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5:1 gegen Arsenal : Münchner Champions-League-Modus

Jubel zweier Torschützen: Lewandowski und Thiago entscheiden das Spiel nach der Pause für Bayern. Bild: AFP

Die Bayern sind mal wieder im Champions-League-Modus: München schießt Arsenal London mit 5:1 ab. Der Auftritt straft alle Zweifler nach den zuletzt dürftigen Auftritten in der Bundesliga ab.

          „Superbayern, Superbayern“ – der Ruf, der vor vier Jahren in der Triple-Saison entstand, ist am Mittwoch erstmals nach längerer Zeit wieder zu Recht durch die Münchner Arena geschallt. Es war der Soundtrack zu einer famosen zweiten Halbzeit, in der die Bayern nach fünf glanzlosen Vorstellungen in diesem Jahr genau im richtigen Moment, wie es ihre Art ist, zwei Gänge höher schalteten. Mit dem 5:1-Sieg der Bayern in der ersten K.o.-Runde der Champions League war der FC Arsenal noch gut bedient. Arjen Robbens Führungstreffer (11. Minute) hatte Alexis Sanchez im Nachschuss nach einem Foulelfmeter (29.) ausgeglichen, doch nach der Pause spielten die Bayern ihren Lieblingsgegner mit drei Treffern binnen zehn Minuten an die Wand. Nach den Toren von Robert Lewandowski (53.) und zweimal Thiago Alcántara (56./63.) traf am Ende auch noch der eingewechselte Thomas Müller (88.). So scheint das vierte Weiterkommen im vierten Achtelfinale gegen Arsenal nach 2005, 2013 und 2014 im Rückspiel am 7. März fast sicher.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Alles begann nach Maß für die Bayern – durch eine Aktion, wie man sie aus der Bundesliga bestens kennt: Arjen Robben, der nach innen zieht und aus dem Rückraum abschließt. Hatte Trainer Arsène Wenger vielleicht noch die alten Videos aus der Zeit vorgespielt, als Robben noch bei Chelsea war? Da spielte er aber auf der anderen, der linken Seite und zog nicht nach innen zum Schießen mit links, sondern zur Grundlinie zum Flanken. Gegen Arsenal also fand der Niederländer nach elf Minuten ungewohnt viel Platz für seinen Lieblings-Move. Gegenspieler Coquelin machte sogar noch Platz. So zog Robben unnachahmlich ab – mit großer Wucht und scharfer Kurve ins Kreuzeck.

          Javi Martinez (links) von München und Torschütze Alexis Sanchez von Arsenal. Bilderstrecke

          Die Bayern dominierten danach eine Viertelstunde lang deutlich, verloren dann aber ein wenig den Faden, nachdem Alexis Sanchez, mit 19 Treffern der beste Schütze der englischen Premier League, erstmals gefährlich antrat. Mats Hummels foulte ihn knapp vor der Strafraumgrenze, Mesut Özil trat den Freistoß eher harmlos genau Richtung Manuel Neuer, doch dem Bayern-Torwart misslang der Versuch, den halbhoch aufsetzenden Ball zu fangen – allerdings hätte eine Abseitsstellung den Ausgleich ohnehin verhindert. Er fiel aber vier Minuten später nach einem Foul von Lewandowski, der nach einer Arsenal-Ecke den Ball wegzuschlagen versuchte, dabei aber Laurent Koscielny traf, der kurz vor ihm am Ball war. Den folgenden Elfmeter plazierte Sanchez schlecht, Neuer hielt, aber der Chilene hatte großes Glück, gleich zweimal die Chance zum Nachschuss zu erhalten. Zuerst schlug er ein Luftloch, konnte den Ball dann aber, von zwei Abwehrspielern bedrängt, mit der Brust unter Kontrolle bringen und ins linke Eck schießen.

          Danach war es zumindest für eine Viertelstunde ein ausgeglichenes Spiel, mit zwei Kopfballgelegenheiten für Lewandowski, der die Zuspiele aber immer etwas in den Rücken bekam. Auf der Gegenseite kam der frühere Mönchengladbacher Granit Xhaka zu einer erstklassigen Gelegenheit, doch sein Volleyschuss flog genau auf Neuer. Dazu forderten die Bayern zweimal Handelfmeter, jeweils nach unübersichtlichen Situationen. Einmal schien Shkodran Mustafi den Ball mit der Brust gespielt zu haben, beim zweiten Mal ging er Hector Bellerin an den Arm, von David Alaba aus kurzer Entfernung angeschossen, so dass es im vertretbaren Ermessen des serbischen Schiedsrichters Milorad Mazic lag, weiterspielen zu lassen.

          Unmittelbar nach der Pause verletzte sich Arsenals Abwehrchef Koscielny, und die Bayern nutzten die deutliche Schwächung der Defensive des Gegners umgehend. Am rechten Flügel fand Philipp Lahm wieder einmal traumwandlerisch sicher das richtige Timing zum Hinterlaufen seines Vordermannes Robben, der den Zug nach innen antäuschte, dann den startenden Lahm anspielte, und dessen Flanke köpfte Lewandowski, im Sprungduell hoch über Mustafi in der Luft stehend, zum 2:1 ins Netz. Und nur drei Minuten später fächerten die Bayern ihre ganze Klasse in einer spanisch-polnischen Koproduktion aus – Xabi Alonso passte auf Lewandowski, der den Ball mit der Hacke direkt in den Lauf von Thiago streichelte. Der Spielmacher nutzte die perfekte Vorarbeit zum 3:1.

          Nachdem Lewandowski, vom herausgeeilten Torwart weit nach außen abgedrängt, das 4:1 mit einem Schlenzer aus spitzem Winkel auf die Latte des verwaisten Tores knapp verpasst hatte, ebenso wie Javi Martinez, der nach einer Ecke mit einem Kopfball am glänzend reagierende Ospina scheiterte, übernahm abermals Thiago die fällige Bestrafung des nun völlig überforderten Gegners. Als die Engländer den Ball nach einer weiteren Ecke nicht wegbekamen, schoss der Spanier von der Strafraumgrenze, und der Ball, von Xhaka abgefälscht, flog vorbei an Ospina ins Tor. Kurz vor Schluss durfte sich auch der erst eine Minute vorher eingewechselte Müller am Preisschießen beteiligen. Da war das Spiel längst entschieden und Arsenal kein Gegner mehr, nur noch ein Sparringspartner. Die Bayern dürften in der Lage sein, ihn in drei Wochen aus dieser Rolle nicht mehr herauszulassen.

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