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Ärger in München : FC Bayern verbannt Breitner von der Ehrentribüne

  • Aktualisiert am

„Ich möchte den einen oder anderen im Moment sowieso nicht sehen“: Paul Breitner. Bild: Picture-Alliance

Nach dem verbalen Rundumschlag von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge bei der legendären Pressekonferenz übte Paul Breitner scharfe Kritik. Nun erhält er einen Anruf – mit Konsequenzen.

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          Paul Breitner darf nach eigener Aussage beim Fußball-Bundesligaverein FC Bayern München nicht mehr auf die Ehrentribüne. „Es gab einen Anruf von Herrn Dreesen, mir werde von Uli Hoeneß nahegelegt, mich auf absehbare Zeit nicht im Ehrengast-Bereich blicken zu lassen“, sagte der frühere Münchner Profi der „Bild“ über ein Telefonat mit Bayern-Vorstandsmitglied Christian Dreesen.

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          „Ich habe ihm gesagt: Damit habe ich ohnehin gerechnet. Und ich möchte den einen oder anderen im Moment sowieso nicht sehen.“ Breitner habe seine beiden Ehrenkarten, die er als Ehrenspielführer auf Lebenszeit besitze, nun zurückgeschickt an Dreesen. Der 67-Jährige will die Spiele der Münchner aber weiterhin besuchen. „Ich werde mir ab sofort meine Karten ganz normal kaufen, wenn ich ins Stadion gehen will“, sagte er.

          Breitner, der bis März 2018 noch Markenbotschafter der Bayern war, hatte im Oktober den verbalen Rundumschlag von Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei einer ungewöhnlichen Pressekonferenz scharf kritisiert. „Ich bin nach wie vor deprimiert, weil ich mir nie vorstellen konnte in 48 Jahren, die ich mit oder am Rande des FC Bayern lebe, dass sich dieser Verein diese Blöße gibt, dass er diese Schwäche zeigt“, sagte Breitner im Bayerischen Rundfunk. „Was den Uli angeht: Ich verstehe vieles nicht, was dort passiert ist.“

          Ergebnisse, Termine, Auslosung: Spielplan der Champions League

          Derweil steht für Niko Kovac, der noch keine fünf Monate Trainer des FC Bayern ist, schon ein schnelles Arbeitsende in München im Raum. Vor dem Champions-League-Spiel an diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) gegen den portugiesischen Fußball-Rekordmeister Benfica Lissabon wurde der 47-Jährige gefragt, ob er Angst davor habe, dass es womöglich seine letzte Partie als Bayern-Coach sein könnte. „Nein“, lautete die kurze Antwort: „Was soll mich negativ stimmen?“ Vielleicht die negative Stimmung im Verein, bei den Bossen, in der Mannschaft und bei den Fans, die nach dem peinlichen 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf am Wochenende lautstark pfiffen. „Die Fans sind auch stinksauer“, sagte Flügelstürmer Arjen Robben, der aber mit Blick auf das Benfica-Spiel glaubt: „Sie werden uns unterstützen.“

          In der Bundesliga sind die Bayern bei inzwischen neun Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund weit ins Hintertreffen geraten. In der Champions League sieht es besser aus: Mit zehn Punkten führen die Münchner die Gruppe E vor Ajax Amsterdam (8), Benfica Lissabon (4) und AEK Athen (0) an. Das Achtelfinalticket liegt damit am Abend bereit. „Wir brauchen nur einen Punkt“, sagte Kovac zur dann sicheren vorzeitigen Qualifikation für die K.o.-Phase. „Aber wir wollen gewinnen“, fügte er mit Nachdruck hinzu.

          Ein weiteres Unentschieden im eigenen Stadion würde die Stimmung kaum drehen. Das weiß Kovac. Nach der Fundamentalkritik von Präsident Hoeneß am Zustand des Bayern-Teams im Anschluss an die Düsseldorf-Partie ist Kovac gefordert. Hoeneß legte sich nur fest, dass der Kroate auch gegen Benfica der Mann auf der Bank sein werde. Hoeneß’ Analyse sei die „Wahrheit“, räumte Kovac ein. Er will kämpfen. Kritik an seiner Arbeit kontert er: „Es ist schon so, dass wir offensiv und defensiv eine Idee haben – und eine Vorgabe.“

          Große Auswahl bei der Aufstellung hat Kovac angesichts des kleinen Kaders nicht. Für Kingsley Coman und Thiago kommt ein Einsatz nach Verletzungen noch zu früh. James Rodríguez und Corentin Tolisso fallen auch weiter aus. Immerhin nahm der angeschlagene Serge Gnabry am Abschlusstraining teil. Der schnelle Angreifer könnte damit zumindest als Joker auf der Ersatzbank sitzen.

          Ein besonderer Abend ist es auch für Renato Sanches. Beim 2:0 im Hinspiel spielte der junge Portugiese in Lissabon gegen seinen früheren Klub groß auf, erzielte sogar ein Tor. „Das war ein super Moment für mich“, sagte der 21-Jährige. Auch im Rückspiel hofft er, auflaufen zu dürfen und einen Beitrag zum Erfolg leisten zu können. „Benfica und wir, beide müssen gewinnen. Es wird ein emotionsreiches Spiel“, glaubt Renato Sanches. Für ihn ganz bestimmt.

          Die aktuelle Verwundbarkeit des FC Bayern – gerade in Heimspielen – ist auch in Lissabon registriert worden. Trotzdem ist der Respekt ungebrochen. „Wir spielen hier nicht gegen irgendeinen Gegner“, sagte Trainer Rui Vitória am Montagabend in München. „Es ist eine große Herausforderung für uns, hier zu gewinnen.“ Bayern habe Manuel Neuer im Tor, dazu starke Verteidiger wie Jérôme Boateng oder Mats Hummels, die schon die Weltmeisterschaft gewonnen hätten.

          Kovac rechnet nicht damit, dass Benfica total offensiv auftritt und wegen des nötigen Sieges sofort „Harakiri“ spielen werde. Vitória bestätigte das: „Wir können nicht alle nach vorne stürmen. Wir müssen defensiv sehr gut stehen, taktisch gut organisiert sein und schnell nach vorne spielen. Und wir müssen unsere Torchancen nutzen.“

          FC Bayern nach Fan-Protest in rot-weißen Heimtrikots

          Der FC Bayern hat auf die Proteste der Fans reagiert und will ab nächster Saison auf farbliche Abwechslung bei den Heim-Trikots verzichten. Der deutsche Fußball-Rekordmeister teilte am Montag mit, dass „zukünftig für die Hauptspielkleidung, bestehend aus Trikot, Hosen und Stutzen (sogenanntes Home-Trikot), ausschließlich die traditionellen Vereinsfarben Rot und Weiß verwendet werden“. In dieser Saison spielen die Münchner in blau-roten Trikots und teils in dunkelblauen Hosen, wogegen die Anhänger unter anderem mit Stadionbannern regelmäßig protestierten. Für Aufregung sorgten die Bayern zuletzt auch mit ihrem mintgrünen Auswärtsoutfit. (dpa)

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