https://www.faz.net/-gtl-13g86

Champions-League-Qualifikation : Stuttgart gewinnt in Timisoara

  • -Aktualisiert am

Jubelnde Stuttgarter: Sami Khedira (Mitte) und Ciprian Marica gratulieren dem erfolgreichen Elfmeterschützen Timo Gebhart (l.) Bild: AFP

Der VfB Stuttgart kann auf Einkaufstour gehen. Nach dem Auswärtssieg beim FC Timisoara in der Qualifikation zur Champions League ist das Rückspiel gegen die Rumänen nur noch Formsache.

          3 Min.

          Die Szene hatte Symbolkraft. Der Mann mit den besonderen Fähigkeiten nahm im Mannschaftsbus buchstäblich eine Sonderstellung ein. Alexander Hleb hatte seine Schuhe ausgezogen und die in schwarze Strümpfe verpackten Füße nach oben gelegt. Im Bus, den die Schwaben am Tag nach dem 2:0-Sieg im Hinspiel der Qualifikation zur Champions League beim FC Timisoara zur Fahrt vom Flughafen zum Trainingsgelände nutzten, gab es nur einen Sitz, der solche Möglichkeiten zur freien Entfaltung bot. Auf dem saß Hleb, als wäre das die Belohnung für sein Tor zum 2:0 in der 30. Minute, als der Weißrusse wie ein Slalomläufer durch die rumänische Abwehr kurvte und Manager Horst Heldt staunen ließ: „Ich freue mich, dass ich das mit ansehen durfte.“ Das galt für manche Szene, die dazu führte, dass dem VfB nach Timo Gebharts Elfmetertor (28.) der Einzug in die lukrative Champions League kaum noch zu nehmen ist. Die Schwaben gehen mit einem komfortablen Vorsprung in das Rückspiel am kommenden Mittwoch (FAZ.NET-Champions-League-Liveticker).

          Schon der Erfolg in Timisoara am Dienstagabend weckte am Neckar Aufbruchstimmung. „Wir wollen in der Champions League nicht nur mitspielen, sondern wieder mal eine Marke setzen wie damals gegen Manchester United“, sagte Manager Heldt und offenbarte damit Sehnsüchte, die viele in Stuttgart teilen. Am 1.Oktober 2003 stand auch Heldt noch auf dem Rasen und trug beim 2:1-Sieg der Schwaben mit zum Hochgefühl bei.

          Kandidaten Ottl und Kacar

          Seit Hleb für ein Jahr vom FC Barcelona ausgeliehen werden konnte, scheinen Kunststücke wie anno 2003 im Namen des VfB Stuttgart zumindest wieder möglich. „Mit ihm und Pawel Pogrebnjak sind zwei Spieler gekommen, die sich nicht mit Mittelmaß zufriedengeben“, sagt Jens Lehmann. Fast täglich erneuert der Torwart seine Forderung, der Klub müsse weiter investieren, um auf einem höheren Niveau konkurrenzfähig zu werden. Nach der schweren Verletzung von Martin Lanig, der einen Kreuzbandriss erlitt, will Heldt die neue Lücke „schnell schließen“. Wobei der bei Hertha BSC Berlin spielende Serbe Gojko Kacar zu teuer erscheint, da die Berliner offenbar 15 Millionen verlangten, der VfB nur rund acht zu zahlen bereit ist.

          Glückwunsch für Alexander Hleb: Der Rückkehrer hat nach einem bemerksnwerten Solo das 2:0 geschossen

          Ein weiterer Kandidat soll der Münchner Andreas Ottl sein. „Sicher ist, wir werden etwas tun“, sagt Heldt, der den VfB auf dem Weg in „die richtige Richtung“ sieht, dies nicht nur an Hleb festmachen will, sondern auch Gebhart und Stefano Celozzi erwähnte, die „beide gespielt haben, als hätten sie zwanzig Europapokalspiele hinter sich“. Für Gebhart war es das zweite, für den ebenfalls zwanzig Jahre alten Celozzi das erste. „Wie Gebhart sich in einem solchen Spiel den Ball zum Elfer schnappt, zeigt, wie abgebrüht er schon ist“, sagte Heldt.

          Lehmanns Auftrag

          Womit wieder Anführer wie Hleb und Lehmann ins Blickfeld rücken, die nicht nur Gebhart als nachahmenswertes Vorbild betrachtet. „Man kann sich an solchen Spielern orientieren“, sagt der Mittelfeldmann, der auf dem Spielfeld eine freche und forsche Note einbringt und gesteht, von Hleb und Lehmann zu lernen. So stellte er seine Ernährung um und verordnete sich einen Lebenswandel, der Anforderungen eines Profilebens gerecht wird. Er schaue Hleb in jedem Training zu und bekomme so einen Eindruck, was Weltklasse bedeute.

          Wie kaum einmal zuvor in seiner Karriere betrachtet es auch Lehmann als persönlichen Auftrag, den Ehrgeiz der jungen Kollegen zu beflügeln und den Blick für neue Horizonte zu öffnen. Lehmann hat dazu ein sehr persönliches Interesse. Er kündigte an, seine Karriere nach dieser Saison zu beenden. Schon deshalb will der frühere Nationaltorhüter sich und seinen jetzigen Klub auf einen großen Erfolg zusteuern helfen.

          Das Gefühl, etwas gutmachen zu müssen, gibt es bereits. Der letzte Auftritt in der Königsklasse nach der Meisterschaft 2007 geriet zum Desaster, und die folgende Teilnahme im Uefa-Pokal-Wettbewerb brachte mehr Frust als Freude. Auch Hleb hat all das miterlebt, als er im Trikot des Arsenal und des FC Barcelona nie das Interesse an seinem Stuttgarter „Heimatklub“ verlor. Weil Lehmann gleich nach der Ankunft aus Timisoara vom Flughafen zur Familie nach München fuhr, sprang Hleb als Antreiber in die Bresche, um Selbstzufriedenheit vorzubeugen. „Was wir gezeigt haben, das reicht für die Qualifikation, nicht aber für die Gruppenphase. Es ist ein großer Abstand zu Arsenal oder Barcelona, die immer Champions League spielen“, sagte er. „Wir müssen cleverer werden.“ Auch dafür lieferte er gleich ein Beispiel und legte im Bus die Füße hoch.

          Weitere Themen

          Der Musterschüler des Joachim Löw

          Serge Gnabry : Der Musterschüler des Joachim Löw

          Der Bundestrainer gerät nach der Gala von Serge Gnabry gegen Nordirland regelrecht ins Schwärmen. Den Bayern-Stürmer macht der neue Status selbstbewusst. Dabei scheut er auch keine kritischen Töne.

          Wellenreiten für zwischendurch Video-Seite öffnen

          Lagerhalle in Berlin : Wellenreiten für zwischendurch

          Wellenhöhe wie auch Wasser-Fließgeschwindigkeit lassen sich individuell an die Bedürfnisse des Wellenreiters anpassen. Für Anfänger steht zusätzlich eine Haltestange bereit, bis zu sechs Neulinge können gleichzeitig üben.

          Topmeldungen

          Baden-Württembergs Maschinenbauer erhalten immer weniger Aufträge.

          F.A.Z. exklusiv : Ein Hilferuf aus Baden-Württemberg

          Das Land der Autos und des Maschinenbaus steckt in der Krise. In seltener Einmütigkeit fordern Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften Hilfe vom Bund – in einem deutlichen Brief an Hubertus Heil.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.