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Klopp gewinnt Champions League : Mission erfüllt!

Am Ziel: Jürgen Klopp hat den Pokal! Bild: dpa

Ein Handelfmeter nach 23 Sekunden gibt die Richtung vor für den FC Liverpool im Finale der Champions League. Salah und Origi beenden beim 2:0 gegen Tottenham Klopps Finalfluch.

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          So klingt eigentlich jemand, der sich auf die Probe gestellt fühlt – und zwar von ganz oben: „Wenn Gott jemanden braucht, um zu zeigen, dass man sechs Endspiele nacheinander verlieren kann, und es trotzdem ein siebtes Mal versucht, bin ich der Richtige.“

          Doch was Jürgen Klopp mit diesem Satz vor ein paar Wochen zum Ausdruck brachte, war etwas anderes: Dass es ihm nicht in den Sinn kommen würde, sich von Aufzählungen seiner verlorenen Endspiele, von wem auch immer, aus der inneren Ruhe bringen zu lassen. Sondern, dass er einfach weitermacht, weil so eben der Sport ist. Eine Garantie gibt es nie, dass man bekommt, was man verdient – egal in welche Richtung. Man kann es nur probieren, immer wieder.

          Champions League

          Am Samstagabend waren die Mühen und die Arbeit der vergangenen dreieinhalb Jahre in Liverpool von Erfolg gekrönt. Als das Finale im Estadio Metropolitano, der neuen Heimat von Atlético Madrid, abgepfiffen wurde, war nicht nur Klopp zum ersten Mal im (Mit-) Besitz des Henkelpotts. Für Liverpool bedeutete das 2:0 gegen die Tottenham Hotspurs der erste große Titel seit dem Champions-League-Gewinn 2005, und auch wenn es schmerzen mag, dass es mit der ersten Meisterschaft seit 1990 nichts wurde, war diese Nummer sechs in Europas Meisterklasse ein besonderer Triumph an diesem englischen Abend. Aus dem Liverpool zwar verdient als Champion hervorging, aber auch eine Weile um den Sieg bangen musste.

          In der zweiten Hälfte brauchte es einige Rettungstaten, vor allem von Virgil van Dijk und Torwart Alisson Becker, um den Vorsprung durch das Elfmetertor von Mohamed Salah aus der zweiten Minute zu halten. Als der eingewechselte Origi, der Held des rauschhaften 4:0 im Halbfinal-Rückspiel gegen Barcelona, in der 87. Minute zum 2:0 traf, war die Partie entschieden.

          Gerechtigkeit – die dürfte mehr als alle anderen Salah empfunden haben. Er war die tragische Figur des Vorjahresfinals gegen Real Madrid in Kiew, von Ramos zu Boden und so nach einer halben Stunde aus dem Spiel gezogen. Doch sein wuchtiger Elfmeter war über diese Pointe hinaus betrachtet eher ein weiteres Exempel, wie beim Thema Handspiel etwas aus den Fugen geraten ist. Nach gängiger Rechtsprechung war es zwar nicht zu beanstanden, dass Schiedsrichter Damir Skomina auf dem Punkt zeigte, nachdem Sissoko den von Mané quer zur Strafraumgrenze gespielten Ball an den – noch etwas abgespreizten – Oberarm bekommen hatte, richtig fühlte es sich irgendwie trotzdem nicht an.

          Papa Klopp und seine Jungs: Champions-League-Sieger 2019 Bilderstrecke

          Diese verhängnisvolle Berührung nach 23 Sekunden war ein früher Knalleffekt in diesem Duell zweier Teams, die zuletzt vor allem spätes Drama par excellence aufgeführt hatten. Aber es war nicht der Auftakt zu einem rasenden Spektakel, sondern zu einem vor allem vor der Pause unterdurchschnittlichen Finale. An der Seitenlinie hatten Klopp, im Trainingsanzug, und Mauricio Pochettino, deutlich eleganter im schwarzem Anzug, einiges zu beanstanden.

          Erst in der letzten halben Stunde ging es flotter und mit stetig wachsender Spannung zur Sache. Wie eine Demonstration der neuen Machtverhältnisse im europäischen Fußball sah das Finale nicht unbedingt aus. Sollte es doch der Anfang einer Zeitenwende gewesen sein, der Beginn einer englischen Ära, hätte zumindest der Ort nicht besser gewählt sein können. Fünf Mal war der Champions-League-Sieger zuletzt aus der Primera División gekommen, doch in Madrid schaute Spanien in die Röhre.

          Wenn man nach einem Fußabdruck der Bundesliga Ausschau hielt, musste man neben dem gewaltigen von Klopp nicht lange suchen. Allerdings stammte er von Spielern, die der deutschen Eliteklasse entwachsen sind: Heung-min Son stand für Tottenham in der Startelf, Joel Matip und Roberto Firmino begannen für Liverpool – Origi wiederum überstand als Leihspieler mit Wolfsburg 2018 die Relegation. Ihre aktuellen Teams haben in dieser Königsklassen-Saison die deutschen Spitzenklubs recht umstandslos verabschiedet. Das Dortmunder Aus gegen Tottenham und das der Münchner gegen Liverpool, beide im Achtelfinale – sie schmerzten auf unterschiedliche Weise, aber es war ein Abbild der sportlichen Realität. Auch wenn dieses Finale nicht die neue Benchmark setzte: Die Bundesliga wird sich künftig strecken müssen, um auf dieser Bühne wieder unter dem eigenen Markennamen eine Rolle zu spielen.

          Die Favoritenrolle am Samstagabend lag bei Liverpool. In der Premier League betrug der Vorsprung der Reds vor den Spurs am Ende 26 Punkte, auch wenn Liverpool aus den direkten Duellen zwei Mal nur knapp als 2:1-Sieger hervorgegangen war. Beide Teams konnten in Bestbesetzung spielen, sowohl Firmino als auch, auf Seiten der Londonder, Harry Kane waren rechtzeitig fit geworden, zu Faktoren aber wurden sie nicht. Bei Liverpool verströmte zunächst am ehesten Mané Gefahr und Inspiration, bei Tottenham trat Son ein paar Mal vielversprechend an. Doch das genügte nicht, um die bestens aufeinander abgestimmte Struktur der Reds zu sprengen.

          Die Spurs waren als sportliche Überlebenskünstler nach Madrid gekommen. Es bedurfte später Treffer, um überhaupt die Gruppenphase zu überstehen, und auch im Viertel- und Halbfinale gegen Manchester City und Ajax Amsterdam machten sie den Tanz auf der Rasierklinge zu ihrer besonderen Shownummer.

          Pochettino trieb nun ohne Sakko und mit aufgekrempelten Ärmeln an, das Spiel wurde insgesamt flotter – mit Vorteilen zunächst bei Liverpool. Klopp brachte Origi, und etwas später James Milner, ein Schuss von ihm strich knapp am Tor vorbei (69.). Nun kam Tottenhams beste Phase, und Alisson musste sich gegen Son und Lucas Moura zwei Mal ziemlich strecken (80.). Die nötige Präzision aber zeigte nur noch einer – Origi.

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