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0:0 in Liverpool : Bayern stabil in der Druckkammer

Applaus in eigener Sache: die Bayern-Spieler zeigen sich zufrieden ihren Zuschauern Bild: AP

In Liverpool machen die Bayern einen großen Schritt nach vorn. Das 0:0 verdienen sich die Münchner mit Selbstvertrauen und defensiver Stärke. Der Sturm der „Reds“ kommt kaum zum Zug.

          „Es wird ein schwieriger Gang“, hatte Bayern-Trainer Niko Kovac für sein erstes K.-o.-Spiel als Trainer in der Champions League vorausgesagt. „Doch ich bin überzeugt: Wir werden uns eine gute Ausgangslage schaffen.“ Das scheint gelungen. Zwar gelang auch den Bayern, beim zwanzigsten Besuch einer deutschen Mannschaft an der Anfield Road, kein Sieg. Doch dank eines durch eine starke Defensivleistung verdienten 0:0 am Dienstagabend beim FC Liverpool kann der deutsche Meister optimistisch in das Rückspiel in München in drei Wochen gehen.

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Allerdings auch mit einer Warnung: Im bisher einzigen Duell der beiden Klubs in der Champions League, als der Wettbewerb noch Europapokal der Landesmeister hieß, hatte man 1981 in Liverpool ebenfalls ein 0:0 erreicht, war dann aber nach einem 1:1 im Rückspiel ausgeschieden. Zudem müssen die Bayern im Rückspiel auf Joshua Kimmich verzichten, der sich eine Gelb-Sperre einhandelte. Die Champions-League-Hymne hatte kurz vor Anpfiff akustisch keine Chance gegen den vom „Kop“, der berühmten Fan-Tribüne von Anfield, durch zehntausende Kehlen angestimmten weltberühmten Gesang „You’ll Never Walk Alone“. Es war die passende Ouvertüre zu einem von Beginn an packenden Schlagabtausch, bei dem das Überraschendste der torlose Endstand war.

          Beide Teams mussten sich in der Frühphase erst an die Stärke und das Tempo des Gegners gewöhnen. Bayern-Torwart Manuel Neuer entkam einem fatalen Ballverlust bei Liverpooler Pressing bis zum Münchner Fünfmeterraum gegen den pfeilschnellen Sadio Mané (7. Minute) genauso knapp wie sein Gegenüber Allison Becker gegen Robert Lewandowski (17.).

          Die Bayern, bei denen Javi Martinez als Abräumer vor der Abwehr für den mit einer Sehnenreizung im Sprunggelenk ausgefallenen Leon Goretzka eine Verstärkung der defensiven Komponente im Bayern-Team lieferte, bemühten sich, durch präzise Ballstafetten das Spiel zu kontrollieren, was ihnen bis Mitte der ersten Halbzeit und immer wieder phasenweise auch gut gelang. Liverpools Torjäger Mohamed Salah erreichte zwar nach zwölf Minuten einen Chip Jordan Hendersons von der Mittellinie, konnte dem Ball aber nicht genug Druck geben. Im Gegenzug waren die Bayern dem Führungstreffer aber deutlich näher, als Serge Gnabry scharf hereingab und der frühere Schalker Joel Matip beim misslungenen Versuch eines Befreiungsschlages aus kurzer Entfernung den eigenen Torwart Alisson anschoss. Im Nachsetzen wurde Kimmichs Schuss geblockt.

          Wütend gestikulierte Jürgen Klopp an der Seitenlinie. Abgesehen von einzelnen Pressing-Phasen postierte sich sein Team, offenbar beeindruckt von der bayrischen Stärke am Ball, defensiv deutlich tiefer als erwartet und als vom Trainer gewünscht. Erst allmählich verschob sich das Gleichgewicht der Partie etwas zugunsten des Heimteams, das nach rund zwanzig Minuten mehr Druck entwickelte. Mané schoss vorbei (16.), Salah konnte freistehend einen Kopfball aus spitzem Winkel nicht mehr aufs Tor bringen (24.).

          Und spätestens nach 32 Minuten durfte der deutsche Meister mit dem 0:0 sehr zufrieden sein, als Niklas Süle einen Schuss von Naby Keita zu Mané abfälschte, und der völlig freie Senegalese seinen Volley aus der Drehung knapp am Tor vorbei schoss. Die Nerven auf der Bayern-Bank waren angespannt. Trainer Niko Kovac bekam eine strenge Ansage von Schiedsrichter Gianluca Rocchi, weil er sich ständig über Einwurfentscheidungen beschwert hatte.

          Auch die Bayern tauchten weiter vor dem gegnerischen Tor auf, um die Personalprobleme in der Innenverteidigung der „Reds“ ohne deren gesperrten Abwehrchef Virgil van Dijk und die verletzte Joe Gomez und Dejan Lovren zu nutzen. Gnabry schoss aus halbrechter Position, Alisson lenkte zur Ecke (36.). Eine scharfe Hereingabe des Rechtsaußen wurde knapp vor dem einschussbereiten Lewandowski abgeblockt (42.).

          Doch gefährlicher war nun Liverpool, und nach einem knapp am Tor vorbeigehenden Fallrückzieher von Mané (37.), einem ebenso knapp das Ziel verfehlenden Schuss von Matip nach Hackentrick von Salah (40.) und einer nicht voll getroffenen Direktabnahme von Firmino (45.) konnten die Bayern froh sein, sich unbeschadet in die Pause zu retten.

          Emotion trifft auf Coolness: Trainerkollegen Klopp (l.) und Kovac Bilderstrecke

          Die zweite Halbzeit begann verhaltener, beide Teams kamen etwas vorsichtiger aus der Kabine. Den ersten Wachmacher nach Wiederanpfiff lieferte Gnabry mit einem wuchtigen Weitschuss, der über die Hand des fliegenden Alisson, aber knapp auch über die Latte jagte (58.). Auf der Gegenseite jagte Trent Alexander-Arnold mit Höchsttempo in den Strafraum, wurde aber mit vereinten Kräften gestoppt (62.). In seiner besten Szene war Salah nicht von drei Bayern zu bremsen, dafür vom Mitspieler Wijnaldum, der ihm in die Quere kam (73.).

          Mit der stärksten Defensivleistung der Saison hielten die Bayern dem Druck der „Reds“ auch in der Schlussphase stand. Nach dem Spiel ging es für die Münchner Delegation zum Bankett ins Hotel „Titanic“ in den Docks von Liverpool. Untergangsstimmung wäre trotz dieser Namenswahl fehl am Platze. Nach Hälfte der Reise scheint der Bayern-Dampfer auf Kurs.

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