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4:0 gegen Barcelona : Das Wunder von Liverpool

Nie aufgeben! Ein großer Tag für Jürgen Klopp und seine Mannschaft Bild: dpa

In einer magischen Nacht von Anfield schafft der FC Liverpool das von Trainer Jürgen Klopp herbeigewünschte Fußball-Wunder gegen den FC Barcelona und zieht ins Endspiel der Champions League ein.

  • -Aktualisiert am

          Ein Wunder oder auf eine möglichst schöne Art und Weise scheitern, das hatte sich Trainer Jürgen Klopp nach der 0:3-Hinspielniederlage im Halbfinale der Champions League in Barcelona von seinem FC Liverpool gewünscht. Es wurde ein Wunder. 4:0 bezwangen die „Reds“ den hohen Favoriten durch jeweils zwei Treffer von Origi und Wijnaldum und zogen ins Endspiel der Königsklasse ein. „Wir hatten nach dem Spiel in Barcelona schon das Gefühl, dass noch was drin ist. An die Chance habe ich geglaubt. Nicht daran, dass es klappt“, sagte Klopp nach dem Spiel beim TV-Sender Sky.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Wie im Hinspiel täuschte das Ergebnis über den Spielverlauf hinweg. Wurde Liverpool in Barcelona unter Wert geschlagen, so passierte Barcelona in Liverpool das Gleiche. In der Addition beider dramatischen und höchst intensiven Begegnungen setzte sich jedoch die richtige Mannschaft durch. Die, die mehr wollte und mehr investierte. Vor einem frenetisch mitgehenden Publikum an der Anfield Road gelang dem FC Liverpool, was ihr Trainer vor dem Anpfiff als perfektes Spiel charakterisiert hatte: „Hervorragend verteidigen und die Chancen effektiv nutzen“, hatte Klopp als Aufgabenstellung definiert. Und das schaffte Liverpool – mit dem nötigen Glück.

          Jürgen Klopp hatte seinen Profis geraten, sich vom Drei-Tore-Rückstand nicht verrückt machen zu lassen. „Wir müssen die Sache Schritt für Schritt angehen und sehen, was möglich ist. Auch die letzten fünf Minuten reichen noch für drei Tore.“ So lange wollten seine Spieler dann doch nicht warten, sie unternahmen den ersten Schritt überraschend schnell. Schon nach sieben Minuten führte Liverpool 1:0 durch ein Tor von Ersatzstürmer Origi. Der belgische Nationalstürmer, der eine Saison leihweise in Wolfsburg verbracht hatte und dort keine Bäume ausriss, traf nach einer Balleroberung von Sadio Mané. Der Stürmer bemächtigte sich des Balles nach einem missglückten Kopfball des spanischen Linksverteidigers Alba und brachte seinen Kapitän Henderson in Schussposition. Dessen Versuch vermochte ter Stegen im Tor von Barcelona noch abzuwehren, aber mit dem Abpraller hatte Origi dann keine Probleme.

          Noch etwa eine Viertelstunde vermochte Liverpool den Druck auf die Spanier aufrecht zu erhalten. Dann machte sich der Qualitätsverlust durch den Ausfall der verletzten Mohamed Salah und Roberto Firmino bemerkbar. Weder Origi noch der frühere Bayernprofi Shaqiri vermochten sich gegen die spanische Abwehr durchzusetzen, wenn sie einmal den Ball bekamen. Das war in der Anfangsphase ein paar Mal der Fall, weil das aggressive Pressing von Liverpool wirkte. Danach vermochte sich Barcelona den frühen Attacken zu entziehen und die Abwehr geriet nicht mehr in Unordnung. Aus dem eigenen Positionsspiel heraus schaffte es Liverpool nicht, den Gegner auszuspielen.

          Da waren die Kombinationen des FC Barcelona von ganz anderem Kaliber. Coutinho und Messi wirbelten die Engländer einige Male durcheinander und hatten auch gute Möglichkeiten zum Ausgleich. Doch einmal zögerte Messi etwas zu lange mit dem Schuss, einmal reagierte Torwart Alisson prächtig und ein anderes Mal verfehlte Coutinho das Ziel ganz knapp.

          Am nächsten kam Jordi Alba, von Messi genial in Szene gesetzt, dem 1:1. Doch frei vor Alisson brachte er den Ball am brasilianischen Nationaltorwart nicht vorbei. Der dritte Angreifer von Barcelona fiel dagegen nur durch seine Unsportlichkeit auf. Die verschiedenen Versuche von Suarez, einen Gegenspieler zu verletzen, führten bei Robertsen zum Erfolg. Der Schotte musste zur Pause durch den Niederländer Wijnaldum ersetzt werden.

          They never walk alone: Anfield feiert das Wunder Bilderstrecke

          Ein Wechsel mit großer Wirkung. Denn anders als der Außenverteidiger unterstützte der Mittelfeldspieler die Stürmer, sobald es möglich war, im gegnerischen Strafraum. Dabei entwickelte Wijnaldum einen Torriecher, den keiner von ihm erwartet hatte. In der 54. und 56. Minute war er genau an der richtigen Stelle, um eine Hereingabe von Alexander-Arnold und eine Flanke von Shaqiri zum 2:0 und 3:0 zu vollenden.

          Die Anfield Road stand Kopf. Nach noch nicht einmal einer Stunde war der fast uneinholbar scheinende Rückstand ausgeglichen. Nach der überraschenden Wendung nahm Liverpool eine Verschnaufpause, schließlich war es für das Team von Trainer Klopp das dritte Match innerhalb von sechs Tagen. Barcelona dagegen hatte allen elf Spielern des Hinspiels in der Meisterschaft eine Pause gegönnt.

          Es war dann ein Geistesblitz des Jüngsten, der die dramatische Auseinandersetzung entschied. Der 20 Jahre alte Rechtsverteidiger führte einen Eckstoß ganz schnell aus, als er bemerkt hatte, dass der FC Barcelona sich noch sortierte und Origi im Fünfmeterraum freistand. Seine Hereingabe war so präzise, dass der Belgier keine Mühe hatte, den Ball ins Tor zu schlenzen.

          „Unglaublich, das ist schwer in Worte zu fassen. Es war ein unglaublicher Abend. Das ist einer der schönsten Momente in meiner Karriere. Dies wird in Erinnerung bleiben“, sagte Origi. Barcelona hatte in der Schlussphase nichts mehr entgegenzusetzen und schied wie im Vorjahr gegen den AS Rom nach einem Drei-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel im Wettbewerb noch aus.

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