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Champions-League-Qualifikation : Gladbach bei den großen Jungs

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Zielstrebig in die Königsklasse: Gladbach empfängt zum Qualifikations-Hinspiel Dynamo Kiew Bild: dpa

Sechzehn Jahre nach ihrem letzten Auftritt im Cup der Pokalsieger kehren die Gladbacher auf die europäische Fußball-Bühne zurück. Gegen Dynamo Kiew geht es um die Qualifikation für die Champions League - und darum, die hohen Transferausgaben zu amortisieren.

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          Die erste kleine Trophäe hat Borussia Mönchengladbach schon vor der Rückkehr auf die internationale Bühne in Empfang genommen. Es ist eine Cola-Dose aus dem Jahr 1971. „Jetzt haben wir den Pokal, das ist unser Geschichtspokal“, sagte der frühere Borussentorwart Wolfgang Kleff, als eine Gladbacher Abordnung das Blech vor kurzem aus Arnheim abholte. Der „Büchsenwurf“ gehört zu den wichtigsten Episoden der großen Gladbacher Geschichte. Sie handelt von einem der schönsten, zugleich bittersten Europapokal-Abende des Klubs. In diesem Sommer wird sie wieder häufiger erzählt, auch weil sich die historische Chance eröffnet, in den Play-off-Spielen gegen den ukrainischen Rekordmeister Dynamo Kiew (Hinspiel an diesem Dienstag, 20.45 Uhr / Live im FAZ.NET-Ticker) zum ersten Mal in die moderne Arena der Champions League einzuziehen.

          An jenem Abend am Bökelberg führte Gladbach im Achtelfinale gegen Inter Mailand 2:1, als Roberto Boninsegna, von einer Cola-Büchse vermeintlich schwer getroffen, zu Boden ging und „für fünfzehn, zwanzig Sekunden“ das Bewusstsein verlor, wie er behauptet. Die Borussen sind noch heute davon überzeugt, das Wurfgeschoss von der Tribüne habe den Italiener nur an der Schulter getroffen. Der niederländische Schiedsrichter Jef Dorpmans ließ die Partie schließlich fortsetzen.

          Die Gladbacher „Fohlen“ lieferten das wohl beste Spiel ihrer Europapokal-Geschichte und besiegten Inter 7:1. Gegen das Votum des Schiedsrichters erklärte eine Kommission der Europäischen Fußball-Union das Ergebnis für ungültig, und Gladbach schied am Ende aus. Die Dose hatte Jef Dorpmans als Souvenir mitgenommen und später seinem Heimatverein Vitesse Arnheim für dessen Museum überlassen.

          Vor 16 Jahren das letzte Mal Europacup

          Mehr als vier Jahrzehnte sind seit jenem Fußballabend vergangen. Nicht ganz so lange, aber auch schon sehr lange ist es her, dass Gladbach im Europapokal mitspielen durfte. Vor sechzehn Jahren schieden die Borussen gegen den AS Monaco aus dem Cup der Pokalsieger aus, einem Wettbewerb, den es inzwischen nicht mehr gibt. Stars der aktuellen Mannschaft wie Granit Xhaka oder Luuk de Jong waren da noch im Kindergarten oder im Vorschulalter.

          Aber sie wissen, dass sie Sporthistorisches leisten können. Kein Wunder - im Gegensatz zu vielen ihrer Mitspieler haben sie schon Erfahrung auf diesem Niveau gesammelt. „Am Dienstag geht es um etwas Großes“, sagt der neunzehn Jahre alte Mittelfeldspieler Xhaka, der mit dem FC Basel schon in der Champions League gekickt hat.

          Vater des Erfolgs: Trainer Lucien Favre führte die Gladbacher zurück auf die europäische Fußball-Bühne

          Gladbach hat zweimal den Uefa-Cup gewonnen und bestritt ein Finale im Europapokal der Landesmeister, dem Vorläufer der Champions League aus dem silbernen Zeitalter des Vereinsfußballs. Aber in der Königsklasse moderner Prägung war der Klub noch nie. Während die Champions League sich zum Lukrativsten entwickelt hat, was der Vereinsfußball auf dieser Welt zu bieten hat, gingen die Rheinländer durch tiefe Täler, sportlich wie wirtschaftlich. Eineinhalb Jahrzehnte waren geprägt vom Kampf gegen den Abstieg und um den Aufstieg - und von der Pflicht, eine finanzielle Basis für die Zukunft zu schaffen.

          Für manchen Fan fühlt sich das jüngste Wachstum fast wundersam an. Vor fünfzehn Monaten blickten die Borussen in Bochum noch in den Abgrund zweite Liga. Inzwischen sind sie in der Lage, mehr als dreißig Millionen Euro in Ablösesummen zu investieren - mehr pflegt vor einer Saison nur Branchenprimus Bayern München auf dem Transfermarkt auszugeben. Ein Weiterkommen gegen Kiew würde erheblich dazu beitragen, dass die Ausgaben für Profis wie de Jong, Xhaka, Dominguez oder Mlapa sich rasch amortisieren. Die Vereinsführung betont aber, sich solche Spieler auch bei einer Teilnahme nur an der Europa League leisten zu können. „Wir versuchen, den Stellenwert, den wir uns erarbeitet haben, zu untermauern. Wirtschaftlich wäre der Einzug in die Gruppenphase hoch lukrativ, ist aber kein Muss“, sagt Sportdirektor Max Eberl.

          Leistungsträger bei den „Fohlen“: die offensiven Mittelfeldspieler Juan Arango (links) und Igor de Camargo

          Auch emotional dürstet es ganz Gladbach nach europäischem Flair. Die Fans gieren nach Karten, die Medienabteilung veranstaltet einen Workshop für Reporter, die den Klub regelmäßig begleiten, die „Rheinische Post“ veröffentlicht eine zwanzig Seiten umfassende Verlagsbeilage unter dem Motto: „Jetzt auf nach Europa“. Trotz der großen Geschichte(n) wirkt Gladbach wie ein kleiner Kerl, der kurz davor steht, wieder bei den großen Jungs mitzuspielen. Kiew, ein Verein mit großer Europa-Cup-Tradition, gehört zu den schwierigsten Gegnern, die Gladbach hätte bekommen können. Aber wenn es um viel ging, haben schon die „Fohlen“ einiges möglich gemacht - nicht 1971 gegen Mailand, aber sechs Jahre später. Im April 1977 zogen sie ins Landesmeisterfinale gegen Liverpool ein - dank eines 2:0 über Dynamo Kiew.

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