https://www.faz.net/-gtm-9s7cg

3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski Bild: Reuters

Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.

          3 Min.

          Zum Glück gibt’s Europa. In der Bundesliga hat Bayern München die schlechteste Startbilanz seit neun Jahren, 15 Punkte aus acht Spielen. In der Champions League dagegen die beste, die man zur Halbzeit der Gruppenphase je hatte. Mit dem wenig glanzvollen 3:2 am Dienstagabend bei Olympiakos Piräus kommt der deutsche Meister nun auf drei Siege in drei Spielen bei 13:4 Toren und kann die K.o.-Runde nur noch in dem sehr theoretischen Fall verpassen, dass er alle drei weiteren Spiele verliert, darunter das in Belgrad mit mindestens drei Toren Rückstand.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der Sieg gibt etwas Ruhe nach den letzten Enttäuschungen in der Bundesliga, von Entwarnung zu sprechen wäre angesichts vieler Mängel in Defensiv- und Aufbauspiel aber arg verfrüht. Nach dem Rückstand durch Youssef El-Arabi (23. Minute) drehte Robert Lewandowski die völlig offene Partie mit zwei Toren (34./62.) und hat damit in allen zwölf Saisonspielen seit dem 0:2 im Supercup in Dortmund getroffen, insgesamt 18 Mal. Der eingewechselte Corentin Tolisso (75.) erhöhte, ehe der Brasilianer Guilherme die Griechen noch einmal heranbrachte (79.).

          Champions League

          Bayern-Trainer Niko Kovac hatte vor Anpfiff vor den als hitzig bekannten Fans in Piräus erklärt, man müsse „in diesem Hexenkessel dem Gegner den Zahn ziehen, um das Publikum nicht ins Spiel zu bringen“. Doch für diese zahnärztliche Operation fehlte den Bayern zunächst vieles. Um Team und Fans von Olympiakos einzuschüchtern, mangelte es eine Stunde lang oft an Tempo, Bewegung und Genauigkeit im Passspiel. Der einzige passable Bayern-Angriff der ersten halben Stunde führte durch ein schönes Zuspiel Serge Gnabrys auf Philippe Coutinho nach 13 Minuten zum Ansatz einer Torchance. Doch der Drehschuss des Brasilianers geriet zu zahm und unplatziert.

          Unterdessen kamen die aufmerksam und fleißig verteidigenden Griechen bei ihren ersten, noch zaghaften Versuchen, selbst einmal offensiv zu werden, zwei, drei Mal ohne große Probleme durchs Mittelfeld, doch fehlte ihnen für mehr als das noch der Zug zum Tor. Sie entdeckten ihn dann Mitte der ersten Halbzeit. Ein Diagonalball entblößte die rechte Abwehrseite der Bayern, wo weder Müller noch Kimmich zur Stelle waren, um Tsimikas am Flanken zu hindern. Dessen Hereingabe landete bei El-Arabi, der sich von Innenverteidiger Lucas Hernandez die nötigen zwei, drei Meter nach hinten abgesetzt hatte, und einen wuchtigen Kopfball aufs kurze Eck drückte. Torwart Manuel Neuer erreichte, wie die Torlinientechnik bewies, den Ball erst wenige Zentimeter hinter der Linie. Mit etwas Glück hätte Piräus danach sogar das 2:0 erzielt, abermals begünstigt durch schlechte Konterabsicherung des deutschen Meisters. Tsimikas drang über links tief in den Münchner Strafraum ein, schlug den Ball scharf in die Mitte, wo er ans Bein von Hernandez und von dort, glücklich für die Bayern, genau in die Arme von Neuer prallte.

          Inzwischen hatten die Bayern ihre stotternde Offensive neu sortiert. Thomas Müller, erstmals seit sechs Partien wieder in der Startelf nominiert, in der er den zuletzt etwas matten Kingsley Coman am Flügel ersetzte, wurde als eine Art zweite Spitze neben Lewandowski in die Mitte verschoben, während sich Coutinho Richtung linker Flügel bewegte. Der Plan trug gleich Früchte. Nach einer Flanke von Martinez köpfte Lewandowski den Ball zurück auf Müller, der ihn direkt mit einem Scherenschlag aufs Tor beförderte. Torwart Sa erreichte den Schuss, doch Lewandowski traf im Nachschuss – die erste erfolgreiche Koproduktion des improvisierten Sturmduos.

          „Jeder hat seine Daseinsberechtigung“, hatte Kovac vor dem Spiel über Müllers Rolle gesagt. „Thomas ist frisch, er hat Erfahrung und weiß, was er zu tun hat.“ Das gilt gerade gegen den griechischen Rekordmeister, gegen den er in der Gruppenphase vor vier Jahren in beiden Spielen je drei Tore erzielt hatte. Doch nach der Pause drückte zuerst vor allem Olympiakos. Die Bayern-Abwehr, erstmals ohne ihren am Kreuzband verletzten Chef Niklas Süle angetreten, wackelte bedenklich, als El-Arabi, Meriah und Guilherme gute Chancen vergaben. Dann musste nach dem angeschlagenen Martinez auch noch der Süle-Vertreter Hernandez verletzt aus dem Spiel, als letzte verbliebene Defensiv-Option kam Jerome Boateng.

          Da konnte nur noch die Offensive helfen, und sie tat es. Nach einer Ecke landete der Ball bei Müller, der auf Lewandowski verlängerte, und der stocherte den Ball an Torwart Sa vorbei ins Netz. Als Tolisso aus der Distanz traf, durften die Bayern auf eine entspannte Schlussviertelstunde hoffen, doch Guilhermes abgefälschter Weitschuss ließ den Hexenkessel von Piräus wieder auf Temperatur kommen. Im fünften Spiel nacheinander hatten die Bayern wieder zwei Gegentore kassiert. Immerhin erreichte sie das Minimalziel: ein drittes zu verhindern – weil Neuer Podences Schuss im Nachfassen noch gerade vor El-Arabi in die Finger bekam. Die Abwehrprobleme der Bayern sind auch in Europa nicht kleiner geworden.

          Champions League

          Weitere Themen

          Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß Video-Seite öffnen

          „Ich habe fertig“ : Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß

          Seit 1970 war Hoeneß als Spieler, Manager oder Präsident beim FC Bayern tätig und wurde in dieser Zeit zu einer polarisierenden Persönlichkeit des deutschen und internationalen Fußballs. Am Freitag war es für den Weltmeister von 1974 an der Zeit, zu gehen.

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.