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Leverkusen gegen Juventus : „Das wird ein geiles Spiel“

Leverkusen verspürt eine Vorfreude auf das Spiel in Turin. Bild: EPA

Nach der Blamage gegen Moskau steht Leverkusen vor dem zweiten Champions-League-Spiel schon unter Druck. Die Aufgabe bei einem der Favoriten auf den Titel in den Reihen, könnte aber schwerer kaum sein.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Als die Leverkusener Spieler in ihren schicken dunklen Anzügen in Turin aus dem Flieger stiegen, sahen einige von ihnen schon etwas geschafft aus. Den Abflug zum „geilen Spiel“ bei Juventus Turin mit Megastar Cristiano Ronaldo am Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) hatten sie kaum erwarten können - und dann hingen sie erst einmal auf der Startbahn fest. Der Sonderflug PUE 901 erhielt aus Verkehrsgründen erst eine Stunde später als geplant die Starterlaubnis.

          Champions League

          Nachhaltig zurückwerfen sollte die nicht optimale Anreise die Bayer-Profis nicht. „Es wäre schöner, wenn alles passt bei der Anreise“, sagte Trainer Peter Bosz: „Aber auf so etwas haben wir keinen Einfluss, deshalb darf man sich nicht ärgern.“ Grundsätzlich geht Bayer die Herkules-Aufgabe mit großem Optimismus an. „Uns muss man erstmal schlagen“, sagte Sportchef Rudi Völler vor dem Spiel beim italienischen Serienmeister, bei der Leverkusen nach der peinlichen 1:2-Auftakt-Niederlage in der Champions League gegen Lokomotive Moskau in der Pflicht steht, für eine Sensation zu sorgen.

          Natürlich sei Juve der Favorit, ergänzte der Weltmeister von 1990 und Italien-Kenner Völler, „sie sind eine der Mannschaften, die den Titel holen kann. Aber wir sind auch ein unangenehmer Gegner“. Den „ein oder anderen Großen“ könne der Fußball-Bundesligist sicher schlagen. „Und am liebsten fangen wir am Dienstag damit an“, sagte Völler. Auch seine Spieler glauben an das kleine Wunder von Turin. „Nichts ist unmöglich“, sagte der formstarke ehamlige Nationalstürmer Kevin Volland: „Auch nicht in der Champions League. Auch nicht in Turin. Das wird ein geiles Spiel. Und wir müssen es genießen.“

          Juve stehe nach dem 2:2 bei Atlético Madrid schließlich auch unter Druck, sagte Volland: „Die müssen auch gewinnen. Ich rechne uns durchaus Chancen aus.“ Turin um Ronaldo, den 2014er-Weltmeister Sami Khedira und den von Bosz bei Ajax Amsterdam entdeckten Shootingstar Matthijs de Ligt hat nach acht nationalen Titeln in Serie den Triumph in der Königsklasse als Ziel ausgegeben.

          Leverkusens Vorgabe ist das Achtelfinale, und damit wird es nach der 1:2-Heimblamage gegen Gruppen-Außenseiter Lokomotive Moskau zum Auftakt schon extrem eng. „Aber wir fahren da nicht hin, um uns die Stadt anzuschauen“, sagte Neuzugang Nadiem Amiri, der nach der Moskau-Pleite ins Team kam und der Gewinner der letzten beiden Wochen ist: „Wir wollen da auch was holen.“

          Auch Abwehrchef Sven Bender gibt sich vor seinem 50. Europacup-Spiel optimistisch. „Wir haben eine Truppe, die es mit jedem aufnehmen und jeden schlagen kann“, sagte der frühere Nationalspieler. Ob an seiner Seite nach zwei Spielen auf der Bank wieder der aktuelle Nationalspieler Jonathan Tah versuchen wird, Ronaldo zu stoppen, ließ Bosz am Montag offen.

          Der 34-jährige Ronaldo spielt in seinem 172. Europacup-Spiel zum 25. Mal gegen ein deutsches Spiel (bei schon 26 Toren), aber zum ersten Mal gegen Leverkusen. Den „1000-Tore-Sturm“ mit dem portugiesischen Weltstar und den beiden Argentiniern Paulo Dybala und Gonzalo Higuain wird Trainer Maurizio Sarri aber nicht loslassen. Zumindest nicht von Beginn an. „Sie gemeinsam beginnen zu lassen, ist ein interessanter Vorschlag“, sagte Sarri am Montag: „Aber dafür haben wir noch nicht die richtige Balance. Deshalb können wir das allenfalls in Phasen eines Spiels so machen.“ Die drei Offensivspieler haben zusammen über 1000 Pflichtspiel-Tore erzielt.

          So oder so wird die Leverkusener ein anderes Spiel erwarten als zuletzt gegen Union Berlin oder Augsburg mit bis zu 80 Prozent Ballbesitz. „Das wird diesmal komplett anders sein“, sagte Völler: „Aber vielleicht ist das auch gar nicht mal so schlecht.“

          Erinnerungen an 2001: Zweimal wegen Nebels abgesagt

          Das Wiedersehen von Bayer Leverkusen und Juventus Turin in der Champions League hat eine denkwürdige Vorgeschichte vor 18 Jahren. Das Zwischenrunden-Spiel der Saison 2001/02 in Turin musste wegen Nebels zweimal verschoben werden.

          21. November 2001: Der Schweizer Schiedsrichter Urs Meier sagt das für 20.45 Uhr angesetzte Spiel kurz vor dem Anpfiff wegen Sichtweiten von unter 30 Metern ab. Damit ist erstmals ein Champions League-Spiel mit deutscher Beteiligung der Witterung zum Opfer gefallen. Die Partie wird für den Mittwoch darauf zur selben Zeit wieder angesetzt. Bayers DFB-Pokal-Spiel gegen Bochum wird dafür verschoben.

          28. November 2001: Zwei Stunden vor dem geplanten Start wird es wieder neblig, die Uefa erklärt aber, das Spiel sei nicht in Gefahr. Doch wenige Minuten vor dem Anpfiff stellt Meier klar: Es kann wieder nicht gespielt werden. Die Uefa setzt die Partie nun gegen den Willen beider Vereine auf den nächsten Mittag um 15 Uhr an. Die nicht auf eine Übernachtung vorbereiteten Leverkusener finden ein Hotel 80 Kilometer vom Spielort entfernt.

          29. November 2001: Gerade einmal 6000 Zuschauer verlieren sich am Donnerstagmittag um 15 Uhr im Stadion „Delle Alpi“. Beide Teams treten unter Protest an. Vor allem die Leverkusener haben die chaotische Nacht augenscheinlich nicht gut verkraftet. Bayer verliert 0:4 (0:3). Nebel ist während der Partie aber keiner zu sehen.

          Trotz des Turiner Siegs zum Zwischenrunden-Auftakt scheitert Juve als Gruppenletzter, Leverkusen wird Gruppensieger und erreicht das Finale. Im (von Schiedsrichter Meier geleiteten) Endspiel verlieren die Rheinländer 1:2 gegen Real Madrid. (dpa)

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