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Champions League : Schalke will ins „Endspiel“

  • -Aktualisiert am

Kuranyi: „Nur wer wagt, gewinnt” Bild: REUTERS

Nach einem schwachen Start in Schalke hat Kevin Kuranyi sich seinen Platz in der Nationalelf zurückerobert und ist auch im Verein zu einer Größe geworden. In der Champions League will er seinen Klub doch noch ins Achtelfinale führen.

          In der Champions League hat der FC Schalke 04 noch nie viel erreicht. Bei den ersten beiden Versuchen vor zwei und vor sechs Jahren schied der Revierklub nach den Gruppenspielen aus. Dieses Mal wollen die Schalker ins Endspiel. Nicht dass die neuerdings wieder selbstbewussten Westfalen so vermessen wären, eine Finalteilnahme im Mai als Ziel auszurufen.

          Fürs Erste wollen sie ein "Endspiel" im Dezember um den Einzug ins Achtelfinale erreichen. Obwohl sie in der Gruppe B erst einmal gewonnen, aber schon zweimal verloren haben, könnten sie mit einem Sieg an diesem Mittwoch beim FC Valencia eine vielversprechende Konstellation erzwingen. "Wir müssen in Valencia auf Sieg spielen, auf jeden Fall wollen wir dann gegen Rosenborg Trondheim ein echtes Endspiel haben", sagte Manager Andreas Müller. Der Begriff "echt" erscheint an dieser Stelle übertrieben, aber so etwas Ähnliches wie ein Finale wäre es durchaus.

          Spieler haben genug gelernt

          Bisher wirkten die Schalker in der europäischen Königsklasse wie eine Lerngruppe, der noch einiges fehlt, um das Reifezeugnis zu erhalten, das zum Studium der hochdotierten K.-o.-Runden berechtigt. Vor allem bei der Heimniederlage gegen Valencia bekamen die Westfalen Grenzen aufgezeigt - von einem Gegner, der nicht besser, sondern nur routinierter, cleverer spielte. Müller sprach von einer "Lehrstunde". In der Bundesliga folgte eine Durststrecke von fünf Spielen, die erst jüngst mit dem Auswärtssieg in Hannover endete. Dennoch traut Müller den Kickern in Königsblau zu, die nötigen Punkte für die Versetzung zu ergattern. Er sei zuversichtlich, dass die Spieler genug gelernt hätten.

          Die Zuversicht mag ein wenig aufgesetzt wirken, aber vielleicht ist sie nicht ganz unbegründet. Gerade rechtzeitig für den geplanten Beutezug in Spanien und anschließend daheim gegen die Norweger ist ein Spieler aus dem Krankenstand zurückgekehrt, der auch international Eindruck macht: In Hannover gab Kevin Kuranyi ein beeindruckendes Comeback, nicht nur seiner beiden Treffer wegen, denen er noch eine Torvorlage hinzufügte. Kuranyi meldete sich in allen möglichen Rollen zurück, die zuletzt bei Schalke schlecht oder gar nicht besetzt waren: als Wortführer und Pacemaker, als Sturmführer und Vollstrecker.

          Profilieren ohne Effekthascherei

          Bevor Schalke in Hannover neues Selbstbewusstsein einspielte, war Trainer Mirko Slomka für die mutige Vorgabe, vier Bundesligaspiele in Serie gewinnen zu wollen, gelobt worden. Der Urheber dieses Anspruchs aber war Kuranyi im Doppelpass mit seinem Kollegen Fabian Ernst. Die beiden haben nicht nur die Mitspieler, sondern auch ihren Vorgesetzten überzeugt, der wieder einmal klug genug war, eine Allianz mit den richtigen Spielern einzugehen. So ließ Slomka dieser Tage wissen: "Kevin hat gesagt, dass wir viermal gewinnen wollen, und ich war damit einverstanden."

          Nach einem schwachen Start in Schalke, der ihn die WM-Teilnahme kostete, hat Kuranyi sich nicht nur seinen Platz in der Nationalelf zurückerobert; er ist auch bei seinem Klub zu einer Größe geworden, die sich zu profilieren weiß, ohne auf Effekthascherei aus zu sein. Vor der Saison hatte der Stürmer sich sogar mit der Klubspitze angelegt, weil er Zweifel an der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Mannschaft geäußert und vehement die Verpflichtung eines Profis mit weltmännischer Ausstrahlung gefordert hatte. Mit mehr Spielern dieser Art und Güte wäre Schalke vermutlich auf hohem Niveau wettbewerbsfähig.

          Zwölf Millionen stehen auf dem Spiel

          Kuranyi hat seine riskante Formel von den vier Siegen ("Nur wer wagt, gewinnt"), wenn auch nicht ausdrücklich, auf die Champions League übertragen. "Wenn wir in Valencia so auftreten wie in Hannover, werden wir dort erfolgreich sein." Diese selbstbewusste Herangehensweise scheint auch dem Vereinspräsidenten Josef Schnusenberg zu gefallen, der Slomkas Arbeit aufmerksamer denn je beobachtet und, wie es heißt, in der Winterpause seine Schlüsse ziehen will. Der jüngste Auswärtssieg sei "nur ein Sechstel" gewesen, sagt Schnusenberg.

          Offenbar hat er die angestrebte Serie um die beiden nächsten Europapokalpartien erweitert. Wobei man sich darüber streitet, ob der Präsident dies mit einem Augenzwinkern oder mit vollem Ernst formuliert hat. Für die ernstgemeinte Variante spricht der deutliche Hinweis auf die Einnahmen, die auf dem Spiel stehen. Die Teilnahme am Achtelfinale brächte Schalke etwa zwölf Millionen Euro ein, sagt Schnusenberg. "Falls wir als einzige deutsche Mannschaft weiterkommen, ist es noch mehr."

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