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2:2 bei Real : Bayern München verpasst in Madrid das Tor zum Finale

Finale verpasst: Bayern München und James Rodriguez scheitern in Madrid Bild: AFP

Ein starker Auftritt im Estadio Santiago Bernabeu reicht nicht: Bayern München verpasst das Finale der Champions League. Ein Fehler von Torwart Ulreich unmittelbar nach Wiederanpfiff verursacht das Aus.

          4 Min.

          Die „bestia negra“ lebe noch, hatte Giovane Elber kurz vor der Reise nach Madrid behauptet. Und tatsächlich, die in Spanien lang gefürchtete „schwarze Bestie“ aus Bayern, jener Angstgegner, der Real in neun Europapokalduellen bis 2012 fünf Mal eliminiert hatte, darunter einmal durch einen Dreißig-Meter-Schuss von Elber im Halbfinale in Madrid auf dem Weg zum Champions-League-Triumph 2001 – dieses Untier hat am Dienstag im Bernabéu-Stadion wieder seine Zähne gezeigt. Und wird sich trotzdem wohl noch lange fragen müssen, wie es diese Beute am Ende hat entkommen lassen. Am Ende eines dramatischen, hochklassigen Duells reichte dem FC Bayern ein 2:2 im Halbfinalrückspiel beim Titelverteidiger nach dem 1:2 im Hinspiel nicht fürs Erreichen des Champions-League-Finales am 26. Mai in Kiew. „Es tut extrem weh. Gefühlt waren wie die gefährlichere Mannschaft, aber Real hat weniger Fehler gemacht“, sagte Mats Hummels.

          Champions League
          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Joshua Kimmich hatte die Münchner bereits nach drei Minuten in Führung gebracht, dann drehte Karim Benzema mit zwei Toren (11./46.) die Partie, die nach dem Ausgleich durch James (63.) zu einem einzigen, aber erfolglosen Sturmlauf des deutschen Meisters wurde – der nun auch im fünften Jahr seit dem Triple 2013 gegen eine spanische Mannschaft ausgeschieden ist, zum dritten Mal gegen Real. Für Jupp Heynckes bedeutet es, dass er in der vierten und letzten Champions-League-Saison seiner großen Trainerkarriere erstmals nicht das Endspiel erreicht.

          Heynckes hatte sein Team sehr offensiv und mutig aufgestellt, mit dem kreativen Mittelfeld James und Thiago sowie dahinter mit Corentin Tolisso, der als defensiver Mittelfeldspieler anstelle von Javi Martinez auch die deutlich angriffslustigere Wahl darstellte. Von Beginn an wurde die Partie ein temporeiches Offensivspektakel, mit Torgefahr auf beiden Seiten, zuerst aber durch die vom Start weg im Vorwärtsgang auftretenden Bayern. Real war noch nicht einmal kontrolliert aus der eigenen Hälfte gekommen, da lag der Ball schon im eigenen Netz. Eine Hereingabe von rechts konnte der weit bis an den Fünfmeterraum vorgestoßene Tolisso im Dreikampf mit Ramos und Varane nicht kontrolliert erreichen, doch der Ball prallte vor die Füße von Kimmich, der aus acht Metern zum 0:1 traf. Wie sechs Tage zuvor in München war es wieder der Rechtsverteidiger, der den im Hinspiel so oft gehemmten Stürmern zeigte, wie es geht.

          Doch anders als im Viertelfinale gegen Juventus Turin, als die Madrilenen nach einem 3:0-Auswärtssieg ein rasches Gegentor kassierten und am Ende nur mit viel Glück das Aus abwendeten, reagierten sie diesmal bissig und drängten auf die sofortige Antwort. Sie gelang, als Mateo Kovacic einen langen, präzisen Diagonalball auf den linken Flügel schlug, wo Marcelo, zu spät von Kimmich gestört, flanken konnte und den Ball perfekt über Torwart Sven Ulreich hinweg auf Benzemas Kopf zum 1:1 servierte.

