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Bayerns 2:0-Sieg mit Flick : Der richtige Mann für den Moment

Stoiker am Spielfeldrand: Hansi Flick Bild: EPA

Die Bayern spielen endlich mal zu null und ihnen gelingt die frühe Qualifikation für das Achtelfinale. Es ist ein erfolgreiches, aber kein glanzvolles Debüt für Übergangstrainer Flick. Spielerisch dürfte es noch ein bisschen mehr sein.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Einmal hat Hansi Flick an diesem Champions-League-Abend in München kurz die Bodenhaftung verloren. Es war der Moment, als Robert Lewandowski das tat, was der Stürmer des FC Bayern in dieser Saison in fast jedem Spiel bisher gemacht hatte: Er erzielte ein Tor, das erste in dieser vierten Vorrunden-Partie des deutschen Rekordmeisters in der Königsklasse gegen Olympiakos Piräus. Der Münchner Interimstrainer verließ seinen Platz auf der Bank mit einem kurzen Freudenhüpfer, und als er wieder Boden unter den Füßen hatte, klatschte er in die Hände.

          Bis zur 69. Minute musste Flick auf diesen Moment warten, weil seine Mannschaft vor allem in der zweiten Hälfte zwar zu vielen Torschüsse gekommen war - am Ende wies die Statistik 27 aus – , aber eben lange nicht getroffen hatte. Später, kurz vor Schluss sorgte der erst ein paar Sekunden zuvor eingewechselte Ivan Perisic mit seinem ersten Ballkontakt für die Entscheidung (89.). „Ich habe es genossen, weil die Mannschaft die Qualität, die sie hat, gezeigt hat“, sagte Flick nach dem 2:0-Sieg, der dem FC Bayern die vorzeitige Qualifikation für das Achtelfinale bescherte  - und dem Cheftrainer auf Zeit ein erfolgreiches, wenngleich kein glanzvolles Debüt.

          Champions League

          Die Münchner hatten bewegte Tage mit der Entlassung von Trainer Niko Kovac gut 24 Stunden nach der 1:5-Klatsche bei Eintracht Frankfurt hinter sich. „Die Situation“, fand Flick, „war für die Mannschaft nicht so einfach.“ Vielleicht beurteilte er deshalb die Leistung etwas positiver, als sie tatsächlich war. Er lobte erst einmal, was  in seinen Augen alles gut gelang. „Es ging jetzt vor allem darum, nach vorne zu verteidigen, die Initiative hochzuhalten“, und das hätten die Spieler gut umgesetzt.

          Flick legte den Fokus darauf, die Mannschaft in der Mitte zu stabilisieren. Statt mit den Fußballkünstlern Thiago und Coutinho besetzte er das Zentrum etwas robuster – mit Leon Goretzka und Joshua Kimmich. Man habe sich „Olympiakos so zurechtgelegt, wie wir sie haben wollten“, fand Kapitän Manuel Neuer, der zum ersten Mal seit dem 4:0 gegen den 1. FC Köln Ende September keinen Gegentreffer kassierte. „Der Sieg steht immer über allem, aber es ist für unser Selbstbewusstsein in der Defensive wichtig, dass wir zu Null geblieben sind.“

          „Natürlich haben wir noch Luft nach oben“

          Dass die Bayern im Spiel eins nach Kovac in Olympiakos Piräus allerdings einen Gegner zu Gast hatten, der nur geringes Interesse an Offensivaktionen zeigte und sich lieber in der eigenen Hälfte verbarrikadierte  – ohne souverän in der Abwehr zu wirken -, ließen die Münchner unerwähnt. Und damit wäre man schon bei jenen Punkten, die nicht so gut klappten. „Natürlich haben wir noch Luft nach oben“, sagte Flick und sprach von „Automatismen, die wir noch besser machen können“. Er dürfte damit die fehlende Präzision bei Flanken vor dem Tor sowie die zum Teil zu langsam und ohne großen Esprit vorgetragenen Angriffe gemeint haben.  

          „Es hat ein bisschen der Glanz gefehlt“, gab der fleißige Thomas Müller zu, der auf seiner Lieblingsposition im offensiven Mittelfeld spielen durfte. Deshalb sei der Sieg „nicht ganz so himmelhochjauchzend“. Sportdirektor Hasan Salihamidzic räumte ein, „wir hätten ab und zu von hinten ein bisschen schneller spielen können und vorne im Sechzehner vielleicht die eine oder andere Situation klarer ausspielen können“, hob aber auch die Fortschritte im Vergleich zu den zuletzt so kritisieren Auftritten hervor. „Ich bin sehr zufrieden, dass wir zu null  und so kompakt gespielt haben. Im Großen und Ganzen haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht.“

          Salihamidzic wirkte erleichtert, dass zumindest das Ergebnis stimmte nach der Beförderung des Assistenten zum Cheftrainer und die Personalrochade damit erfolgreicher war als vor zwei Jahren, als Willy Sagnol den Job von Carlo Ancelotti übernommen hatte. Damals gab es unter dem Interimstrainer nur ein 2:2 gegen Hertha BSC – und Sagnol war anschließend den Job wieder los. Flick sitzt auf jeden Fall noch am Samstag beim Bundesliga-Spiel der Bayern gegen Borussia Dortmund auf der Bank, vielleicht aber auch noch länger, denn die Trainersuche der Münchner scheint sich schwierig zu gestalten.

          Nach den Absagen von Thomas Tuchel, Erik ten Hag und Ralf Rangnick ist nun angeblich jetzt Arsene Wenger Favorit – aber wohl nur als Übergangstrainer bis Saisonende. Er wäre damit der Nachfolger des Übergangstrainers Flick, den Salihamidzic explizit lobt. „Hansi hat es in den letzten Tagen wirklich  sehr konzentriert, fokussiert, selbstbewusst gemacht. Er ist im Moment der richtige Trainer für uns.“  Aber eben nur im Moment.

          Champions League

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