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Champions-League-Kommentar : Tiefer Graben durch Europa

Deprimierte Schalker: Königsblau geht gegen die Königlichen unter Bild: AP

Dass Schalke und Leverkusen in der Champions League nicht mithalten können, bekommen sie mit aller Brutalität zu spüren. Das europäische Wettrüsten um den Fußballthron fordert überall seine Opfer.

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          Shitstorms gibt es nicht nur im Internet. Schalke 04 erfährt das gerade nach der höchsten Europapokal-Niederlage seiner Geschichte. In klassischen Medien kommen Shitstorms aber immer noch als Schlagzeilen daher. Zumindest dann, wenn sie so brachial benutzt werden, um auf einen Klub einzuschlagen wie nach dem 1:6 gegen Real Madrid im Hinspiel, und „Schande“ und „Blamage“ die einzigen Begriffe sind, die auf den Auftritt der Schalker gegen die Spanier passen sollen.

          Während alle anderen Gründe, die für den Klassenunterschied verantwortlich sind, einfach verkannt oder schlicht ignoriert werden. Bayer Leverkusen hat übrigens einen ähnlichen Shitstorm vor einer Woche nach dem 0:4 gegen Paris St. Germain im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League erlebt. Da sieht die Sache kaum anders aus.

          Selbstverständlich haben deutsche Spitzenklubs wie Schalke und Bayer Leverkusen jeweils ein schwaches Spiel im Achtelfinale mit zu vielen Fehlern gemacht. Draxler etwa merkte man die Pause nach seiner Verletzung allzu sehr an. In der ersten Halbzeit verpasste er die Chance zum Ausgleich, und sein Fehler leitete das 0:2 ein. Und danach kam gegen Real Madrid eine Unsicherheit zur anderen.

          Bayer Leverkusen wird sich auch fragen, warum Umschaltspiel und defensive Stabilität gegen einen Spitzenklub wie Borussia Dortmund wunderbar funktionieren - aber gegen Paris und Ibrahimovic davon nichts zu sehen war.

          Bale (links) und Ronaldo haben ihren Spaß „auf“ Schalke Bilderstrecke

          Aber all diese Schwächen ändern nichts daran, dass sich Schalke 04 und Bayer Leverkusen spätestens im Achtelfinale der Champions League in einem Wettbewerb befinden, in dem sie grundsätzlich nicht mithalten können. Das haben sie mit aller Brutalität zu spüren bekommen, auch wenn sie an besseren Tagen sicher mehr Widerstandskraft offenbaren können. Tatsächlich aber dürfen sie froh sein angesichts ihrer Möglichkeiten, die Vorrunde der Champions League zu überstehen.

          Soviel steht fest: Alle deutschen Klubs hinter dem FC Bayern und mittlerweile auch Borussia Dortmund - wer erinnert sich im Übrigen nicht an die Häme, als der deutsche Meister im ersten Jahr in der Vorrunde scheiterte -, sind strukturell viel zu schwach, um gegen die europäischen Mächte in den K.o.-Runden dauerhaft bestehen zu können.

          Schalke begeisterte sich in dieser Saison aus guten Gründen an der Verpflichtung von Kevin-Prince Boateng für rund zehn Millionen Euro - allein die beiden Torschütze Cristiano Ronaldo und Gareth Bale sind ungefähr so kostspielig wie der gesamte Schalker Kader. Und die Hunderte von Millionen Euro, die qatarische Geldgeber nach Paris pumpen, haben dort mit Ibrahimovic, Motta oder Thiago Silva auch entsprechend sportlich erstklassige Spuren hinterlassen.

          Der tiefe Graben, der die Bundesliga mittlerweile zwischen dem FC Bayern und dem Rest spaltete, deutet sich längst auch in Europa an. Und wenn man überhaupt von Blamage in der Champions League sprechen will, dann schaut man dabei besser in Richtung von Manchester City, wo astronomische Summen in Europa bisher zu rein gar nichts geführt haben.

          Die Bayern aber werden angesichts der Realitäten und Ergebnisse, die eben auch Real Madrid und Paris gegen Schalke und Bayer Leverkusen erzielten, nicht im Traum auf den Gedanken kommen, sich auf irgendeinen Solidaritätskurs mit der hoffnungslos unterlegenen Bundesliga zu begeben. Das europäische Wettrüsten um den Fußballthron fordert überall seine Opfer.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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