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Gala in der Champions League : Auf dem Platz klappt alles beim FC Bayern

Glänzte schon wieder als Torschütze: Kingsley Coman Bild: AP

Vor dem Spiel sorgt der Corona-Fall Gnabry für Aufregung in München, dann spielt der FC Bayern beim 4:0 gegen Atlético Madrid locker und leicht auf. Zum Champions-League-Auftakt markiert der Titelverteidiger sein Revier. Final-Held Coman überragt.

          3 Min.

          In der 51. Minute dribbelte ein Mann auf der rechten Seite, der dort eigentlich nicht dribbeln sollte. Thomas Müller rannte auf Felipe zu, den Verteidiger von Atlético Madrid. Als Müller fast vor ihm war, wusste er nicht so richtig, was er tun sollte. Er versuchte, den Ball in die Mitte zu bringen. Der Ball aber kam nicht an – und Müller fiel hin. Wenn alles normal gelaufen wäre, hätte vermutlich Serge Gnabry den Ball auf der rechten bekommen, ein Spieler, der besonders geschickt und schnell dribbeln kann. Aber eines sind Fußballspiele auch in der neuen Saison nicht: normal.

          Champions League
          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Am Tag vor dem ersten Spiel in der Champions League gegen Atlético verkündete der FC Bayern München, dass Gnabry sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Es gehe ihm gut, aber natürlich musste Gnabry sofort in Quarantäne – und damit weg von seinem Stammplatz auf der rechten Seite. Am Mittwochabend musste dort Müller aushelfen, ein Spieler, der nicht ganz so geschickt und schnell dribbeln kann, weshalb sein Lieblingsplatz in der Mitte ist. Es scheint im Moment aber ein bisschen egal zu sein, wer im Angriff der Bayern wo spielt, Tore fallen immer. Im Heimspiel gegen Atlético schossen sie Kingsley Coman (28., 72.), Leon Goretzka (41.) und Corentin Tolisso (66.). Das erstaunliche Endergebnis: 4:0 (2:0). Es gibt nicht viele Spiele im europäischen Fußball, die so viele spannende sportliche Fragen aufwerfen wie das zwischen Bayern und Atlético, aber am Mittwoch war auf einmal nur noch eine wichtig: Kann überhaupt gespielt werden?

          Daran gab es Zweifel, weil Gnabry am Dienstag noch mit der Mannschaft trainiert hatte. Daraufhin mussten sich seine Mitspieler am Mittwochmorgen testen lassen. Am Mittwochnachmittag teilte der europäische Fußballverband Uefa knapp mit: „Das Spiel läuft wie geplant ab.“ Das verwunderte nicht, denn die Uefa nennt einen Verein in ihren Turnierregeln spielfähig, wenn er mindestens 13 Spieler – darunter einen Torhüter – aufbieten kann, im Zweifel muss er sogar ein neues Stadion auftreiben.

          Traumtor-Schütze: Corentin Tolisso traf sehenswert zum 3:0.
          Traumtor-Schütze: Corentin Tolisso traf sehenswert zum 3:0. : Bild: dpa

          Von der interessengetriebenen Uefa musste man daher keine Konsequenzen befürchten, vom Referat Gesundheit und Umwelt der Stadt München schon eher. Auf Anfrage wollte es zum Fall Gnabry und den Umständen keine Auskunft geben, aus Datenschutzgründen. Es untersuchte den Fall, fand aber wohl keine Hinweise (und keine weiteren positiven Covid-19-Befunde), die strengere Maßnahmen erfordert hätten. Und so rückten zumindest für 90 Minuten wieder die sportlichen Fragen in den Vordergrund. Eine der entscheidenden: Wie schlagen sich die Bayern gegen Atlético und diese Art von Abwehr, mit der sie es fast nie zu tun haben, ganz einfach, weil es sie so nur einmal auf der Welt gibt?

          Es fing schon vielversprechend an mit zwei guten Gelegenheiten in der ersten Viertelstunde: In der 7. Minute flankte Kingsley Coman den Ball in den Strafraum, wo Robert Lewandowski so lange in der Luft schwebte, dass der Verdacht aufkam, ob er vielleicht einen Jetpack unter dem Trikot versteckt hatte. Sein Scherenschuss ging aber knapp über das Tor. In der 15. Minute fiel der Ball nach einem Eckstoß Niklas Süle auf den Fuß und hüpfte danach gegen den Pfosten.

          Und was war mit Atléticos Angriff? Es wird so viel über ihre Abwehr geschwärmt, dass oft untergeht, dass für Atlético seit vielen Jahren einige der weltbesten Stürmer gespielt haben. Im Moment ist es Luis Suarez, im September aus Barcelona gekommen. In München war er zweimal nah dran am Führungstor. Das erste Mal rutschte er knapp am vorbei (3.). Das zweite Mal schoss er aus etwa zehn Metern links am Tor vorbei (27.). Das waren aber zwei Ausnahmen. Ansonsten griffen in der ersten Halbzeit fast nur die Bayern an und demonstrierten, dass sie im Moment nicht einmal Atlético aufhalten kann. Das 1:0 war ein kleines Kunstwerk von Joshua Kimmich. Er eroberte den Ball mit einer mutigen Grätsche, hob den Kopf und passte den Ball halbhoch durch die Atlético-Abwehr. Am Fünfmeterraum konnte Coman ihn mit Platz und Zeit annehmen und ins Tor schießen (27.). Das 2:0 bereite dann Coman vor. Er flanke den Ball von der linken Strafraumseite auf die rechte, wo Leon Goretzka ihn mit Wucht ins linke Eck schoss (41.).

          Die zweite Halbzeit eröffnete Atlético mit mehr Angriffslust. Ein Schuss von João Félix landete im Tor, zählte wegen Abseits aber nicht. Ein Schuss von Yannick Carrasco landete im Außennetz. Das war’s dann aber wieder. Und als müssten die Bayern sich noch einmal beweisen, machten sie danach noch zwei besonders hübsche Tore: In der 66. Minute knallte Corentin Tolisso den Ball aus ungefähr 25 Metern ins Toreck, rechts oben, da riss auch Hansi Flick die Arme hoch. In der 72. Minute rannte Coman allen Verteidigern davon, wartete etwas zu lange, sodass Felipe ihn einholte. Das machte aber nichts, weil Coman Felipe einfach mit einem Haken wieder ausspielte und den Ball ins linke Toreck schoss. Am Ende klappte alles, sogar das Dribbeln.

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