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Atlético-Trainer Diego Simeone : Der große Provokateur aus Madrid

  • -Aktualisiert am

Immer wild gestikulierend an der Seitenlinie: Atlético-Trainer Diego Simeone. Bild: Picture-Alliance

Die Bayern sollten vor dem Halbfinale der Champions League gewarnt sein. Atlético-Trainer Diego Simeone ist ein Trickser, dem jedes Mittel recht ist, wenn es dem Erfolg dient.

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          Zu den in Spanien am weitesten verbreiteten Stereotypen gehört das vom Argentinier, der jede noch so alltägliche Situation zum Gegenstand einer tiefgründigen Psychoanalyse macht. Das ist kein bösartiges Vorurteil, es wird meist mit sympathischer Ironie vorgetragen, und natürlich stimmt es auch nicht. Außer beim Fußball. Redet ein Argentinier über Fußball, dann hört sich das tatsächlich so an, als ginge es um Geisteswissenschaften, Philosophie, Psychologie. Das Geschehen auf dem Platz wird dann schnell zur Allegorie auf das Leben, der Fußball zu einer Art Gottheit, die man gut oder schlecht behandeln kann, die Missachtung bestraft und Tugenden belohnt.

          Spaniens Fußballfans kennen mindestens zwei Argentinier, die dieses Stereotyp in ihren Augen bestätigen. Der eine heißt Jorge Valdano, Torschütze für Argentinien im WM-Finale von 1986 gegen Deutschland und ehemaliger Spieler, Trainer und Sportmanager von Real Madrid. Der zweite heißt Diego Simeone. Er trainiert Atlético Madrid inzwischen in der fünften Saison und hat den Verein längst unter seiner Kontrolle. Von ihm hören seine Spieler beschwörende Formeln wie: „Sie, als Menschen, haben großartige Werte. Also übertragen sie sie auf das Spiel. Das Spiel wird es ihnen danken.“ Spanische Medien meinen, dies sei die Sprache eines Magiers.

          Ob mit Zauberformeln oder einfach taktischer Versiertheit – bei seinen Spielern erreicht Simeone Maximalleistungen, zu denen sie an anderer Stelle nicht in der Lage scheinen. Der kolumbianische Stürmer Radamel Falcao, der Brasilianer Diego Costa oder der technisch versierte türkische Mittelfeldspieler Arda Turan brachten Atlético bei ihren Wechseln nach Monaco, Chelsea und Barcelona Millionenbeträge ein.

          Doch oft konnten sie bei ihren neuen Vereinen nicht an ihr gewohntes Niveau anknüpfen, während der von Chelsea heimgekehrte Fernando Torres an seiner alten Wirkungsstätte unter Simeone einen zweiten Frühling erlebt oder der vor zwei Jahren aus San Sebastián gekommene Franzose Antoine Griezmann zur treffsicheren zweiten Sturmspitze gereift ist. Demut, Respekt, Hartnäckigkeit, Aufstehen, Kämpfen – das sind die Vokabeln, mit denen Simeone seine Mannschaft starkredet. Der 45-Jährige aus Buenos Aires ist kein Jorge Valdano, der Borges zitiert, wenn er vom Fußball spricht, sondern ein Kämpfer.

          Beim letzten Ligaspiel flog ein zweiter Ball aus der Nähe der Reservebank aufs Spielfeld, als die Gegner aus Málaga gerade einen gefährlichen Konter starteten. Die Medien spekulieren, Simeone könne einen Balljungen dazu aufgefordert haben, den Ball hineinzuwerfen. Beweise gibt es keine. Dennoch wurde er von der Disziplinarausschuss des spanische Fußballverbands für die letzten drei Partien dieser Saison gesperrt und darf währenddessen nicht an der Seitenlinie stehen. Zudem muss der Argentiner eine Geldstrafe von 3000 Euro zahlen. Dass die spanischen Medien es ihm zutrauen, den Balljungen aufgefordert zu haben, zeigt, welchen Ruf Simeone genießt. Er ist auch ein Trickser, dem jedes Mittel recht ist, wenn es nur dem Erfolg dient.

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