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Champions League : Atléticos zahnlose Angreifer

Mario Mandžukić ist nach seiner starken Partie gegen Real Madrid auf Tauchstation. Bild: AFP

Vor dem Rückspiel in der Champions League gegen Leverkusen an diesem Dienstag (20.45 Uhr) zeigt die Formkurve von Atlético Madrid nach unten. Sinnbild ist Mario Mandžukić, der derzeit beim Trainer nicht die besten Karten hat.

          „Es ist Zeit aufzuwachen“, war der Kommentar in der Sportzeitung „As“ überschrieben, der die auffällig schwache Phase von Atlético Madrid der vergangenen Wochen analysierte, und die Sache lässt sich leicht zusammenfassen: Seit der spanische Meister in einer Galavorstellung im eigenen Stadion Real Madrid 4:0 vom Platz fegte und sich als Titelaspirant zurückmeldete, ist im rot-weißen Spiel der Wurm drin. In den vergangenen vier Auswärtspartien – darunter das 0:1 bei Bayer Leverkusen in der Champions League – gelang kein einziger Treffer mehr. Auch im torlosen Ligaspiel zuletzt bei Espanyol Barcelona enttäuschten die Offensivaktionen der Simeone-Truppe.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Eine weitere Statistik gibt den Anhängern des Klubs aus dem Madrider Süden zu denken: Den 33 Fouls des Gegners standen nur 18 eigene gegenüber. Die aggressive Grundeinstellung der vergangenen Saison, in der man sich von niemandem den Schneid abkaufen ließ und selbst den technisch überlegenen Ballkünstlern vom FC Barcelona zahlreiche Punkte raubte, hat sich offenbar verflüchtigt. Und als der erfahrene Innenverteidiger Miranda einmal so richtig zur Sache ging, war es auch nicht recht. Sein Ellenbogencheck gegen Abraham, der den Gegenspieler für eine Nacht zur Beobachtung ins Krankenhaus schickte, wurde mit der Roten Karte geahndet. Der Preis für den neuerlichen Punktverlust: Atlético musste dem Konkurrenten FC Valencia nach 16 Spieltagen in der Höhenluft den dritten Tabellenrang überlassen und ist nur noch Vierter.

          Atlético Trainer Diego Simeone zweifelt nicht am Selbstbewusstsein seiner Mannschaft.

          Neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer Barcelona und acht auf Real Madrid heißen aber auch, dass die Mannschaft um die Champions-League-Teilnahme im kommenden Jahr bangen muss. Unversehens ist Atlético dort, wo Trainer Diego Pablo Simeone sein Team zu Beginn der Saison gesehen hatte: nicht im Wettstreit mit den beiden Großen, sondern im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Valencia und Sevilla. Das Rückspiel gegen Bayer Leverkusen an diesem Dienstag (20.45 Uhr / Live bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) wurde deshalb zum Entscheidungsfight ausgerufen. Es gelte, endlich wieder die eigenen Stärken zu zeigen und in der europäischen Königsklasse die Optionen zu wahren.

          Das aber wird mit schlaffen Darbietungen wie in den vergangenen Wochen nicht zu schaffen sein. Das Null-Ergebnis bei Espanyol schob Simeone auf die grandiosen Paraden des gegnerischen Torwarts Casilla. „Wirklich besorgniserregend wäre es gewesen“, befand der Argentinier, „wenn wir keine Chancen herausgearbeitet hätten.“ Ansonsten sah der Coach einen kompakten Block und „eine Mannschaft, die wächst“. Auch Mittelfeldmann Tiago entschied sich nach dem torlosen Remis für die optimistische Lesart. „Ich habe ein starkes Team gesehen, auch nachdem wir nur noch mit zehn Mann gespielt haben. Wir hatten klare Torchancen und haben sie nicht verwertet, aber ich zweifele nicht an unserem Selbstbewusstsein. Wir kennen unsere eigenen Stärken. Wir müssen dranbleiben, dann kommen die Tore und auch die Siege.“

          Sind bereit: Atléticos Angreifer Fernando Torres (links) und Antoine Griezmann (rechts).

          Atlético hat gegen Leverkusen eine längere Erfolgsphase in der Champions-League-Serie zu verteidigen. Vergangene Saison gelangen der Mannschaft in der Champions League neun Siege und drei Unentschieden, bevor Real Madrid die Rot-Weißen im Finale von Lissabon in der Verlängerung niederrang. Diese Saison sehen die Zahlen zwar nicht mehr ganz so glanzvoll aus, doch Grund zur Panik besteht nicht. Ein einziges geschossenes Tor würde das Duell egalisieren, und das traut Atlético sich vor heimischem Publikum immer zu.

          Sorgen bereiten allerdings die Abnutzungserscheinungen im Spiel. Seit Mario Mandžukić gegen Real seine bisher stärkste Partie ablieferte, ist der Kroate mit der Nummer neun auf Tauchstation gegangen; im Ligaspiel gegen Espanyol vertraute Trainer Simeone ausdrücklich auf die Angreifer Griezmann und Fernando Torres. Wenn das eigene Mittelfeld aber keinen Druck entfaltet wie in den letzten Partien, sind die Offensivbemühungen zahnlos. Völlig unkommentiert lässt die Madrider Sportpresse den überraschendsten Befund nach dem Hinspiel in Deutschland: dass Bayer den spanischen Meister mit überlegenem Kombinationsfußball in die Knie gezwungen hat und sich mit dieser Spielweise auch im Calderón-Stadion Chancen ausrechnen darf.

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