https://www.faz.net/-gtm-9kjj9

Champions League : Die traurige Geschichte der tollen Ajax-Mannschaft

  • Aktualisiert am

Matthijs de Ligt ist mit gerade einmal 19 Jahren schon Kapitän von Ajax Amsterdam. Bild: AFP

Nach dem Coup von Madrid steht Amsterdam im Viertelfinale der Champions League. Die Niederländer berauschen sich am jungen Ajax-Team. Doch lange wird die Freude daran nicht währen.

          Den Niederländern kam es vor, als hätten sie was geraucht. „An einem halluzinierend schönen Abend erlebt Ajax das Wunder von Madrid“, kommentierte die Zeitung De Volkskrant den Auftritt von Ajax Amsterdam in der Champions League, der die ganze Fußballnation berauscht zurückließ. Das 4:1 (2:0) der jungen Wilden im Achtelfinal-Rückspiel beim entthronten Titelverteidiger Real Madrid erinnerte an die glorreichen Zeiten des sechsmaligen Europacup-Siegers.

          Champions League
          ANZEIGE

          Die Medien spielten jedenfalls verrückt. Von einem „wunderbaren Kunststück“, schrieb De Telegraaf. „Ajax gelang ein Wunder“, titelte NRC Handelsblad: „Das war die beste Leistung einer niederländischen Mannschaft seit dem 5:1 der Nationalmannschaft bei der WM 2014 gegen Spanien.“ Die Zeitung Algemeen Dagblad hatte einen „magischen Abend“ erlebt. Und De Volkskrant erkannte beim Erfolg gegen den Königsklassen-Gewinner der vergangenen drei Jahre „Fußball total 3.0.“

          Tatsächlich setzten Hakim Ziyech (8.), David Neres (18.), Dusan Tadic (62.) und Lasse Schöne (72.) mit ihren Toren ein Ausrufezeichen. Trotz der Niederlage im Hinspiel (1:2) schaffte der niederländische Rekordmeister zum ersten Mal seit 2003 den Einzug ins Viertelfinale. Nach der Vorstellung in Madrid ist es für Ajax in der Runde der besten Acht allerdings vorbei mit der Außenseiterrolle. Der erste Triumph in der Champions League seit 1995 scheint nicht unmöglich.

          Die Europacup-Saison steht für den Klub, der in der Gruppenphase zwei Remis gegen Bayern München holte (1:1 und 3:3), ohnehin unter dem Motto „jetzt oder nie“. Schließlich werden nahezu alle Leistungsträger und Top-Talente mit europäischen Spitzenklubs in Verbindung gebracht. Und das macht die Geschichte auch ein wenig traurig, denn die Mannschaft um Routinier Klaas-Jan Huntelaar (35) wird nach dem Ende der Spielzeit auseinanderfallen.

          Frenkie de Jong ist schon fast weg. Der 21 Jahre alte Mittelfeldspieler wechselt im Sommer für eine Ablöse von 75 Millionen Euro plus elf Millionen an möglichen Bonuszahlungen zum FC Barcelona. Der spanische Meister ist zudem an Kapitän Matthijs de Ligt interessiert. Der 19-Jährige wird aber auch von der halben englischen Premier League, Juventus Turin und Paris St. Germain umworben. Aufgrund der großen Nachfrage verlangt Ajax 85 bis 90 Millionen Euro für das Verteidiger-Juwel. Nicht ganz so teuer sollen Donny van de Beeck, Kasper Dolberg, Ziyech und Tadic sein. Aber auch ihre Namen werden bei Topklubs gehandelt – Borussia Dortmund und die Bayern zählen unter anderem dazu.

          Trainer Erik ten Hag, einst Coach bei der zweiten Mannschaft von Bayern München, hat also keine Zeit zu verlieren, wenn er mit seiner Truppe etwas reißen will. Auf die Leistung im Bernabeu lässt sich jedenfalls aufbauen. „Das war ziemlich nahe an der Perfektion“, sagte der Trainer: „Ich hatte jede Menge Spaß beim Zuschauen.“ Die hatte auch de Ligt beim spielen. „Die komplette Mannschaft hat funktioniert“, äußerte der Spielführer, der mehr will: „Wir haben den Bayern große Probleme bereitet. Wir haben den Titelverteidiger rausgeworfen. Wir können es weit schaffen.“ Die Traumreise von Ajax soll noch bis in den Juni weitergehen, spätestens dann ist sie vorbei – so oder so. Doch das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben. Die jungen Wilden haben es selbst in der Hand, für ein Happy Ende zu sorgen.

          Weitere Themen

          Von wegen Baseball auf Valium

          Kricket-WM : Von wegen Baseball auf Valium

          England gewinnt zum ersten Mal die Kricket-WM und hofft auf einen Schub. Entgegen seines langweiligen Rufs entfachte das Finale Hochspannung und Begeisterung für das Spiel.

          „Nur die Hitze kann Mercedes bremsen“ Video-Seite öffnen

          Kommentar zur Formel 1 : „Nur die Hitze kann Mercedes bremsen“

          Lewis Hamilton jubelt auch in Silverstone nach seiner Triumph- und Rekordfahrt. Ferrari und Red Bull kommen kaum mehr hinterher in der Formel 1. Sie haben für das nächste Rennen vor allem eine Hoffnung.

          Buchmann nutzt Windkantenattacke

          Tour de France : Buchmann nutzt Windkantenattacke

          Von wegen langweilige Sprintetappe! Auf dem zehnten Teilstück wird das Gesamtklassement durcheinander gewirbelt. Van Aert gewinnt den Zielsprint. Auch Buchmann gehört zu den Gewinnern.

          Topmeldungen

          Donald Trump am 12. Juli in Milwaukee

          Provokation auf Twitter : Trumps Spiel mit dem Feuer

          Auf Twitter beleidigt Amerikas Präsident vier Parlamentarierinnen rassistisch. Mit der Provokation will er Konflikte unter den Demokraten schüren – und scheitert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.