer verbuchte der Nationalspieler für den VfB Stuttgart. Rekordtorschützen der Champions League sind gleichauf Cristiano Ronaldo (Real Madrid) und Lionel Messi (FC Barcelona) mit je 75 Treffern. Der FC Bayern München selbst stellte am Mittwoch eine Bestmarke auf. Höher haben die Bayern nie in der Königsklasse gewonnen.

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