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Champions League : Schaut auf diese Trainer

Wembley-Stadion: Hier werden sich der BVB und der FC Bayern München im Endspiel begegnen Bild: AP

Egal ob Bayern oder Dortmund - der große Überraschungsgewinn steht dem gesamten deutschen Fußball zu. Und wer ist dafür verantwortlich, rein sportlich? Jürgen Klopp und Jupp Heynckes.

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          Zwei deutsche Mannschaften im Endspiel von Wembley - darauf hätte man bei den Buchmachern in London zu Beginn dieser Spielzeit der Champions League mal zocken sollen. Aber so verwegen, an solche Triumphe wie die der Bayern gegen Barcelona und von Dortmund gegen Real Madrid im Halbfinale tatsächlich zu glauben und darauf zu wetten, war vermutlich kein einziger deutscher Fan. Und so fällt der große Überraschungsgewinn neben den Bayern und Borussen auch dem gesamten deutschen Fußball zu, ein Festtag in Wembley steht an, wie ihn der Klubfußball hierzulande noch nicht erlebt hat.

          Und wer ist dafür verantwortlich, rein sportlich? Die Ära des FC Barcelona ist und bleibt untrennbar mit dem Namen Pep Guardiola verknüpft. Wenn Real Madrid das Endspiel erreicht hätte, wäre es keine Frage gewesen, wem José Mourinho diesen Erfolg zugeschrieben hätte, der am liebsten vom „The Special One“ zum „The Only One“ geworden wäre. Der grandiose Aufstieg von Borussia Dortmund verbindet sich wie selbstverständlich mit Jürgen Klopp, diesem Kraftwerk an der Seitenlinie, den ein italienisches Blatt schon zum neuen Guru des Weltfußballs ausgerufen hat. Und beim FC Bayern München, der in dieser Saison und momentan besten Mannschaft der Welt?

          Fünfzig Jahre im Fußball

          Da überstrahlt Jupp Heynckes ganz und gar nicht das fußballerische Gesamtkunstwerk, im Gegenteil. Der Anteil des Trainers, der diese Meisterleistungen am Stück aufführen lässt, wird im Vergleich zu seinen Kollegen viel zu gering veranschlagt. Selbst um die Anerkennung seines eigenständigen Trainerverdienstes - einen Finalisten der Champions League binnen Jahresfrist auf eine neue taktische, kämpferische und spielerische Qualitätsstufe gehoben zu haben - muss Heynckes sogar kämpfen; von einer Idealisierung und Glorifizierung als Trainerfigur wie bei Guardiola, Mourinho oder Klopp ganz zu schweigen.

          Allein die Frage, ob er sich bei Guardiola vor den Duellen mit Barcelona ein paar Tipps abhole, empfand der Bayern-Trainer als respektlos, als würde seine Arbeit nicht so gewürdigt, wie es die Ergebnisse doch nahelegen müssten. Größere Wertschätzung seines Wirkens hätte er sich auch bei der Verpflichtung Guardiolas gewünscht, da durfte sich ein Trainer auf der Höhe der Zeit auf einmal als Mann von gestern fühlen.

          Am Mittwoch nach dem Sieg in Barcelona sagte Heynckes, der kommende Woche 68 Jahre alt wird, dass er dann fünfzig Jahre im Fußball verbracht habe, und eines Tages denke man dann, sei es genug. Das klang nach Abschied. Es könnte sein, dass der FC Bayern erst nach seinem Adieu bemerkt, was für einen Trainer er verloren hat.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

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