https://www.faz.net/-gtm-9rqvu

2:0-Sieg in Prag : Dortmunder Kraftakt

  • -Aktualisiert am

Traf zweimal für Dortmund: Achraf Hakimi Bild: dpa

In der Champions League kommt der BVB zu einem wichtigen Auswärtserfolg bei Slavia Prag. Die beiden Treffer erzielt der Mann des Spiels – doch noch läuft längst nicht alles rund.

          2 Min.

          Es fehlte nicht viel und der Wunsch von Mats Hummels wäre exakt so in Erfüllung gegangen wie er sich das ausgemalt hatte. „Ein wunderschönes, dreckiges 1:0 würde ich mit Kusshand nehmen“, hatte der Verteidiger von Borussia Dortmund vor dem unangenehmen Auswärtsspiel bei Slavia Prag erklärt. Am Ende ist es ein ziemlich dreckiges 2:0 geworden, das die Freunde von Borussia Dortmund ganz gewiss „wunderschön“ finden. Denn es war ein Spiel mit Explosionsgefahr, die Stimmung war angespannt, nun haben sie durch zwei Tore von Achraf Hakimi in der Champions Leauge einen sehr kostbaren Auswärtssieg erkämpft. „Wir haben von der ersten bis zur 90. Minute gut dagegen gehalten, und die Zweikämpfe angenommnen“, sagte Kapitän Marco Reus. Aber vor allem nach der Pause war es zäh, mühsam und auch fehlerhaft gewesen.

          Champions League

          Doch die erste Halbzeit war gut und gleich in den ersten Minuten wurde sichtbar, dass die Dortmunder sich vorgenommen hatten, diese Partie mit viel Hingabe und höchster Aufmerksamkeit zu bestreiten. Bereits nach zwei Minuten gelang Jadon Sancho nach einer starken Einzelaktion ein gefährlicher Schuss aufs Tor. Allerdings wurde ebenfalls schnell deutlich, warum die Tschechen derzeit erheblich stärker sind, als ihr Name vermuten lässt. 24 Spiele lang war die Mannschaft vor diesem Abend im heimischen Stadion ungeschlagen gewesen, in der vorigen Saison scheiterten sie erst im Viertelfinale der Europa League gegen den späteren Sieger FC Chelsea. Und am ersten Spieltag der laufenden Europapokal-Saison erkämpften sie ein 1:1 bei Inter Mailand, bei einem Team, das so stark besetzt ist wie seit vielen Jahren nicht.

          Immer wieder zwangen die Prager den Gast aus Deutschland mit ihrem klugen Pressing zu Fehlern im Spielaufbau und ließen die Verunsicherung sichtbar werden, die den Dortmundern nach zuletzt nur einem Sieg in fünf Spielen und all den Debatten in den Knochen steckt. Es war ein offenes Spiel, das Mitte der ersten Hälfte eine ganz andere Wendung hätte nehmen können. Ein Steilpass von Nicolae Stanciu hebelte die Defensive des BVB aus, Lukas Masopust hatte freie Bahn auf das Tor, doch Roman Bürki verhinderte den Rückstand (21.). In dieser Phase wirkten die Dortmunder verletzlich, nicht so frisch in den Köpfen wie die Tschechen, aber womöglich kam es dem Ensemble von Lucien Favre entgegen, dass Prag recht mutig agierte. Denn sie waren anfällig für Konter.

          Nach einer Balleroberung in der eigenen Hälfte spielte Julian Brandt einen brillanten Ball in die Tiefe auf Hakimi, der nach einem 60-Meter-Sprint und zwei Haken ein wunderschönes Tor schoss (35.). Es war ein Treffer, der auch als Resultat eines Aufstellungskniffs von Favre betrachtet werden kann. Der Trainer hatte Hakimi, der normalerweise außen in der Viererkette spielt, als offensiven Flügelspieler in die Partie geschickt. Raphael Guerreiro kam stattdessen als Verteidiger zum Einsatz, nun hatte Hakimi sein Tempo und seine Dribbelstärke direkt zu einem Tor veredelt.

          Genug zu tun: Slavia Prag kam gegen den BVB gleich mehrmals vor das Tor des Dortmunder Schlussmanns Roman Bürki (Mitte).

          Zudem war der zuvor verletzte Hummels zurück im Team und zur Überraschung der meisten Beobachter tauchte auch Brandt in der Startelf auf, Paco Alcácer fehlte und Mario Götze saß nur auf der Bank. Und so wurden Brandt und Hakimi zu den Hauptakteuren beim kostbaren 1:0, dem eine Phase folgte, wie sie schon nach der Partie in Frankfurt Gegenstand intensiver Debatten war. Der Dortmunder Gegner wirkte angeschlagen, verwundbar, mit einem weiteren Treffer wäre die Tür zu Sieg schon früh im Spiel ganz weit offen gewesen. Doch die kühle Effizienz eines Weltklasse Teams entwickelten die Dortmunder auch an diesem Abend nicht.

          Am deutlichsten wurde das, als Sancho nach einem weiteren starken Pass von Brandt unbedrängt auf das Prager Tor zustürmte, im letzten Moment aber die Nerven verlor und den zweiten Treffer verpasste (47.). Viel mehr offensive Aktionen brachten die Dortmunder nicht mehr zu Stande. Slavia indes hatte Möglichkeiten durch Stanislav Tecl (52) und Petr Sevcik (71.).

          Aber irgendwie hielten die Dortmunder bis zur 89. Minute durch, in der Hakimi einen wieder von Brandt eingeleiteten Konter mit dem 2:0 krönte. „Wir sind sehr glücklich und natürlich auch erleichtert, weil wir die letzten Spiele nicht gewonnen haben“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Aber die Lage beleibt gefährlich, ein weiterer Rückschlag in Freiburg am Samstag würde all die Debatten, die nun ruhen, neu entflammen lassen.

          Champions League

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.