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3:0 gegen Celtic : Heynckes kann auch noch Champions League

Erfolgreiche Rückkehr in die Champions League: Jupp Heynckes siegt mit den Bayern Bild: Reuters

Celtic Glasgow war kein Maßstab: Gegen die Bayern hielten die Schotten nicht dicht. Jupp Heynckes kehrt mit einem lockeren Sieg in die Champions League zurück.

          3 Min.

          War was? Wer am Mittwoch nach vier Wochen auf einer einsamen Insel mit Funkloch in die Münchner Arena zurückgekehrt wäre, hätte alles ganz normal finden können - ein deutlicher Heimsieg des deutschen Meisters gegen einen völlig überforderten Gegner. Nur der ältere Herr da unten im weißen Rechteck vor der Trainerbank sah irgendwie anders aus als Carlo Ancelotti. Drei Wochen nach der 0:3-Blamage bei Paris St-Germain, die den FC Bayern gehörig durchgerüttelt und zur Rückkehr von Jupp Heynckes aus dem Ruhestand geführt hatte, war die Stimmung schon wieder bestens, selbst bei den lustigen, grün-weiß gestreiften Fans aus Schottland, deren Team Celtic Glasgow mit dem 3:0-Sieg der Bayern noch bestens bedient war. Die Treffer erzielten Thomas Müller (17. Minute), Joshua Kimmich (27.) und Mats Hummels (51.).

          Champions League
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Genießen ist so eine Sache. Man hat tausend Kleinigkeiten zu tun, ist konzentriert. Erst wenn die Mannschaft fast perfekt gespielt hat, ist es besser“, sagte Heynckes zu seiner Rückkehr in die Champions League - fast viereinhalb Jahre nach dem großen Finaltriumph mit den Bayern. „Wir haben drei, vier Torchancen zugelassen. Das ist etwa, was wir abstellen müssen. Man muss am besten immer zu null spielen.“

          Das Spiel gegen Celtic wirkte von der Besetzung fast wie der Versuch eines Revivals von 2013. Vier Spieler von damals standen auch am Mittwoch im Team, Jerome Boateng, David Alaba, Arjen Robben und Thomas Müller, dazu zwei, die damals beim Gegner Borussia Dortmund spielten, Mats Hummels und Robert Lewandowski. Drei weitere hätte Heynckes gewiss auch aufgestellt, wären sie nicht verletzt gewesen, Manuel Neuer, Franck Ribéry und dazu, durch eine am Samstag beim 5:0 gegen den SC Freiburg erlittene Schulterblessur, auch Javi Martinez - für den Spanier spielte Sebastian Rudy, die einzige Veränderung, die Heynckes von seinem ersten zum zweiten Spiel vornahm.

          Die Zeit der ständigen Rotation wie zuletzt unter dem Vorgänger Carlo Ancelotti ist fürs Erste vorbei. Dem Team scheint es gut zu tun. Gegen Celtic spielten sich mit zunehmender Dauer der Partie die vielen kleinen Automatismen und Routinen wieder ein, die aus einem Fußballteam im Idealfall eine Art organische Einheit machen. Schon nach sechs Minuten lag der Ball erstmals im Tor der Schotten, doch der Linienrichter hatte den Ball vor Robert Lewandowskis Hereingabe auf Thiago fälschlicherweise im Toraus gesehen. Auch eine Minute später fühlte Lewandowski sich ungerecht behandelt, als er nach einem Zupfer von Mikael Lustig zu Boden ging, aber keinen Elfmeter zugesprochen bekam.

          Ein drittes und letztes Mal wurden die überforderten Glasgower, in der vergangenen Saison mit 106 Punkten und 106 Toren ungeschlagener schottischer Meister, in München aber von Beginn an auf völlig verlorenem Posten, nach 14 Minuten vor dem überfälligen Rückstand bewahrt - diesmal nicht durch die Unparteiischen, sondern durch Alaba, aus sieben Metern zwei Meter über das Tor schoss.

          Geteilte Freude: Torschütze Müller bedankt sich bei Vorbereiter Robert Lewandowski (r.) Bilderstrecke
          Geteilte Freude: Torschütze Müller bedankt sich bei Vorbereiter Robert Lewandowski (r.) :

          Dann brach die Flankenkunst des anderen Außenverteidigers den Bann. Zuerst flankte Kimmich von der rechten Seite mit rechts, der Ball wurde abgewehrt, landete wieder bei Kimmich, der nun eben den anderen Fuß nahm - mit links, zum Tor hin drehend, lupfte er den Ball gekonnt hinter die aufrückende Abwehrkette, wo sich Lewandowski freigeschlichen hatte. Den Kopfball des Polen konnte Torwart Craig Gordon noch erreichen, nicht aber den Nachschuss des hellwachen Müller. „Thomas hat heute überragend gespielt“, sagte Trainer Heynckes.

          Eine ähnlich gefühlvolle Hereingabe, diesmal von der anderen Seite durch Kingsley Coman, führte zum 2:0 durch den für Kopfballtore physisch nicht gerade prädestinierten Kimmich. Im Rücken der Celtic-Abwehr war der eingerückte Außenverteidiger aber so unbedrängt, dass er trotz seiner nur 1,75 Meter für sein Kopfballtor kaum springen musste. Gekonnt hob er den Ball mit der Stirn in hohem Bogen, jenseits der Reichweite des Torwarts, ins lange Eck.

          Während sich Bayern-Torwart Sven Ulreich zeitweise mit Gymnastikübungen weit vor seinem Strafraum die Zeit vertrieb, versuchte Arjen Robben eifrig, aber bis zur Pause noch erfolglos, in seinem hundertsten Champions-League-Spiel etwas zum Erfolg des Teams beizutragen. In aussichtsreicher Position versprang ihm der Ball nach einem schönen Hacken-Zuspiel von Lewandowski. Also verdiente er sich seinen ersten Sonderbeifall eben durch eine Defensivaktion. Als wär’s wieder 2013, als die Defensivarbeit der Flügelstars Robben und Ribéry eines der Markenzeichen des Triple-Gewinners Bayern war, sprintete er bei einem Konteransatz der Schotten nach hinten und nahm Scott Sinclair mit einer gekonnten Grätsche den Ball ab.

          Kurz nach der Pause konnte Robben sich dann wenigstens als Vorlagengeber in der Statistik seines Jubiläumsspiels verewigen. Er zirkelte seinen Eckball präzise auf den Kopf von Hummels, der das 3:0 erzielte. Und nach einer Stunde, als wieder Kimmich die Ausführung der Ecke übernahm, hätte Robben um ein Haar mit seinem kahlen Schädel seinen Treffer erzielt - sein Kopfball wurde aber von einem Abwehrspieler auf der Linie abgewehrt. „Das ist ein prickelnder Wettbewerb“, hatte Heynckes vor seinem Comeback als 72-Jähriger in der Champions League geschwärmt, „das Niveau ist gigantisch“. Das Niveau der Bayern ist wieder auf Normalniveau gestiegen, das ihrer Gegner wird aber auch noch zulegen. „Jetzt kommen Spiele gegen den HSV, zweimal gegen Leipzig und Dortmund. Dann kann man ein erstes Fazit ziehen“, sagte Heynckes.

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