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Champions League : Schwellenklub Werder Bremen

  • -Aktualisiert am

Schafft der Schwellenklub den Sprung? Torsten Frings und Mesut Özil glauben dran Bild: ddp

Die Bremer wollen in ihrer fünften Saison in der Champions League nacheinander mehr erreichen als zuletzt. Das Mindestziel ist das Achtelfinale, nachdem in den beiden Vorjahren bereits in der Gruppenphase Schluss war. Doch Achtung! Gegen Famagusta droht der Virus der Überheblichkeit.

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          Rechtzeitig zum Beginn der Champions-League ist Torsten Frings wieder in Form. Bei Werder Bremens 3:0-Sieg gegen Cottbus (siehe auch: 3:0 gegen Cottbus: Werder siegt mit Diego und Geduld) schoss der Nationalspieler ein Tor und verteilte klug die Bälle. Nur als das Spiel schon längst vorbei war, leistete er sich einen „Fehlpass“ der verbalen Art, zumindest wenn man es aus Sicht der Bremer Offiziellen betrachtet.

          Frings stand im Spielertunnel des Weserstadions und sprach über die Strategie von Energie Cottbus, sich am eigenen Strafraum zu verschanzen. Er fügte noch hinzu, „dass Famagusta am Dienstag wohl genauso spielen wird“, aber das hätte er nach Meinung von Trainer Thomas Schaaf und Sportchef Klaus Allofs nicht sagen sollen.

          Allofs warnt vor Famagusta

          Anorthosis Famagusta ist heute der Auftaktgegner in der Champions League, und Werders Problem dabei ist, dass Famagusta mehr nach UI-Cup als nach Champions League klingt. Schaaf und Allofs haben die Sorge, dass der zyprische Meister nicht ganz ernst genommen wird im Umfeld, und ein Vergleich mit Energie Cottbus taugt nicht gerade dazu, um ein angemessenes Bild von diesem Gegner zu vermitteln.

          Voller Einsatz für die Champions League
          Voller Einsatz für die Champions League : Bild: dpa

          „Ich kann nur davor warnen“, sagt Allofs, „Famagusta in die Kategorie 'schwache Mannschaft stellt sich hinten rein' einzuordnen. Unsere Beobachter sind sehr angetan von ihnen.“ Auch einige Managerkollegen werden ihm das bestätigen können in Europa. „3:0 gegen Rapid Wien, 3:0 gegen Piräus, mehr muss ich nicht sagen“, meint Schaaf. (siehe auch: Zyperns Fußball: Famagusta und die fußballerische Erinnerungsarbeit )

          Immer dabei, aber nie wirklich erfolgreich

          Mag sich Anorthosis Famagusta in Deutschland bisher keinen Namen gemacht haben, ist es doch etwas paradox, dass Schaaf in Bremen vor einem Gegner warnen muss, der in der Qualifikation den eigenen Bezwinger des Vorjahres eliminiert hat. 2007 schied Werder nach einem 0:3 in Piräus in der Vorrunde der Champions League aus.

          Diese Niederlage steht stellvertretend dafür, dass die Bremer ihre Rolle noch nicht ganz gefunden haben im elitären Kreis der Champions League. Sie sind ein Dauergast, zweifelsohne, sie gehören zum fünften Mal in Folge dazu. Bayern München oder der AC Mailand haben das in diesem Zeitraum nicht geschafft. Vereine dieser Gewichtsklasse packt aber noch immer nicht gerade der Angstschweiß, wenn ihnen Werder in der „Königsklasse“ begegnet. Werder hat dort schon Chelsea besiegt oder Real Madrid, aber viel von dieser Reputation wieder eingebüßt durch Niederlagen wie in Piräus.

          Achtelfinale ist ein realistisches Ziel

          „Es wurmt uns, dass wir zum fünften Mal dabei sind in der Champions League, aber erst zweimal die Vorrunde überstanden haben“, bestätigt Per Mertesacker. Daher rührt auch Werders Ansporn, wenn am Dienstagabend gegen Famagusta die neue Saison beginnt: „Wir wollen unseren gestiegenen Stellenwert in Europa auch wirklich beweisen, indem wir mindestens das Achtelfinale erreichen“, so Mertesacker.

          Sieht man sich die Bremer Gruppe, zu der auch noch Inter Mailand und Panathinaikos Athen gehören, an, ist das ein realistisches Ziel. Werder ist in der Champions League ein „Schwellenklub“, wie Mediendirektor Tino Polster treffend beschreibt. Er hat nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten wie Manchester United oder Barcelona, ist für deutsche Maßstäbe aber reich geworden durch die regelmäßigen Starts. Die Bremer haben einen Pizarro holen oder Diego halten können und sich im Laufe der Jahre ein Team aufgebaut, von dem man ein Weiterkommen erwarten darf. „Gegen kleinere Klubs haben wir uns immer schwergetan“, sagt Mertesacker, „das müssen wir in diesem Jahr beheben.“ Deshalb glaubt auch zumindest in der Mannschaft niemand, dass Famagusta unterschätzt wird.

          Mertesacker selbst ist ein Beispiel dafür, dass sich rechtzeitig zum Champions-League-Auftakt einiges zum Besseren verändert hat bei Werder. Gegen Cottbus spielte er zum ersten Mal nach seiner Meniskusoperation mit. Da auch Aaron Hunt wieder genesen ist, beklagen die Bremer im Gegensatz zum Vorjahr keine Verletzten. Im September 2007 fiel am ersten Spieltag bei Real Madrid noch die halbe Mannschaft aus. Der Sieg gegen Cottbus hat auch den Druck etwas verringert, unter dem Werder nach dem schwachen Saisonstart stand. „Wir können gegen Famagusta nun befreiter aufspielen“, sagt Torsten Frings. Dieser Einschätzung haben Klaus Allofs und Thomas Schaaf nicht widersprochen.

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