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Drama für Atalanta Bergamo : „Fußball kann unglaublich grausam sein“

  • Aktualisiert am

Nicht nur Bergamos Torwart Marco Sportiello war völlig enttäuscht. Bild: Reuters

Paris mit Trainer Thomas Tuchel freut sich über das furiose Finale mit zwei ganz späten Toren. Neymar ist völlig begeistert. Der Schmerz bei Verlierer Atalanta Bergamo indes ist immens. Die italienischen Medien leiden arg.

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          Atalantas Trainer Gian Piero Gasperini konnte schon wenige Minuten nach dem Last-Minute-K.o. wieder lächeln. „Natürlich tut das weh, wir haben uns schon fast als Sieger gefühlt“, sagte der Coach nach dem 1:2 im Champions-League-Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain am Mittwochabend. „Aber uns bleibt die Freude darüber, eine großartige Saison gespielt zu haben und gegen die besten Teams Europas angetreten zu sein. Die Leute in Bergamo werden uns feiern, feiern für unser Auftreten. Meine Mannschaft hat alles gegeben.“

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          Mit famosen Partien hatte Atalanta der von der Corona-Pandemie so heftig heimgesuchten Industriestadt in der Lombardei phasenweise Ablenkung und Freude geschenkt und mit Platz drei in der Serie A und dem Einzug ins Finalturnier der europäischen Fußball-Königsklasse verzückt. Dass es gegen Paris wegen zwei Gegentoren in der 90. Minute und in der Nachspielzeit knapp nicht reichte, war bitter für den Außenseiter mit dem deutschen Mittelfeldspieler Robin Gosens. „Nicht sooo!“, klagte die Zeitung „Gazzetta dello Sport“ am Donnerstag.

          Die Norditaliener hatten sich 90 Minuten lang tapfer gegen die individuell deutlich überlegenen Pariser um Superstar Neymar und den eingewechselten Weltmeister Kylian Mbappé gestemmt und waren durch Mario Pasalic sogar in Führung gegangen. Am Ende reicht es nicht. „Es gibt nichts anderes zu sagen, als dass wir stolz sind auf diese Mannschaft“, twitterte Bergamos Bürgermeister Giorgio Gori. Auch die Tageszeitung „Tuttosport“ titelte groß: „Wir sind stolz auf euch. Fußball kann unglaublich grausam sein.“ Der „Corriere della Sera“ schrieb: „Schade, Atalanta.“

          Der Verein, in Bergamo ehrfürchtig „Göttin“ (La Dea) genannt, wird in der nächsten Saison in sein zweites Champions-League-Abenteuer gehen. Dann hoffen die Verantwortlichen auch wieder auf Heimspiele mit Fans. Dabei galt just das Achtelfinalhinspiel gegen den FC Valencia im Februar in Mailand mit zigtausenden Tifosi als eines der Events, das die folgenschwere Verbreitung des Coronavirus provozierte. Mehr als 15.000 Infektionen wurden bislang in der Provinz Bergamo gezählt.

          Am Mittwochabend saßen die Einwohner Bergamos gebannt vor den Fernsehern, auf kleinen Public-Viewing-Events wurde gemeinsam - und großteils unter Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen - geguckt. „Wir sind mächtig stolz auf die Jungs“, sagte Vereinspräsident Luca Percassi bei Sky. „Wir müssen glücklich sein.“

          Brasiliens Fußball-Star Neymar war nach der „dramatischen Wende“ unterdessen völlig begeistert. „Das war ein Spiel für den Trophäenschrank“, sagte der 28 Jahre alte Profi nach dem 2:1-Sieg von Paris zum Auftakt des Finalturniers der Champions League gegen Bergamo. Im fast menschenleeren Estádio da Luz hatten die Franzosen die Begegnung nach 0:1-Rückstand bis in die Schlussminute doch noch gewonnen.

          „Das ist unter den drei größten Spielen meiner Karriere, die wir gedreht haben. Ich mag solche entscheidenden Spiele. Das Einzige, was fehlte, waren die Fans, ein volles Stadion, da würden die Emotionen noch größer sein“, sagte Neymar. „Das war eine große Nacht.“ Marquinhos (90.) und der frühere undesligaspieler Eric-Maxim Choupo-Moting (90.+3) hatten für das Team von Trainer Thomas Tuchel das Spiel gedreht. In Neymars Heimat Brasilien wurden vor allem die Vorarbeit des Superstars bei beiden Toren als spielentscheidend herausgestellt.

          „PSG erreicht mit entscheidendem Neymar zum ersten Mal nach 25 Jahren das Halbfinale“, hieß es bei „Globoesporte“. „PSG schafft dramatische Wende – Neymar erlöst Paris“, titelte „UOL“. Oder: „Neymar, vom Albtraum zum Traum in drei Minuten“. PSG trifft nun im Halbfinale am 18. August auf Atlético Madrid oder RB Leipzig, die an diesem Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei Sky und DAZN) gegeneinanderspielen.

          „Ich habe im Kopf, dass wir das Finale erreichen werden. Niemand wird mir ausreden, dass wir um den Titel spielen werden“, sagte Neymar. „Wir haben einen Schritt gemacht, wir werden einen weiteren machen, der sehr schwierig sein wird, aber wir werden unsere Kräfte bündeln, um ein weiteres großartiges Spiel zu spielen“, sagte der Superstar nach dem Fußball-Drama.

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