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Bayer Leverkusen : „Wir müssen realistisch bleiben, es ist unrealistisch“

  • -Aktualisiert am

Betriebsausflug? Bayer Leverkusen in Madrid Bild: dpa

An ein Weiterkommen gegen Atlético Madrid glauben bei Bayer höchstens noch Berufs-Optimisten. Stattdessen gilt es, im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League ein blaues Wunder zu vermeiden.

          Wunder? Gibt es immer wieder. Das sagt die Erfahrung im Fußball. Auch Bayer 04 Leverkusen, vom Volksmund gern als „Vizekusen“ verspottet, hat schon einmal ein Wunder geschafft: 1988, als die Werkself daheim nach einem 0:3 im Hinspiel bei Espanyol Barcelona den Rückstand im Rückspiel des Finales um den Uefa-Pokal wettmachte und schließlich per Elfmeterschießen die Silbertrophäe der Europäischen Fußball-Union eroberte.

          Es war der bis heute größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Um das Achtelfinale der diesjährigen Champions-League-Runde zu überstehen, brauchten die Rheinländer im Rückspiel (20.45 / live in ZDF, Sky und F.A.Z.-Liveticker) ein weiteres Wunder nach der 2:4-Heimniederlage gegen Atlético Madrid vor drei Wochen. Eines, das in der fünfundzwanzigjährigen Geschichte des lukrativsten und sportlich wertvollsten Klubwettbewerbs noch nicht ein einziges Team wahr gemacht hat.

          Nicht gerade frohgemut

          Nun aber Bayer Leverkusen? An ein solches Märchen mag Geschäftsführer Michael Schade nicht glauben. Der Vormann der Leverkusener Delegation, die sich am Montagmorgen auf den Weg zu ihrer Mission Impossible gemacht hat, fing erst gar nicht damit an, sich wie ein Tagträumer zu geben. „Wir müssen realistisch bleiben, es ist unrealistisch“, sagte er kürzlich beim Blick auf die ernüchternde Wirklichkeit. „Normalerweise sollte man sich auf jedes Champions-League-Spiel freuen. Aber dieses trifft uns im denkbar ungünstigsten Moment. Es wäre besser, wenn der Trainer eine komplette Trainingswoche hätte.“

          So aber ist der Kader des neuen Übungsleiters Tayfun Korkut, dem an diesem Mittwoch seine persönliche Champions-League-Premiere bevorsteht, nach zuletzt vier sieglosen Spielen nicht gerade frohgemut zu seiner vermutlich letzten Pflichtaufgabe in der diesjährigen „Königsklassen“-Saison in die spanische Hauptstadt gereist. Das 1:1 gegen Werder Bremen im ersten Bundesligaspiel unter dem Nachfolger des zuletzt erfolglosen Roger Schmidt weckte am Freitag kaum Hoffnungen auf einen bevorstehenden Umschwung zum Guten. Zu verkrampft, passiv und ungeordnet wirkte die Mannschaft, deren neuer Fußballlehrer anders als Schmidt, der die stete Balljagd zum obersten Stilprinzip ausgerufen hatte, mehr Wert auf den Ballbesitz und ein gepflegtes Passspiel legt. Tugenden, die der Deutsch-Türke in seiner Zeit als Profi von Real Sociedad San Sebastián und Espanyol Barcelona (2002 bis 2004) in Spanien erlernte und bis heute zu schätzen weiß.

          Kenner Spaniens, aber kein Atlético-Schreck: Tayfun Korkut

          Korkut hat das Estadio Vicente Calderón, in dieser Spielzeit vor dem Umzug in eine neue, ultramoderne Arena letztmals die rauhe Heimat von Atlético, aus eigenem Erleben schätzen gelernt. Er gewann dort 2003 mit San Sebastián 2:1 beim zweitgrößten Hauptstadtklub und schoss dabei das 1:0. Ihn deswegen als Atlético-Schrecken zu bezeichnen, wäre indes verwegen.

          Selbstvertrauen tanken

          Immerhin gibt sich Korkut zumindest nach außen furchtlos und mutig. „Wir wissen alle, dass es nicht einfach wird“, sagt er, „aber wir fahren nicht nach Madrid, um einen Ausflug zu machen. Wir wollen es umbiegen.“ Ob die Bayer-Profis es auch können, ist eine ganz andere Frage. Selbst wenn es stimmt, dass „man im Fußball schon viel gesehen hat“, wie Sportchef Rudi Völler sagt, etwa beim Gedanken an die legendären „Wunder von der Weser“, die Werder Bremen – nach Völlers Zeit dort – gelangen, so betrachtet er doch die „Mammutaufgabe“ gegen eine Mannschaft, die in den vergangenen drei Jahren zweimal im Champions-League-Finale stand, als eine Reifeprüfung für die kommenden Bundesligaspiele.

          „Am wichtigsten ist, dass wir eine gute Leistung zeigen und Selbstvertrauen tanken.“ Davon war der Bundesliga-Zehnte, dem eine Saison ohne internationale Zusatzbeschäftigung droht, zuletzt weit entfernt. In Madrid an diesem Mittwoch gut mitzuhalten wäre ein signifikanter Fortschritt. Schließlich hat Bayer 04 in Spanien auch den schlimmsten Albtraum seiner Klubgeschichte erlebt: 2012 beim 1:7 gegen den FC Barcelona, ebenfalls in einem Achtelfinalrückspiel der Champions League.

          Auch wenn Bayer diesmal auf sieben verletzte oder gesperrte Stammkräfte verzichten muss (Toprak, Tah, Henrichs, Bender, Havertz, Kießling und Calhanoglu), scheint das Team stark genug, ein blaues Wunder zu vermeiden. Es wirkt derzeit aber auch zu schwach auf der Brust, um ein Fußballwunder schaffen zu können.

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