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Champions League : Verzweifelt in London

Cheftrainer auf Zeit? Interimscoach Roberto Di Matteo soll die Londoner ins Champions-League-Halbfinale führen
Cheftrainer auf Zeit? Interimscoach Roberto Di Matteo soll die Londoner ins Champions-League-Halbfinale führen : Bild: dpa

Chelsea ist zwar als letzter englischer Klub in der Champions League vertreten und hat nach dem 1:0-Hinspielsieg bei Benfica Lissabon vor der zweiten Partie an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) gute Chancen, mit Barça, Real und Bayern das Halbfinale zu komplettieren. Doch auf Augenhöhe mit den drei Traditions-Giganten ist Chelsea trotz aller Anstrengungen nicht angekommen. Dem Fußball der Neureichen fehlt Nachhaltigkeit. Seit vielen Jahren hat es kein Eigengewächs zum Stammspieler gebracht. Der Nachwuchs bekam hier kaum eine Chance gegenüber den teuren Einkäufen.

Eigenem Nachwuchs fehlt Qualität

Aber offenbar fehlte der Ausbildung in der Chelsea-Kinderstube auch die nötige Qualität für einen Verein mit solchen Möglichkeiten. Das zumindest verraten die Bundesliga-Leistungen der Klubzöglinge Mancienne, Bruma, Töre und Sala, die der frühere Chelsea-Sportdirektor Frank Arnesen bei seinem Jobwechsel zum Hamburger SV mitnahm. Es scheint, dass der FC Chelsea beim Sprung unter die Etablierten Europas auf halber Strecke steckengeblieben ist. Und dort, wo es nur ums Geld geht, überholen ihn inzwischen neue Neureiche.

Der Knoten ist geplatzt: Fernando Torres (Foto rechts) hat nach 1541 torlosen Minuten wieder getroffen
Der Knoten ist geplatzt: Fernando Torres (Foto rechts) hat nach 1541 torlosen Minuten wieder getroffen : Bild: dpa

Erstmals seit 2003, seit der Übernahme durch Abramowitsch, der seitdem rund eine Milliarde Euro in Klub, Spieler und Trainer steckte, droht Chelsea das Verpassen der Champions League. Ein Klub, der Topspielern diese Bühne nicht bieten kann, hat es nicht nur schwer, aktuelle Wunschspieler wie Angel di Maria von Real Madrid oder Ezequiel Lavezzi und Edison Cavani vom SSC Neapel zu verpflichten. Er hat es schon schwer genug, die eigenen Profis zu halten.

Machatschkala lockt Torres und Drogba

Laut Medienberichten in England, Spanien oder Italien klopfen die hellhörigen europäischen Konkurrenten Chelsea-Stars längst auf deren Wechselwilligkeit ab. „Die Geier kreisen schon“, schreibt der „Daily Express“. Für Fernando Torres, den 59-Millionen-Euro-Torjäger mit der 151-Tage-Torflaute, die erst vor zwei Wochen im Pokal gegen den Zweitligaklub Leicester zu Ende ging, soll ein hohes Angebot aus Machatschkala vorliegen, ebenso für Didier Drogba. Torres erzielte am Samstag in der Premier League beim 4:2 bei Aston Villa wieder einen Treffer.

Paris St-Germain, das neuerdings in Geld aus Qatar schwimmt, interessiert sich angeblich für Außenverteidiger Ashley Cole. Aus Spanien wurde Interesse von Real Madrid am Mittelfeldspieler Raul Meireles gemeldet. Und der brasilianische Verteidiger David Luiz wird intensiv vom FC Barcelona beobachtet. Die Zukunft erscheint also zweifelhaft. Aber vielleicht entschädigt ja die Gegenwart. Seit der Verabschiedung von Villas-Boas spielen die Altstars im Team plötzlich wieder motiviert mit, vielleicht auch, weil sie nun keine Ausrede mehr haben.

Seht her, hier bin ich wieder: Didier Drogba (Foto Mitte) hatte unter André Villas-Boas keine Rolle mehr gespielt
Seht her, hier bin ich wieder: Didier Drogba (Foto Mitte) hatte unter André Villas-Boas keine Rolle mehr gespielt : Bild: dpa

Allen voran überzeugt Kapitän und Abwehrchef Terry. Wenn er fit war, hat Chelsea noch kein Spiel in diesem Jahr verloren. Wenn das so weitergeht, lockt als Trostpreis der Gewinn des englischen Pokals, in dem Chelsea im Halbfinale auf Tottenham trifft. Und womöglich öffnete sich am Ende sogar der Notausgang Richtung Champions League, den bisher nur einer fand: der FC Liverpool, der 2005 nur Fünfter der Premier League wurde und sich dennoch wieder für die Champions League qualifizierte. Das ist eigentlich ganz einfach: Man muss sie nur gewinnen.

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