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2:2 gegen Real Madrid : Joker Schürrle belohnt die Borussia

  • -Aktualisiert am

Seine Entschlossenheit zeigt sich auch nach dem Torschuss: André Schürrle Bild: AFP

Im Heimspieldebüt in der Champions League hält Dortmund dem Druck stand. Beim 2:2 gegen Real Madrid deutet Trainer Tuchels Team sein Potential auf der großen Bühne an.

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          Die goldene Serie von Borussia Dortmund gegen Real Madrid in den Europapokal-Heimspielen wäre beinahe gerissen. Doch vor der ersten Niederlage bewahrte die Westfalen der eingewechselte André Schürrle, der mit einem Kracher unter die Latte (87. Minute) doch noch das 2:2 und damit den gerechten Ausgleich in einem über weite Strecken sehr sehenswerten Champions-League-Duell der Gruppe F erzielte.

          Nach fünf Partien ohne Niederlage und zuletzt drei Siegen nacheinander ging auch der sechste Anlauf der Spanier, endlich einmal in Dortmund zu gewinnen, schief. Der Champions-League-Titelverteidiger konnte in dieser ausgeglichenen Begegnung aber auch mit dem Remis gut leben. Zweimal war Real durch die Treffer von Ronaldo (17. Minute) und Varane (68.) in Führung gegangen, zweimal glichen die couragierten Borussen aus: zuerst durch Aubameyang (43.), danach durch Schürrle. Damit blieb der BVB Gruppenerster vor Real und bekommt es als nächstes in drei Wochen mit Sporting Lissabon zu tun.

          Nach zuletzt vier Siegen mit einer Tordifferenz von 20:2 war die große Mehrheit im Stadion davon überzeugt, dass die runderneuerten Dortmunder eine reelle Siegchance gegen den Titelverteidiger haben würden. Auch Trainer Thomas Tuchel erlaubte sich eine verhalten-optimistische Prognose: „Das ist der nächste Schritt in unserer Entwicklung“, sagte er vor seinem zweiten Champions-League-Spiel, „wir werden unsere Mannschaft kennenlernen. Wir trauen uns zu, da zu bestehen.“

          Tuchel hatte aber auch, wie sich zeigen sollte zu Recht, davor gewarnt, die zuletzt bei zwei Unentschieden in der heimischen Liga ein wenig schwächelnden Madrilenen zu unterschätzen. „Wir stellen uns auf das beste Real Madrid ein“, hob er prophylaktisch hervor, „und wir stellen uns auf Cristiano Ronaldo in Topform ein.“ Das war der viermalige „Weltfußballer des Jahres“ nach einer hartnäckigen Knieverletzung zuletzt nicht. Erst ein Tor in der Primera División und eines in der „Königsklasse“: Das ist eine schmale Ausbeute für den exzentrischen Angreifer, der am Samstag beim Punktspiel in Las Palmas, für ihn ein Sakrileg, nach 72 Minuten ausgewechselt wurde.

          Die Dortmunder konnten das Spiel der Spiele in der frühen Saisonphase mit ihrer beinahe besten Besetzung angehen. Schmerzlich vermisst wurde nur der aus Barcelona gekommene Innenverteidiger Bartra, der seine Adduktorenblessur noch nicht ganz auskuriert hat. Bei Real fehlten mit Casemiro und Marcelo zwei verletzte Stützen aus der Defensive. Von den Abwehrkräften hüben wie drüben war aber zunächst keine Rede, da beide Mannschaften das große Duell zwischen dem Zweiten der Bundesliga und dem Ersten der Primera División mit ungezügelter, nahezu anarchischer Angriffslust eröffneten. So boten sich in der einen wie in der anderen Richtung schon in der ersten Viertelstunde genügend Torgelegenheiten.

          Ein hochgradig aufregendes Spiel

          Nach 17 Minuten aber begann für die stürmischen Borussen mit den Protagonisten Aubameyang und Dembélé vorneweg der Ernst des Champions-League-Lebens. Bale spielte den Ball mit der Hacke durch Ginters Beine zu Ronaldo, und der insgesamt ebenso fleißige wie spielfreudige Portugiese zeigte, dass die „Majestätsbeleidigung“ auf Gran Canaria den gewünschten Effekt nach sich zog. Gegen den Schuss von „CR7“ aus halbrechter Position hatte Torhüter Bürki keine Abwehrchance.

          Ein Wechsel, der sich bezahlt machte: Schürrle für Götze Bilderstrecke

          Danach veränderte sich die Struktur des Spiels, weil sich die Spanier zurückzogen und auf Kontergelegenheiten lauerten. So boten sich dem BVB weniger Räume als zuvor. Bei der Dortmunder Suche nach dem Ausgleichstor half schließlich Torhüter Navas kräftig mit, als er einen Freistoß von Guerreiro unbeholfen nach vorn abwehrte, wo der Ball zwischen Aubameyang und Varane hin und her flog, ehe ihm Aubameyang kurz vor der Torlinie den letzten Stups zum 1:1 gab. Da Ronaldos anschließendes Kopfballtor aus Abseitsposition (45.+1) nicht zählte, atmeten die allermeisten der 66.000 Zuschauer bei Halbzeit erst einmal auf. Sie hatten bis dahin ein hochklassiges und hochgradig aufregendes Spiel erlebt.

          Nach dem Wechsel mutete das deutsch-spanische Duell irdischer, also auch fehlerbehaftet an. Das Tempo ließ insgesamt nach und der Eindruck verstärkte sich, dass beide Teams auch mit einem Unentschieden zufrieden sein könnten. Dann aber hatte Real wieder einen leuchtenden Augenblick, als Benzemas Volleyschuss gegen den Pfosten prallte und Varane im Nachsetzen das 2:1 für die kühler wirkenden Spanier erzielte. Wieder begann für die Borussia ein Nachlaufspiel. Und das zahlte sich durch Schürrles spätes Tor in diesem gegen Ende wieder aufregenden Spiel aus.

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