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3:2 gegen Manchester United : Wolfsburg düpiert Schweinsteiger

Große Freude in Wolfsburg: Naldo, Dante & Co ziehen als Tabellenführer ins Achtelfinale der Champions League Bild: Reuters

Der VfL Wolfsburg zeigt, was in ihm steckt – und geht nach dem 3:2-Erfolg sogar als Gruppenerster ins Achtelfinale. Für Manchester United bleibt nur ein Platz in der Europa League.

          3 Min.

          Das große Ziel des VfL Wolfsburgs war es in dieser Saison, sich als Nummer zwei des deutschen Fußballs hinter dem FC Bayern zu etablieren. In den nationalen Wettbewerben ist der ehrgeizige Plan noch nicht aufgegangen. Im Pokal ist der Pokalsieger schon nicht mehr dabei. Und in der Bundesliga hat Borussia Dortmund den Wolfsburgern den Status als Bayern-Herausforderer wieder abgenommen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Aber am Dienstagabend in der Champions League wandelte der Werksklub tatsächlich auf den Spuren des Rekordmeisters. Der VfL Wolfsburg schlug Manchester United im letzten Gruppenspiel verdient 3:2 durch Tore von Naldo (13. und 84. Minute) und Vieirinha (29.) nach der Manchester-Führung durch Martial (9.) und dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch ein Eigentor von Guilavogui (81.).

          Das war zu wenig: Schweinsteiger (links) und Mitspieler scheitern in der Königsklasse

          Wolfsburg erreichte dank des Siegs nach einer Klasseleistung sogar als souveräner Gruppensieger das Achtelfinale der Champions League. Damit hat der VfL in der Königsklasse die Erwartungen mehr als erfüllt. Als Tabellenerster gehen die Wolfsburger bei der Auslosung am Montag damit zur Belohnung auch den besten Klubs in Europa aus dem Weg.

          Van Gaal steigt in die Europa League ab

          Für Bastian Schweinsteiger und Louis van Gaal bedeutete die Rückkehr nach Deutschland eine einzige Enttäuschung. Das große Bayern-Idol und der ehemalige Bayern-Trainer können nach der verdienten Niederlage ihre großen internationalen Ambitionen vergessen. Nachdem Manchester im Vorjahr erstmals nach 25 Jahren nicht in der europäischen Königsklasse dabei war, scheiterten die Engländern nun schon in der Vorrunde. Eindhoven schob sich noch an Manchester vorbei, das als Dritter nur noch in der Europa League mitspielen darf.

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          Der Druck auf den ohnehin schon umstrittenen Niederländer wird mit dem europäischen Abstieg weiter wachsen. Und auch die Zweifel, ob aus Schweinsteiger und Manchester noch eine glückliche Verbindung wird, sind größer geworden. Der Weltmeister wirkte in Wolfsburg, um es freundlich zu sagen, arg blass. Vom Souverän des WM-Finals trennten ihn an diesem Tag jedenfalls Welten. Als Manchester der zwischenzeitliche Ausgleich gelang, war Schweinsteiger schon lange ausgewechselt.

          Von Beginn an hatte sich ein packendes, rassiges Spiel mit zahlreichen Torchancen entwickelt. Und Wolfsburg spielte dabei, wie es Trainer Dieter Hecking angekündigt hatte, sofort auf Sieg, obwohl dem Tabellenfünften der Bundesliga schon ein Unentschieden für das Achtelfinale genügt hätte. In der dritten Minute war es Max Kruse, der eine Flanke von Maximilian Arnold mit dem Hinterkopf auf André Schürrle verlängerte, der alleine auf das Tor von David de Gea zulief. Aber der Weltmeister bekam keine Kontrolle über seinen Schuss, der aus bester Position weit über das Tor flog.

          Manchester United, in dieser Saison sowohl in der Champions wie auch der Premier League schon stark unter Druck, reagierte kühl und präzise im Stil einer Klassemannschaft. Einen chirurgischen Angriff über Mata, der die Wolfsburger Verteidigung öffnete, schloss Marcial mit dem 0:1 (10.) ab.

          Zu einem Wirkungstreffer für die Wolfsburger wurde der Rückstand allerdings nicht. Eine Freistoßvorlage von Rodriguez verarbeitete Naldo gekonnt zu einem direkten Torschuss, gegen den de Gea keine Chance. Nach dem 1:1 nach 13 Minuten entwickelte sich ein offenes Spiel. Wolfsburg attackierte früh, sah aber immer wieder bei Bällen in die Tiefe in der Defensive nicht gut aus. In der 27. Minuten hatte es der VfL seinem Torwart Diego Benaglio zu verdanken, nicht abermals in Rückstand geraten zu sein, der einen Kopfball Fellainis aus wenigen Metern gerade noch abwehrte – und Vierinha konnte den Ball von der Linie konnte.

          Nur zwei Minuten später begeisterte der VfL sein Publikum mit einem seiner schönsten Angriffe in dieser Saison. Nach einem klugen Flügelwechsel von Schürrle landete der Ball bei Draxler, der Schweinsteiger mit einer Körpertäuschung stehen ließ, ein wunderbares Dribbling startete, Doppelpass mit Kruse spielte und dann den Ball kurz vor der Grundlinie mit großer Übersicht auf Vieirnha zurück legte, der den Ball nur noch ins leere Tor schieben musste. Ein Treffer von Weltklasseformat.

          Nach einem Fehlpass von Schweinsteiger, den Schürrle abfing, hätte Draxler die Wolfsburger schon früh beruhigen können, doch der Mittelfeldspieler scheiterte bei seiner großen Chancen an de Gea (39.). Unmittelbar vor der Pause konnte der VfL von Glück sprechen, dass die Unparteiischen das Tor von Manchester zum 2:2 durch Lingards Weitschuss wieder zurücknahmen, weil nach Wolfsburger Protesten Schieds- und Linienrichter nachträglich auf eine Abseitsstellung von Mata entschieden, durch die Benaglio irritiert worden sein soll (44.).

          Die Begegnung verlor nach der Pause zwar etwas an Klasse, aber nicht packenden Momenten. Beide Teams hatten mehrfach die Chance zu weiteren Treffern. Zunächst Manchester, nach einer Stunde Wolfsburg. Die spektakulärste Szene lieferten Schürrle und de Gea, der einen gefühlvollen Heber des Wolfsburger im Zurücklaufen mit einer Hand gerade noch zu fassen bekam (64.). Danach folgten innerhalb von drei Minuten noch drei weitere erstklassige Wolfsburger Chancen, die entweder de Gea vereitelte. Oder es fehlten ein paar Zentimeter.

          Aber dann hatte Naldo noch einen ganz besonderen Schlusspunkt für den Abend im Repertoire. Erst machte Guilavogui Manchester noch einmal Hoffnung, als sein Rettungsversuch mit dem Kopf über Benaglio hinweg im eigenen Tor landete (82.). Damit wäre auch Manchester im Achtelfinale gewesen. Aber nahezu im Gegenzug hielt auch Naldo den Kopf noch einmal genau richtig hin und erzielte den 3:2-Siegtreffer.

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