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6:0 gegen Wolfsburg : Bayern stürmen an die Spitze

Gruß von der Tabellenspitze: Mats Hummels und die Ü30-Bayern Bild: EPA

Mit den von Bundestrainer Löw aussortierten Müller, Hummels und Boateng in der Startelf und großer Spiellaune beim 6:0 gegen Wolfsburg übernimmt der FC Bayern die Tabellenführung.

          2 Min.

          Fast fünf Monate vermisste Bayern München den Platz an der Sonne, die längste Durststrecke seit fast acht Jahren, seit der Saison 2010/11, der letzten, in der die Bayern keinen einzigen Tag an der Tabellenspitze standen. Doch seit Samstag ist die dunkle Zeit vorerst wieder vorbei.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Durch einen 6:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg übernahmen die Bayern erstmals seit dem sechsten Spieltag Platz eins der Bundesliga von Borussia Dortmund. Die Tore erzielten Serge Gnabry (34.), Robert Lewandowski (37./85.), James (52.), Thomas Müller (76.) und Joshua Kimmich (82.).

          Bundesliga

          Trainer Niko Kovac hatte Mats Hummels, eine Woche zuvor beim 5:1 in Mönchengladbach wegen einer Erkältung geschont, in die Startelf zurückgeholt – und damit, neben Jerome Boateng und Thomas Müller, alle drei von Bundestrainer Joachim Löw aussortierten Weltmeister aufgeboten. Kovacs Erwartung an das enttäuschte Trio: „Dass sie uns allen eine Trotzreaktion zeigen und beweisen, dass sie immer noch zu den Besten gehören.“

          Die drei Bayern-Stars, die für eine Ü-30-Party noch zu jung sind, für den Dienst im Nationalteam aber zu alt sein sollen, zeigten sich auf der Höhe in einer vor Selbstbewusstsein strotzenden Bayern-Elf. Müller wirkte allerdings zunächst etwas übermotiviert und schoss den Ball nach zehn Minuten zehn Meter über das Tor. Auf der anderen Seite setzte er sich dafür defensiv energisch ein und vereitelte nach einer Viertelstunde eine Halbchance für den Wolfsburger Admir Mehmedi, als er zur Überraschung der hauptamtlichen Verteidiger Hummels und Boateng als eine Art letzter Mann im Strafraum klärte.

          Die offensive Koordination brauchte noch ein wenig. Nach zwanzig Minuten verstolperte Mehmedi den Ball am Bayern-Strafraum, Müller eröffnete sich eine Konterchance, er lief fast fünfzig Meter ungestört durchs offene Mittelfeld – und verstolperte den Ball. Doch dann zeigte er unnachahmlich den Wert, den er nun seit zehn Jahren für die Bayern hat.

          Sollte die Strategie des Rekordmeisters bis dahin darin bestanden haben, die Wolfsburger Abwehr mit eher konventionellen Angriffsaktionen einzuschläfern, ging sie nach einer guten halben Stunde auf – ausgelöst durch den unkonventionellsten aller Bayern, durch Müller. Von Kimmich bedient, kreuzte er mit einem seiner unvorhersehbaren Laufwege zur Grundlinie und brachte den Ball so scharf in den Fünfmeterraum, dass ihn Gnabry vor Torwart Koen Casteels aus kurzer Entfernung zum 1:0 ins Netz drücken konnte. Das war der Türöffner in einer bis dahin verklemmten Partie. Von da an spielten die Bayern entfesselt und setzten nur drei Minuten später spielerisch leicht den zweiten Wirkungstreffer, nach einer feinen Offensiv-Improvisation, einem perfekten Passdreieck, direkt gespielt: James diagonal auf den hinter die Abwehrkette startenden Gnabry und der quer vorbei am herausstürzenden Casteels auf Lewandowski, der den Ball ins leere Tor drückte.

          Demonstration der Stärke: James Rodriguez (l) jubelt mit Joshua Kimmich Bilderstrecke

          Beinahe hätte Hummels, zuvor vor mit einem präzisen Tackling gegen Joshua Guilavogui aufgefallen, in der letzten Aktion vor der Pause im Duett mit Müller ein weiteres Anti-Löw-Statement gesetzt – doch der im hohen Bogen hinter ihm herunterfallende Ball, nachdem Müller einen Befreiungsschlag von Robin Knoche geblockt hatte, war aus der Drehung volley dann doch eine Spur zu schwierig zu nehmen für den nach vorn gestürmten Verteidiger. Hummels‘ Schuss flog am langen Eck vorbei.

          Das Versäumte holte James kurz nach Rückkehr aus der Kabine nach. Von Thiago angespielt, zirkelte der Kolumbianer den Ball aus 17 Metern flach zum 3:0 ins Eck. Längst war Wolfsburg kein Gegner mehr für die Bayern, der eigentliche Gegner spielte sechshundert Kilometer entfernt in Dortmund, von wo die 1:0-Führung des BVB, auf der Videotafel eingeblendet, die Bayern anstachelte.

          Der zwischenzeitliche Ausgleich für Stuttgart wurde in der Arena wie ein viertes Bayern-Tor bejubelt – das nur fünf Minuten später, wer sonst, Müller mit einem Schuss durch die Beine von Jerome Roussillon nachholte. In der Schlussphase trafen noch Kimmich und Lewandowski gegen die desolaten Wolfsburger – und vertrieben die Erinnerung an die dunkle Zeit auf Platz zwei.

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