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5:1 gegen Benfica : Bayern-Trainer Kovac kann durchatmen

  • -Aktualisiert am

Wie ein junger Wiedergänger seiner selbst: Arjen Robben Bild: AFP

Der FC Bayern stürmt gegen Benfica Lissabon ins Achtelfinale der Champions League, Robben, Lewandowski und Ribéry schießen die Tore. Dem Münchner Trainer verschafft der Sieg Spielraum.

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          Sportlich war für den FC Bayern das Wichtigste, dass er sich bereits einen Spieltag vor Abschluss der Gruppenphase der Champions League für das Achtelfinale qualifiziert hat. Mit dem souveränen 5:1-Sieg gegen Benfica Lissabon in der Münchner Arena setzte die Mannschaft aber nicht nur ein Zeichen auf dem Platz, sondern rettete ihrem Trainer erst einmal den Job.

          Champions League

          Im Vorfeld der Partie, die seit Uli Hoeneß‘ Aussagen vom Samstag als Endspiel galt, hatte Niko Kovac die Sorge um seinen Job von sich gewiesen. „Was soll mich negativ stimmen? Ich bin immer positiv“, sagte er. Seit Dienstagabend darf er zumindest sicher sein, auch gegen Bremen an diesem Wochenende noch Bayern-Trainer zu sein. Die Münchner, für die Arjen Robben (13./30.), Robert Lewandowski (36./51.) und Franck Ribery (76.) trafen, zeigten sich, abgesehen vom Gegentreffer durch Gedson (46.) ausnahmsweise bis zum Schluss der Partie konzentriert und bissig.

          Dass bei den Bayern nicht nur sportlich einiges im Argen liegt, zeigt jene Meldung, die am Spieltag die Runde machte: Hoeneß hat seinem früheren Kumpel Paul Breitner, der bis vor kurzem noch als Markenbotschafter für die Bayern tätig war, geraten, sich vorerst nicht mehr auf der Ehrengasttribüne der Münchner Arena blicken zu lassen. Dies bestätigte Breitner der „Bild“-Zeitung und gleichzeitig beschloss er, seine beiden Ehrenkarten, die er als Ehrenspielführer auf Lebenszeit besitzt, zurückzuschicken. Die Aktion von Hoeneß passt zum zurzeit unsouveränen Umgang mit Kritik.

          Kovac hatte diese interne Gemengelage nicht zu interessieren bei der Vorbereitung auf die Partie, bei der es auch um seine berufliche Zukunft ging. Angesichts der schwierigen personellen Situation – ein paar Stunden vor dem Spiel meldete sich Mats Hummels wegen eines Magen-Darm-Infekts ab – hatte der Trainer nicht viele Variationsmöglichkeiten, vor allem in der Defensive. Die gegen Düsseldorf gescholtene Innenverteidigung mit Niklas Süle und Jerome Boateng durfte so noch einmal auf Bewährung spielen, lediglich auf der rechten Abwehrseite gab es eine Änderung: Rafinha rückte in die Startelf, weil Kimmich im zentralen Mittelfeld bei der Absicherung aushelfen sollte – statt Javier Martinez.

          Dass Kovac sowohl auf Ribery als auch auf Robben nicht verzichten konnte, weil Serge Gnabry noch an Adduktorenbeschwerden laboriert und Kingsley Coman nach seinem Syndesmosebandriss erst wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen ist, erwies sich an diesem nasskalten November-Abend als Glücksfall. Vor allem Robben spielte wie sein junger Wiedergänger, was allen außer Lewandowski gefiel.

          In den ersten Minuten plätscherte die Partie ereignislos dahin, aber nach zwölf Minuten nahm sie Fahrt auf – dank Robben. Nach einem Zuspiel von Thomas Müller lief der Niederländer zwischen zwei Portugiesen durch, umspielte einen dritten und schoss dann mit links aus halbrechter Position ins linke Eck zum 1:0. Die Spieler jubelten auf dem Platz, Kovac ballte am Rand die Hände zu Fäusten und schrie seine Erleichterung heraus.

          Benfica traute sich kaum einmal aus der eigenen Hälfte. Der portugiesische Meister legte seinen Respekt zum ersten Mal nach gut zwanzig Minuten ab, als eine Kopfballabwehr von German Conti zu einer Vorlage für Rafa Silva wurde. Allerdings kam Manuel Neuer aus seinem Tor, war schneller am Ball und klärte die brenzlige Situation wie zu seinen besten Zeiten. Im Gegenzug wäre beinahe schon das 2:0 gefallen, aber auch dieses Mal war der Keeper zur Stelle: Odisseas Vlachodimos fischte den Lewandowski-Schuss aus dem Winkel.

          Der Pole musste noch auf sein Tor warten, erst war noch einmal Robben an der Reihe. Er zog vom Flügel fast ungehindert in die Mitte, verzögerte kurz und nahm aus dreizehn Metern Maß – zum Leidwesen von Lewandowski, der sich in einer mindestens so guten Schussposition wähnte und deshalb das 2:0 des Kollegen eher stoisch hinnahm. Sechs Minuten später freute er sich dann doch noch: Über das 3:0, das er selbst erzielte. Nach einer Flanke von Kimmich köpfte er den Ball ins Tor.

          Die Bayern gingen mit einer komfortablen Führung in die Pause – aber das muss beim deutschen Rekordmeister im Moment nicht viel bedeuten. Und tatsächlich: Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, lag der Ball im Tor der Münchner. Gedson tauchte nach Doppelpass mit Jonas allein vor Neuer auf, und dieses Mal hatte der Kapitän keine Chance. Der Gegentreffer zum 1:3 verunsicherte die Münchner allerdings nicht, sie marschierten weiter vorwärts und nur fünf Minuten später zog Lewandowski beim teaminternen Wettschießen mit Robben gleich. Nach Kimmichs Ecke traf er wieder per Kopfball. Die Bayern schalteten nun einen Gang zurück, kontrollierten aber weiter das Spiel – und ausnahmsweise bis zum Ende ohne größere Patzer. Ribéry setzte den Schlusspunkt.

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