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Champions League : Verzweifelt in London

Tristesse an der Stamford Bridge Bild: Reuters

Der FC Chelsea ist im Viertelfinale an diesem Mittwoch (20.45 Uhr) gegen Benfica Lissabon Favorit. Doch abseits der „Königsklasse“ läuft es nicht rund: Die „Blues“ suchen vergeblich einen neuen Trainer - und nach Identität.

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          Immer fehlt etwas beim FC Chelsea. Dem Kapitän John Terry fehlt zum Beispiel ein Mindestmaß an Anstand, weswegen er sich für die rassistische Schmähung eines Gegenspielers vor Gericht verantworten muss. Dem Betriebsklima fehlt die letzte Harmonie, seit Jungchef André Villas-Boas Altstars wie Frank Lampard und Didier Drogba aussortieren wollte. Weil bald darauf, nach Absturz auf Platz fünf der Premier League, natürlich kein Spieler, sondern der Trainer selbst aussortiert wurde, fehlt wieder etwas, nämlich ein Nachfolger. Und manchmal fehlt Chelsea, um ganz bei sich zu sein, auch nur ein Buchstabe.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Im Spiel gegen Manchester United, bei dem Anfang Februar mit einem 3:3 nach 3:0-Führung der Absturz aus der Spitzengruppe begann, fiel Beobachtern eine Werbebande am Spielfeldrand an der Stamford Bridge in London auf. Sie wies auf die Fan-Artikel des Klubs hin. In metergroßen Lettern stand, wo die Sachen erhältlich seien: unter der Internet-Adresse chelsefc.com/shopping. Die Buchstabenfolge aber wirkte seltsam. Chelse FC? Das wäre, als gäbe der FC Bayern sich als FC Bayer aus. Wer den Werbehinweis genau so in seinen PC eintippte, bekam damals keine Trikots oder Klub-Bettwäsche angeboten. Er landete auf einer Seite, die „Partnersuche mit Niveau“ verhieß.

          80 Millionen Euro für neue Trainer

          Vielleicht ist es genau das, was Roman Abramowitsch braucht: Partnersuche mit Niveau. Acht Trainer hat der russische Milliardär in knapp neun Jahren beschäftigt. Allein deren Ablöse- und Abfindungszahlungen der letzten vier Jahre haben ihn mehr als 80 Millionen Euro gekostet - für dieselbe Summe bekam der FC Bayern Ribéry, Robben und Gomez. Nun, da der Italiener Roberto Di Matteo das Team interimsweise bis Saisonende betreut, sucht Abramowitsch den neunten Trainer - und erhält aus der kleinen Kaste der europäischen Top-Trainer wie Guardiola oder Mourinho nur wortloses Desinteresse. Oder launige Absagen von Aufsteigern wie Jürgen Klopp.

          Mal wieder auf Trainersuche: Chelsea-Mäzen Roman Abramowitsch
          Mal wieder auf Trainersuche: Chelsea-Mäzen Roman Abramowitsch : Bild: dapd

          Da die erste Wahl nicht will, soll Chelsea nun laut „Times“ Laurent Blanc, dem französischen Nationaltrainer, eine Offerte von über zehn Millionen Euro pro Jahr unterbreitet haben. Die Höhe des Angebots für einen Trainer, der nicht zur absoluten Oberschicht der Branche zählt und dennoch auf Anhieb ein neues Rekordsalär der Premier League verdienen soll, lässt die Verzweiflung bei Chelsea ahnen.

          Dabei war der Klub einmal eine erste Adresse für die besten Spieler und Trainer Europas. Doch wer von dieser umworbenen Klientel vor allem auf das Geld schaut, geht inzwischen eher zum Scheichklub Manchester City oder, wie Stürmer Samuel Eto’o oder Trainer Guus Hiddink, zu Anschi Machatschkala, dem Milliardärsklub aus der russischen Provinz Dagestan. Und wer finanziell nicht das Letzte ausreizen will, stattdessen lieber sportliche Kontinuität und langfristige Perspektiven sucht, geht lieber zu Barcelona, Real Madrid oder auch Bayern München.

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