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1:0 bei ZSKA Moskau : Bayern-Geisterspiel ohne Schrecken

Keine Zuschauer und nur ein Tor – das etwas andere Spiel in der Champions League Bild: AFP

Viele Zuschauer verdiente dieses Geisterspiel auch nicht. Den Bayern gelingt bei seltsamer Atmosphäre mit dem 1:0 in Moskau der 100. Sieg in der Champions League. Müller begibt sich an den Rand der Physik und trifft.

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          Es war ein Spiel ohne Zuschauer. Und eins, das auch kaum welche verdient hatte. So hat der FC Bayern am Dienstag im abendlich kühlen Moskau das allernötigste Pflichtprogramm abgespult und einen destruktiven Gegner vor einer Null-Kulisse mit dem Minimalresultat von 1:0 besiegt.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Das Siegtor erzielte Thomas Müller per Elfmeter (22.). Es war der einhundertste Sieg in der Champions League für den erfolgreichsten deutschen Fußballklub. Aber wohl nur wegen der seltsamen Atmosphäre in der leeren Chimki-Arena wird man sich an diesen Abend vielleicht noch einmal erinnern – das erste „Geisterspiel“ in der 52-jährigen Europapokalgeschichte der Bayern.

          Sie konnten nichts dafür, es war die Strafe für den russischen Meister ZSKA wegen rassistischer Ausfälle seiner Fans. „Nicht nur wegen der nicht vorhandenen Fans“ fand Müller es ein „schwieriges“ Spiel, „auch wegen der Spielweise des Gegners“. Einen Gegner, der sich im eigenen Stadion so tief vor dem eigenen Tor verschanzt, finden auch die dauer-dominanten Bayern nicht alle Tage.

          Die Bayern erarbeiten sich einen Pflichtsieg bei ZSKA Moskau Bilderstrecke

          Mit etwas Glück hätte die Partisanentaktik des Armeeklubs sogar Früchte getragen. Denn bei ihren wenigen, aber flott vorgebrachten Kontern „waren die Moskauer immer gefährlich“, wie Müller einräumte. In Gefahr war der verdiente Sieg dennoch nie, denn die Bayern holten sich frühzeitig den Vorsprung, den sie benötigten.

          Nach einem schönen Zuspiel von Robert Lewandowski wurde Götze beim Eindringen in den Strafraum von Mario Fernandes zu Fall gebracht. Beinahe fiel dann auch Müller bei der Ausführung des Elfmeters, setzte den Ball aber, gekonnt die Bewegung des Torwart abwartend, gegen dessen Flugrichtung hoch ins Netz, ehe sein Standbein leicht nachgab. „Ich bewege mich mit meiner Schusstechnik ja immer am Rande der Physik, die Last auf einem Bein, da bin ich leicht gerutscht“, sagte Müller nach Abpfiff. „Solange er drin ist, egal.“

          Die Bayern kontrollierten den Ball, bewegten sich aber, wenn sie ihn doch mal verloren und die Russen schnell über die Mittellinie kamen, auf dünnem Eis. Das lag vor allem am Ungeschick des Innenverteidigers Mehdi Benatia, dem die Gegenspieler mehrfach entwischten und Mitspieler Xabi Alonso deshalb in der zweiten Halbzeit eine kräftige Standpauke hielt.

          In dieser Form ist der 26-Millionen-Euro-Einkauf, der den leicht lädierten Jerome Boateng vertrat, gegen schnelle Konterspieler ein Sicherheitsrisiko. So musste Torwart Manuel Neuer all sein Können aufbieten, um nach 37 Minuten den Ausgleich gegen Musa verhindern, der frei vor ihm aufgetaucht war, nachdem er Benatia abgehängt hatte. Zweimal war Neuer im Glück, bei Schüssen, denen er machtlos hinterher sah. Erst jagte Milanow den Ball hauchdünn über das rechte Lattenkreuz, dann traf Eremenko das linke Lattenkreuz.

          So war die Halbzeitbilanz ebenso bizarr wie die Kulisse - ein hoch überlegener FC Bayern, der etwas glücklich führte. Die Ernte fuhr man aber dann souverän ein. Nach der Pause reduzierten einige Umstellungen die Konteranfälligkeit, aber auch die Spielfreude. So dauerte es mehr als vierzig Minuten, ehe die Bayern nach ihrer großen Chance zum 0:2 kurz vor der Pause, einem von Götze, Robben und Lewandowski vergebenen Konter, wieder zwei vergleichbare Gelegenheiten erspielen konnte. Müller und der eingewechselte Xherdan Shaqiri vergaben sie.

          Ein zweites Tor wäre auch eine Verschwendung von Fußballkunst vor dieser toten Kulisse gewesen. „Eigentlich sind wir ja in der Unterhaltungsbranche tätig“, fand Müller. Die Atmosphäre dieses Spiels aber habe „das, wofür man spielt, ein wenig in Frage gestellt.“

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