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1:0 gegen Benfica : Die Bayern legen nur einen kleinen Grundstein

Jubel des Torschützen: Vidal triumphiert Bild: dpa

Frühe Führung, zähe Fortsetzung: Für Bayern München wird der Weg ins Halbfinale der Champions League etwas mehr Arbeit als erhofft. Benfica wehrt sich nach turbulenter Anfangsphase recht geschickt.

          Das fünfte Halbfinale nacheinander in der Champions League zu erreichen wird noch ein hartes Stück Arbeit für den FC Bayern. Im Viertelfinalhinspiel zwischen den beiden größten Fußballvereinen der Welt, die zusammen über eine halbe Million Mitglieder haben, sind die Bayern am Dienstagabend gegen Benfica Lissabon nicht über ein 1:0 hinausgekommen, ein dünnes Polster für das Rückspiel im hitzigen Estadio da Luz am nächsten Mittwoch.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Nach dem frühen Treffer von Arturo Vidal (2. Minute) verpasste der deutsche Meister mehrfach einen komfortableren Vorsprung, hatte nach der Pause aber in zwei Situationen Glück, nicht den Ausgleich zu kassieren. „Es muss auch mal ein 1:0 reichen. Wir fahren nach Lissabon und wissen, dass es eine enge Kiste ist“, sagte Bayern-Torwart Manuel Neuer.

          Vor drei Wochen, beim dramatischen Weiterkommen gegen Juventus Turin, hatten Mannschaft und Fans neunzig Minuten lang, bis zu Thomas Müllers spätem Ausgleich, der die Bayern in die Verlängerung rettete, auf eine Befreiung warten müssen - diesmal dauerte es nur zwei Minuten. Nach einem feinen Seitenwechsel durch Douglas Costa legte Robert Lewandowski den Ball hinaus auf den linken Flügel, wo Außenverteidiger Juan Bernat Zeit und Ruhe zu einer präzisen Flanke fand. Der aus dem Rückraum durchgestartete Vidal lenkte sie per Kopf aus fünf Metern zur frühen Führung ins Tor.

          Kopfball und Tor: Arturo Vidal trifft Bilderstrecke

          Die Portugiesen brauchten einige Minuten, um sich zu sortieren und zu zeigen, warum sie so weit gekommen sind in der Champions League, doch am Drücker blieben vorerst die Bayern. Nach zwanzig Minuten schlenzte Thiago Alcántara, stets auf der Suche nach dem Besonderen, ein Zuspiel präzise über die Viererkette auf den Fuß von Thomas Müller. Dessen Volleyschuss aus 15 Metern wurde Torwart Ederson, der seinen verletzten brasilianischen Landsmann Julio Cesar vertrat, stark gehalten.

          Nach 33 Minuten war es abermals Thiago, der den Überraschungseffekt lieferte. Mit der Trickvariante eines als Torschuss angetäuschten, dann aber hinter die Mauer gelupften Freistoßes fand er den hinter der Mauer lauernden Müller, doch Ederson hatte die Finte geahnt und war rasch genug aus dem Tor gestürzt, um den Ball vor dem listigen Bayern abzufangen.

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          Drei Minuten später war es abermals Vidal, der aus dem Mittelfeld vors Tor stürmte und mit einem Kopfball nach Müller-Flanke Gefahr schuf, sein Aufsetzer tickte knapp über die Latte. Und schließlich probierte nach vierzig Minuten Franck Ribéry eine Wiederholung seines spektakulären Seitfallzieher-Tores vom 1:0 gegen Frankfurt drei Tage zuvor, traf den Ball diesmal aber nicht ganz so grandios.

          Benfica hatte 45 Minuten lang nur ein einziges Mal einen Hauch von Torgefahr erreicht, als man ein Handspiel von Philipp Lahm im Strafraum reklamierte - der Schiedsrichter winkte jedoch zu Recht ab, weil der Bayern-Kapitän den Ball ohne Vorsatz im Fallen an den Arm bekommen hatte. Dann aber, in der letzten Szene vor der Pause, völlig überraschend fast der Ausgleich: Nicolás Gaitan kam aus zwölf Metern frei zum Abschluss, schoss aber Vidal an.

          Und plötzlich, nach 56 Minuten, zeigte sich zum ersten Mal der gefürchtete Benfica-Torjäger Jonas, der einst, als es mit der Fußballkarriere in Brasilien nicht gut losgegangen war, wie sein Bruder Apotheker hatte werden wollen - dann aber spät als Profi doch noch das richtige Rezept fand. Der 32-Jährige, mit 30 Toren in 29 Ligaspielen der derzeit neben Gonzalo Higuain (SSC Neapel) treffsicherste Spieler in Europas Top-Ligen, hätte gegen die Bayern um ein Haar sein bisher wichtigstes Tor erzielt, als er einen hohen Ball mit der Brust annahm, sich geschickt um David Alaba drehte und frei vor Torwart Manuel Neuer an dessen starker Reaktion scheiterte.

          Acht Minuten später bekam Jonas die abermalige Riesenchance zum 1:1, und das gleich doppelt. Er schoss aber erst Javi Martinez an und verfehlte dann das Tor. Die Gelegenheit, das Verpasste im Rückspiel nachzuholen, wird der Benfica-Torjäger nicht haben, er ist wegen einer Gelben Karten vom Dienstag gesperrt.

          Abgesehen von einem Weitschuss von Bernat taten die Bayern sich schwer, nun gegen die aufmerksame portugiesische Abwehr noch gefährliche Gelegenheiten herauszuspielen. Die beste Konter-Chance vertändelte Lewandowski in der 83. Minute. Es reichte am Ende zum elften Heimspielsieg hintereinander in der Champions League, aber, wie zuletzt zwei Mal in der Bundesliga, nur mit dem Ergebnis von 1:0. Gegen Köln und Frankfurt war das genug, gegen Benfica vielleicht nicht.

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