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0:2-Pleite gegen Lyon : Schallender Nackenschlag für Leipzig

  • -Aktualisiert am

Das war nichts: Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann beim Spiel gegen Lyon Bild: EPA

In der Champions League besiegt sich der Bundesligaklub selbst. Gegen Olympique Lyon fehlen RB Leipzig Energie und die richtigen Ideen. Dazu kommen teils haarsträubende Fehler.

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          Es sollte ein Abend der europäischen Selbstvergewisserung werden, doch es wurde ein Mittwoch der vollkommenen Enttäuschung über sich selbst. RB Leipzig, in der Champions League vermeintlich gestärkt durch den 2:1-Erfolg bei Benfica Lissabon zu Beginn der Königsklassensaison, verspielte den portugiesischen Bonus durch einen fahrigen, fehlerbehafteten und damit nicht erstklassigen Auftritt im Heimspiel gegen Olympique Lyon. Die Franzosen, in der Ligue 1 derzeit nur im Mittelfeld herumdümpelnd, machten sich die Schwächen der Sachsen zunutze und gewannen verdientermaßen durch die Treffer von Depay (11. Minute) und Terrier (65.).

          Champions League

          Leipzig, das seine Chancen auf ein besseres Ergebnis leichtfertig vertat, besitzt als Gruppendritter zwar noch immer gute Chancen auf das Erreichen der K.o.-Phase, muss sich aber in den kommenden Duellen mit Zenit Sankt Petersburg, dem russischen Meister und Tabellenführer der Gruppe G, erheblich steigern und stabilisieren, um aufs Neue konkurrenzfähig zu sein. Vier Tage nach der ersten Bundesliga-Niederlage dieser Spielzeit beim 1:3 daheim gegen Schalke 04 scheint RB für den Moment aus der Balance gekippt.

          „Es wäre skurril, wenn uns die erste Saisonniederlage aus der Bahn werfen würde“, hatte Trainer Julian Nagelsmann vor der Begegnung mit dem seit sieben Pflichtspielen sieglosen Tabellenelften der Ligue 1 gesagt. Ein Irrtum. Der Zweite der Bundesliga produzierte nämlich schon in der Frühphase dieses Duells seltsame Fehler, geboren aus einer Mischung aus Übereifer und Nervosität. Vor allem die beiden französischen Abwehrkanten Upamécano und Konaté wirkten gegen ihre Landsleute übermotiviert und unkonzentriert zugleich. Der sonst so souveräne Konaté verlor in der Vorwärtsbewegung den Ball an Aouar, den anschließend der wuchtige Upamécano mit einem untauglichen Rückeroberungsversuch ebenso verfehlte.

          Werner verpasst zweimal

          So konnte der flinke Aouar den noch schnelleren holländischen Nationalspieler Memphis Depay so frei in Szene setzen, dass der Niederländer fast mühelos das 1:0 für seine Mannschaft per Flachschuss erzielte. Konaté, der auch danach mit einigen Ungeschicklichkeiten am Ball auffiel, verletzte sich bei einem weiteren Schnitzer im Zweikampf mit Depay so nachhaltig, dass er nach 23 Minuten gegen Mukiele, einen weiteren Franzosen, ausgewechselt werden musste.

          In der Leipziger Abteilung Attacke hätte dagegen Werner allemal für ausgeglichene Verhältnisse oder sogar eine Führung der Sachsen sorgen können. Doch der Schwabe neigt schon mal dazu aus vollem Lauf, sein Ziel zu verfehlen. Das tat er am Mittwoch gleich zweimal, als er nach Klostermanns Zuspiel frei vor dem Tor von Lopes vorbeischoss (5.) und ein Solo von der Mittellinie aus nicht krönte, sondern den Ball weit über die Latte hob (23.). Bei seiner dritten großen Gelegenheit machte der Nationalspieler alles richtig, fand aber mit seinem Schuss in Lopes seinen Meister. Poulsens anschließender Kopfball wurde vom früheren Hannoveraner Marcelo artistisch per Hacke geklärt (33.). Damit hatte RB auf der Suche nach dem inneren Gleichgewicht drei kapitale Gelegenheiten in den ersten 45 Minuten vertan – gegen einen Gegner, der weit besser war, als es seine schwarze Serie der vergangenen Wochen vermuten ließ.

          Gelb für beide Trainer

          Auch nach der Pause fehlte es den Leipziger Aktionen an Abgeklärtheit und Kaltschnäuzigkeit. Bei allem, was RB tat, überlagerte Aktionismus und Hektik den Tatendrang des Bundesliga-Spitzenteams. Und deshalb gab es auch kaum noch nennenswerte Gelegenheiten für die Leipziger. Das Klima der Aufgeregtheit ergriff nun auch Besitz von Nagelsmann, der sich mit Marcelo an der Seitenlinie herumstritt und deshalb vom spanischen Schiedsrichter  Lahoz verwarnt wurde (57.). Weil auch dessen Lyoner Kollege Sylvinho hinzugeeilt kam, um seinen Senf zum unnötigen Zoff dazu zu geben, sah auch der Brasilianer die Gelbe Karte. Kurz vor Schluss musste dann noch ein Physiotherapeut von RB auf Geheiß des Unparteiischen die RB-Bank verlassen.

          Das Leipziger Durcheinander und der Verdruss über diesen Auftritt waren groß. Und so erlaubte sich Mukiele den nächsten verhängnisvollen Bock, als Depay wider einmal Upamecano stehen ließ und Mukiele den Ball an sich vorbeirollen ließ, so dass Terrier allein vor Torhüter Gulacsi keine Mühe hatte, das 2:0 zu erzielen. Es war ein verkorkster Abend für RB Leipzig, das sich nach dem 2:1-Auswärtserfolg bei Benfica Lissabon schon auf dem Weg ins Achtelfinale der Champions League wähnte.

          Nach dem Auftritt vom Mittwoch aber müssen die Sachsen erst einmal wieder an den Basistugenden – konsequente Abwehrarbeit und entschlossene Chancenverwertung – feilen, um in der europäischen Meisterliga für angenehme Überraschungen gut genug zu sein. Coach Nagelsmann hatte nach dem Schlusspfiff bei DAZN jedoch eine andere Meinung: „Das war in meinen Augen eine unverdiente Niederlage. Von uns war es ein sehr gutes Spiel, aber wir haben zwei Fehler gemacht. Beim ersten rennen wir uns gegenseitig über den Haufen, beim zweiten sind wir nicht wach genug. Lyon hatte eigentlich kaum Chancen.“

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