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0:1 in Madrid : Bayern lässt sich von Atlético abkochen

Feiertag: Saúl Ñíguez (rechts) schloss seinen Alleingang mit dem einzigen Treffer des Abends ab - und ließ dann die Kollegen aufschließen. Bild: dpa

Das Halbfinal-Hinspiel der Champions League in Madrid verloren, kein Auswärtstor erzielt: Die Münchner stehen im Rückspiel am nächsten Dienstag vor einer ganz schweren Aufgabe.

          Auch die dritte und letzte Champions-League-Saison von Pep Guardiola in München droht mit dem Halbfinal-Aus gegen eine spanische Mannschaft zu enden. Nach den Hinspiel-Niederlagen bei Real Madrid und dem FC Barcelona in den beiden vergangenen Jahren hat der FC Bayern nun auch bei Atlético Madrid verloren. Der Favorit unterlag am Mittwochabend im Éstadio Vicente Calderón 0:1 durch einen kunstvollen Solo-Treffer von Saúl Ñíguez (11. Minute) und steht vor einer heiklen Aufgabe im Rückspiel in München am Dienstag.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Trainer Pep Guardiola hatte mit einer recht vorsichtig wirkenden Startaufstellung überrascht, ohne Franck Ribéry und auch ohne Thomas Müller, mit acht Toren in zehn Spielen der beste Champions-League-Schütze der Bayern, dafür mit allen vier Spaniern in seinem Kader. Drei der vier standen dann Spalier bei der großen Solo-Nummer, mit der Ñíguez die frühe Druckphase von Atlético krönte. Der 21-jährige Spanier schüttelte erst Thiago Alcántara ab, trickste sich dann zwischen Juan Bernat und Xabi Alonso hindurch, und nachdem er seine drei Landsleute so hatte stehen lassen, zirkelte er aus 14 Metern den Ball gekonnt um den letzten Bayern-Verteidiger David Alaba flach ins linke Eck. Unerreichbar für Torwart Manuel Neuer prallte der Ball vom Innenpfosten ins Tor.

          Der Torschütze: Saul Niguez (vorne) lässt sich von Koke feiern. Bilderstrecke

          Damit war der Plan von Trainer Diego Simeone, vor dem Spiel vom spanischen Fußballverband für die letzten drei Liga-Saisonspiele wegen des Skandals um den „Ballwurf“ von der Atlético-Bank zur Störung eines Konters des FC Málaga gesperrt, gegen die Bayern perfekt aufgegangen. Das frühe Pressing und aggressive Zweikampfverhalten seiner Leute überraschte die Bayern, die ungewohnt viele Ballverluste hatten. Dann, nach der Führung, zog das Heimteam sich deutlich weiter zurück und lauerte auf Konter – während der Favorit auch damit nicht zurechtkam. Guardiolas Leute hatten viel Ballbesitz, aber lange Zeit überhaupt keinen Zug zum Tor.

          Bis zur Pause kam der deutsche Meister auf keine Aktion, die den Namen Torchance verdient hatte. Ein abgewehrter Kopfball von Arturo Vidal, ein Freistoß von Douglas Costa aus spitzem Winkel ans Außennetz, ein geblockter Schuss von Philipp Lahm, das war alles, was in der ersten halben Stunde dem Ballgeschiebe entsprang. Es fehlten Tempo und Durchsetzungsvermögen gegen die stärkste und härteste Defensive Europas. Als dann ein einziges Mal Platz für einen Konter da war und Costa mit Kingsley Coman schnell in die gegnerische Hälfte eindringen konnten, lief Coman zu lang mit dem Ball und wurde ins gefahrenfreie Gelände abgedrängt.

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          Gefährlicher war da schon der einzige Konter von Atlético vor der Pause. Nach einer halben Stunde setzte sich Antoine Griezmann im Laufduell mit Bayern-Verteidiger Javi Martínez durch, kam in die Eins-zu-eins-Situation gegen Neuer, doch war der Schusswinkel zu spitz geworden für den Franzosen, und so konnte der Bayern-Torwart sicher abwehren.

          „Auf jeden Fall ein Auswärtstor erzielen“, hatte Kapitän Philipp vor der Partie gefordert – anders also als in den spanischen Halbfinals der beiden vergangenen beiden Jahre, als die Bayern in den Hinspielen bei Real Madrid (0:1) und dem FC Barcelona (0:3) ohne Treffer geblieben und nach dem Rückspiel ausgeschieden waren. Umso wichtiger erschien das nach dem Pausenrückstand – aber auch umso schwieriger, war doch Atlético in 16 Champions-League-Heimspielen unter Simeone gleich 13 Mal ohne Gegentor geblieben.

          So drängten die Bayern nun deutlich entschlossener auf den Ausgleich. Bezeichnenderweise war es kein durchkombinierter Angriff, sondern die Einzelaktion eines Verteidigers, die dann tatsächlich fast das Tor brachte. David Alaba wagte einen Linksschuss aus fast dreißig Metern, traf den Ball prächtig, hatte aber Pech, dass der Ball von der Unterseite der Latte, knapp neben dem rechten Torwinkel, vor die Torlinie prallte (54. Minute). Zwei Minuten später war der andere Innenverteidiger, Javi Martínez nach einer Ecke per Kopfball zur Stelle, scheitere aber knapp an Torwart Jan Oblak.

          Vorübergehend war nun Druck auf dem Bayern-Kessel. Guardiola versuchte ihn zu steigern, indem er Ribéry für den wirkungslosen Coman und Müller für den verspielten Thiago brachte. Atlético wurde zeitweise immer tiefer in den Strafraum gedrängt. Costa versuchte es auf Zuspiel von Lahm mit einem Heber per Außenrist, der auf das Tornetz flog (71.). Oblak hielt mit Mühe einen strammen Vidal-Schuss (75.).

          Vor dem gegnerischen Tor fehlte das Glück, vor dem eigenen hatten die Bayern es – und brauchten es auch in der 75. Minute. Ribéry verlor den Ball, Griezmann stürmte los, brachte Sturmpartner Fernando Torres ins Spiel, der Alaba aussteigen ließ – und aus zehn Metern den Pfosten traf. Im Nachschuss scheiterte Griezmann an Neuer. So konnten die Bayern, trotz einiger Möglichkeiten in den letzten Minuten, am Ende sogar halbwegs zufrieden sein mit dieser Niederlage.

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