          Es war der Auftakt für ein packendes, atemloses Hin und Her, in dem die Bayern zwingender wirkten, Real aber ebenfalls stets gefährlich blieb. Franck Ribéry steckte den Ball durch zu Thomas Müller, der ihn perfekt zum Elfmeterpunkt verlängerte, doch niemand hatte diese gute Idee vorausgesehen (20.). Alaba flankte von links, Reals Abwehr nahm abermals Schwimmunterricht, aber kein Münchner war im rechten Moment zur Stelle (23.).

          Dann plötzlich ein Konter von Real, Marco Asensio auf Cristiano Ronaldo, der Marcelo perfekt halblinks in Position brachte, doch der Brasilianer mit der ewigen Starkstromfrisur zögerte einen Moment zu lang und vergab so die große Chance (28.). Dann startete Mats Hummels ein Beckenbauer-Gedächtnissolo frontal durchs Mittelfeld, spielte perfekt durch auf Robert Lewandowski, dessen Schuss, von Keylor Navas gehalten, als einladender Abpraller, im hohen Bogen vor dem Real-Tor auftickend, erst von Müller, dann von James nicht im Tor untergebracht werden konnte (33.). Und schließlich wurde auch Ronaldo erstmals gefährlich, als er vom rechten Strafraumeck flach aufs kurze Toreck schoss und Ulreich mit starker Parade zur Ecke klärte (38.).

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          Diese erste Halbzeit wirkte wie die perfekte Ouvertüre zu einer ganz großen Fußballoper mit einem möglichen Erfolg für das Ensemble aus München, doch dann machten die Bayern nur Sekunden nach der Pause die bisherigen Anstrengungen zunichte. Tolisso spielte einen unnötig weichen Rückpass auf Ulreich, der unter Zeitdruck durch den anstürmenden Benzema einen Augenblick zu glauben schien, den Ball mit der Hand aufnehmen zu können, ehe er ihn dann doch wegzuschlagen versuchte, dabei aber ausrutschte. So konnte der Franzose mit dem Ball ins Tor laufen, und Bayern brauchte wieder zwei Tore, so wie zu Beginn der Partie. „Wir schenken wie im Hinspiel ein Tor einfach weg, das darf dir in so einem Halbfinale nicht zweimal passieren“, sagte Müller.

          David Alaba scheiterte mit einem scharfen Distanzschuss am starken Navas (51.), dann verpasste erst Modric das 3:1 mit einem Diagonalschuss knapp, dann schenkte Ronaldo den Bayern gleich zweimal noch eine letzte Chance. Erst rauschte er um Zentimeter vor dem leeren Tor an Asensios Hereingabe vorbei, dann hämmerte er das folgende Zuspiel aus sechs Metern über das Tor (53.). Bei den Bayern hielt es nun auch Innenverteidiger Niklas Süle nicht mehr hinten, er stürmte über rechts, bediente in der Mitte James, der, erst von Varane geblockt, im Nachschuss zum 2:2 traf.

          Es folgte eine irre Schlussphase, in der Navas gegen Tolisso (73.) und Müller (80.) rettete und auf der Gegenseite Süle im letzten Moment Ronaldo blockte (77.). Heynckes zog die beiden letzten Joker, brachte die Hünen Wagner und Martinez, um mit einem hohen Ball noch das späte, verdiente Glück zu erzwingen, das Hummels in der fünfminütigen Nachspielzeit plötzlich auf dem Fuß hatte – doch es blieb ihnen auf eine Art verwehrt, die keinen Fußballfan kalt lassen konnte. „Meine Mannschaft hat ein überragendes Spiel gemacht, natürlich sind wir deswegen enttäuscht“, sagte Trainer Heynckes. „Auf dem hohen Niveau darf man nicht die Fehler machen, die wir gemacht haben. Das wird bestraft und dann darf man sich nicht wundern, wenn man als zweiter Sieger vom Platz geht.“

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