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Champions League : Real Madrid schreibt Fußball-Geschichte

  • -Aktualisiert am

Mal wieder „man of the match“: Cristiano Ronaldo ist der Spieler des Abends. Bild: Reuters

4:1 gegen Juventus Turin im Finale der Champions League: Die Spanier verteidigen als erstes Team erfolgreich den Titel in der Königsklasse. Cristiano Ronaldo ist der Spieler des Abends.

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          Das Kunststück ist vollbracht von der Mannschaft, die schon ihre ersten fünf Champions-League-Endspiele gewonnen hatte. Am Samstagabend schaffte es der spanische Rekordmeister bei der sechsten Gelegenheit auch noch als erstes Team, zweimal nacheinander in der „Königsklasse“ zu triumphieren. Nach der ausgeglichenen ersten Hälfte auf exzellentem Niveau spielte danach nur noch der spanische Champion und besiegte Juventus Turin im Nationalstadion von Wales 4:1 durch die Treffer des überragenden Cristiano Ronaldo (20./64. Minute) und von Casemiro (61.) sowie Asensio (90.) bei einem Gegentor durch Mandzukic (27.).

          Real bewies über neunzig Minuten, dass die Mannschaft von Trainer Zinédine Zidane die derzeit beste Europas ist. Juventus verlor wieder einmal ein großes Finale, das fünfte bei sechs Versuchen in der Champions League. Das Spiel mussten die Italiener mit zehn Spielern beenden, da der eingewechselte Cuadrado nach zwei unschönen Attacken die Gelb-Rote Karte vorgehalten bekam (84.), wobei Real-Kapitän Ramos allerdings kräftig mithalf. Madrid war aber ohnehin nicht mehr aufzuhalten, und so feierten die Stars aus der spanischen Hauptstadt mit dem silbernen Henkelpott in ihren Händen ihre Gala von Cardiff und damit den zwölften Sieg in der Kombinationswertung aus Europapokal der Landesmeister und Champions League. Auch damit ist der berühmteste Klub der Welt in seiner eigenen Liga einsame Spitzenklasse.

          Dieses Champions-League-Finale gab es schon einmal: 1998 in Amsterdam, als Zinédine Zidane noch für Juventus zauberte und Jupp Heynckes Trainer von Real war. Damals war Juve der große Favorit und Madrid nach einer durchwachsenen Saison in der spanischen Liga der Außenseiter. Am Ende hatte Real nach 32 Jahren ohne Triumph in diesem wichtigsten und lukrativsten aller Klubwettbewerbe durch ein Tor von Mijatovic gewonnen, was Heynckes in diesem Klub mit dem galaktischen Anspruchsdenken nicht vor dem Rausschmiss bewahrte.

          Diesmal begegneten sich zwei gleich hoch eingeschätzte europäische Fußball-Giganten zum Spiel der Spiele, das auch zwei Deutsche mitprägen wollten. Bei den Italienern Sami Khedira, der 2014 mit Real die „Königsklasse“ gewonnen hatte, und bei den Spaniern Toni Kroos, der 2013 mit dem FC Bayern München und 2016 mit Real Madrid den silbernen Henkelpott gen Himmel streckte. Die beiden Weltmeister, die im defensiven Mittelfeld der Nationalmannschaft eine internationale Achsenmacht sind, fieberten dem Saisonhöhepunkt wie alle, die daran teilhaben, voller Vorfreude entgegen. Die stärkeren Akzente setzte in Cardiff Kroos.

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          Juve, mit seiner Ü30-Abwehr Buffon (39), Barzagli (36), Chiellini (32) und Bonucci (30) immens stark mit nur drei Gegentreffern in der kompletten Champions-League-Runde, offensiv jederzeit gefährlich und kollektiv aufeinander eingeschworen, gegen die individuell glanzvolleren, unter Zidane aber auch als geschlossene Einheit konstant überzeugenden Madrilenen mit dem viermaligen Weltfußballer des Jahres Cristiano Ronaldo vorneweg, der seinen vierten Champions-League-Titel gewinnen konnte: Das Duell des Portugiesen mit dem großen Gianluigi Buffon, dessen Torwarttraum nicht wahr wurde, nach zwei Finalniederlagen (2003, 2015) als ältester Gewinner der Champions League gefeiert zu werden, besaß einen elektrisierenden Reiz. Dazu kam der strategische Zweikampf zwischen den Trainern Zidane, der binnen 17 Monaten vom früheren Weltklassespieler zu einem Fußballlehrer de luxe aufgestiegen ist, und dem italienischen Bessermacher Massimiliano Allegri.

          Als das vom deutschen Schiedsrichter Felix Brych souverän geleitete Spiel unter dem aus Sicherheitsgründen geschlossenen Dach des Nationalstadions begann - damit sollten denkbare Drohnenangriffe ausgeschlossen werden -, übertrug sich die Intensität dieses Spiels von den Rängen umstandslos auf den Rasen und zurück. 66.000 Zuschauer in der Arena und alle Protagonisten hatten das große Spektakel erhofft. Und sie bekamen es von der ersten Minute an geboten. Die beiden Finalisten begegneten sich auf allerhöchstem Niveau, gespiegelt in den beiden Treffern vor der Pause.

          Dabei ging Real nach einer flächendeckenden Kombination über den Initiator Kroos, Benzema, Ronaldo und Carvajal, der den Pass zur Vollendung in den Lauf von Ronaldo spielte, in Führung (20.). Der von Bonucci noch leicht abgefälschte Flachschuss ins linke Eck war unhaltbar. Juventus musste sich danach erst mal schütteln, ehe die Bianconeri zum Schwung der ersten Minuten zurückfanden und durch den ehemaligen Bayern-Stürmer ein artistisches Ausgleichstor per Seitfallzieher aus 15 Metern über Torhüter Navas hinweg erzielten (27.).

          Nach der Halbzeit verlagerten sich die Gewichte deutlich zugunsten von Real, das seine technische Brillanz und seine exquisiten Fähigkeiten zur Spielverlagerung immer druckvoller ausspielte. Und so fielen die weiteren Treffer für den auf dem Weg zur Titelverteidigung unaufhaltsamen Champion zwangsläufig. Zuerst durch Casemiro, der sonst eher abräumt als zuschlägt, mit einem sehenswerten und von Pechvogel Khedira noch abgefälschten Distanzschuss (61.), drei Minuten danach durch den unnachahmlichen Ronaldo, der bei Modrics Vorlage seinem Torinstinkt folgte und aus kurzer Entfernung sein zweites Tor an diesem Abend erzielte. Und schließlich durch den eingewechselten Asensio (90.). Gegen Ronaldos Zielstrebigkeit und die Inszenierungsfähigkeiten von Kroos und Modric waren die während des Spiels irgendwie gealterten Turiner am Ende chancenlos.

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