https://www.faz.net/-gtm-9mp5v

Amsterdam in Champions League : Darum tut Ajax ganz Oranje gut

  • -Aktualisiert am

Beleben den niederländischen Fußball: Die Spieler von Ajax Amsterdam sind derzeit in Europa erfolgreich. Bild: Reuters

Der Erfolg des niederländischen Klubs in der Champions League freut auch die Konkurrenz. Noch vor dem Halbfinal-Rückspiel gegen Tottenham wird in der heimischen Liga etwas Bemerkenswertes beschlossen.

          Die erste Trophäe wurde am vergangenen Sonntag erobert, ausgerechnet in Rotterdam. 4:0 fertigte Ajax Amsterdam im Stadion De Kuip die Mannschaft von Willem II aus Tilburg ab, um den sperrigen „Beker“ für den niederländischen Pokalsieger in den Abendhimmel zu heben. Es war der erste Preis für den Renommierklub nach 1834 Tagen ohne nennenswerten Erfolg, und die Spieler gaben sich Mühe, ihn vor den Kameras und Mikrofonen zu feiern. In ihren vorwiegend jungen Karrieren als Profifußballer ist so etwas noch nicht vorgekommen. Wirklich enthusiastisch klangen de Jong, van de Beek & Co. dennoch kaum. In der Menüfolge, die sie sich vorgenommen haben, war das ja nur der erste Gang – ein Appetitanreger.

          Champions League
          ANZEIGE

          Vier Spiele in zehn Tagen entscheiden bis Mitte Mai darüber, ob der von halb Europa bewunderten Mannschaft tatsächlich Historisches gelingt. Nichts weniger bedeutete es, sollten die Ajacieden zum Landespokal den Meistertitel erobern und überdies noch ins Finale der Champions League einziehen. Die glänzenden Aussichten werden in diesen Tagen nur von einer „dunklen Wolke“ getrübt, wie einer der vielen Kommentatoren aus der Fußballnation kürzlich formulierte. Er sprach damit die Tatsache an, dass der Rekordmeister sich sehr schnell um neue Stammspieler kümmern muss – weil er zumindest einige der bisher bewährten im bevorstehenden Transferrummel verlieren wird. Das sind die unvermeidlichen Nebenwirkungen der globalen Aufmerksamkeit, die sie mit ihrem mutigen Spiel heraufbeschworen haben.

          Ein Umbruch ist vertraute Routine

          Was von außen als erstes Anzeichen einer Krise aufgefasst werden könnte, ist für die Sportliche Leitung des Vereins indes vertraute Routine. Vor zwei Jahren etwa, nach dem verlorenen Europa-League-Finale gegen Manchester United, musste sie sich auch um möglichst gleichwertigen Ersatz kümmern. Innenverteidiger Davinson Sànchez war in Richtung Tottenham Hotspur abgewandert, dem Gegner im Halbfinale der Champions League an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League sowie bei Sky und DAZN); Außenverteidiger Jairo Riedewald wechselte zu Crystal Palace; Bertrand Traoré, der quirlige Rechtsaußen aus Burkina Faso, wurde von Chelsea FC gekauft.

          Der Umbau des Teams hat dann gefühlt gerade mal ein halbes Jahr gedauert. Danach wurde die Spielergruppe unter Anleitung von Trainer Erik ten Hag immer besser – und wirkt nun perfekt eingespielt. Der fortlaufende Umbruch ist die Konstante des Ausbildungsvereins, darum verschwendet Sportdirektor Marc Overmars gar keine Zeit damit, die unbarmherzigen Gesetze des Marktes zu beklagen. Stattdessen hat der einstige Ajax-Star, der selbst später bei Arsenal und beim FC Barcelona auf den Flügeln stürmte, längst neue Transfers angebahnt.

          Für den nach Barcelona verkauften Frenkie de Jong soll in der nächsten Saison Razvan Marin im Mittelfeld den Takt angeben – ein 22 Jahre alter Rumäne, der von Standard Lüttich kommt. Für Matthijs de Ligt könnte demnächst der 18 Jahre alte Kik Pierie, ein fast ebenso athletischer Youngster vom SC Heerenveen, in der zentralen Defensive stehen. Außerdem will man sich mit Lisandro Martínez einig werden, dem 21 Jahre alten Talent vom argentinischen Überraschungsklub Defensa y Justicia. Er könnte früher oder später den vielfach nachgefragten Landsmann Nicolás Tagliafico ersetzen.

          Solche Transfers mit Ablösen nicht über zehn, zwölf Millionen Euro kann Ajax derzeit mühelos stemmen. Allein für de Jong und de Ligt wird man mindestens 145 Millionen einnehmen. Trotzdem will unter den Mitbewerbern diesmal auffällig wenig Gift und Neid gegenüber dem Liga-Krösus aufkommen. Zu gut tut es der arg strapazierten Fußballseele offenbar, endlich wieder mitzusprechen in Europas Elite, auf Vereinsebene wie mit der nationalen Elftal – und dies im Fall von Ajax auch noch im attraktiven Offensivstil, der nach dem Selbstverständnis sowieso eine niederländische Erfindung ist.

          „Was Ajax gerade zeigt, ist schön für den niederländischen Fußball“, resümierte Vurnon Anita, ein ehemaliger Ajacied in Diensten von Willem II, bereits vor dem Pokalfinale. Dazu komme es „genau zur rechten Zeit“, wie sich Toon Gerbrands als Allgemeiner Direktor der PSV Eindhoven ausdrückte, die Ajax in der Eredivisie punktgleich im Nacken sitzt. Damit spielte der Funktionär auf Pläne in der Uefa an, den Zugang zur Champions League ab 2024 für die Meister der kleineren Ligen weiter einzuschränken. In diesem Sinne sei die Hausse der Amsterdamer das Beste, was der heimischen Liga passieren könne: Ein Ausrufezeichen gegen den „geschlossenen Zirkel“.

          Auch Gerbrands’ PSV hat neulich zugestimmt, den letzten Spieltag der Eredivisie vorzuverlegen. Das ermöglichte den sonst so heftig Bekämpften 17 Tage Erholung und Anlauf, falls sie das Champions-League-Finale in Madrid erreichten. So viel Zusammenhalt muss im Interesse der Liga sein.

          Weitere Themen

          Real Madrid zweifelt an allem

          Champions League : Real Madrid zweifelt an allem

          Vor zwei Jahren noch dominierten spanische Klubs den europäischen Fußball. Doch von der einstigen Herrlichkeit ist lediglich ein Schatten geblieben. Das wird an Real besonders deutlich.

          Topmeldungen

          Series 5 im Test : Wie gut ist die neue Apple Watch?

          Am Freitag kommt die neue Smartwatch von Apple in den Handel. Die dunkle Anzeige im Ruhemodus ist damit Vergangenheit. Das Display der Series 5 ist immer eingeschaltet. Aber es gibt ein Problem.
          Hefte raus, wir schreiben Abitur: Gymnasium im oberbayerischen Kirchseeon

          Bildungspolitik : Das Abi ist ungerecht

          Jedes Land hat seine eigenen Aufgaben für die Prüfungen. Aber für alle Schüler gilt an der Uni der gleiche NC. Da muss sich was ändern.

          Brexit-Debatte : Schottland droht mit neuem Unabhängigkeitsreferendum

          Die schottische Ministerpräsidentin Sturgeon hat ein Unabhängigkeitsreferendum für das kommende Jahr angekündigt, sollte es zu einem No-Deal-Brexit kommen. EU-Kommissionspräsident Juncker will konkrete schriftliche Vorschläge von Premierminister Johnson.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.