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Champions-League-Kommentar : Haltungsnote mangelhaft

  • -Aktualisiert am

Schwarzer Auftakt für die deutschen Klubs: Stuttgarts Cacau leidet Bild: REUTERS

Der Auftakt in die Champions League ging in die Hose. Statt europäischen Glanz verbreiteten Schalke, Bremen und Stuttgart Tristesse. Nun müssen sie aus ihren Versäumnissen lernen. Sonst sind die Deutschen nicht einmal mehr Außenseiter, meint Roland Zorn.

          Chancen nicht genutzt, das eigene Spiel nicht durchgesetzt, naiv gescheitert: Die drei deutschen Klubs in der Champions League stehen nach dem ersten Gruppenspieltag vereint mit leeren Händen da. Statt europäischen Glanz haben sie letztlich Tristesse verbreitet. Dabei wirkten weder Werder Bremen noch der FC Schalke 04 oder der VfB Stuttgart spielerisch so schmalbrüstig, als wären sie der starken Konkurrenz nicht gewachsen.

          Vielmehr bestraften sich alle drei Mannschaften durch wenige schwache Momente, in denen der Wille, die Konzentration, die Entschlossenheit nachließen. Werder, aus dem deutschen Königsklassen-Terzett noch am stärksten, setzte nach dem 1:1-Ausgleichstor im Bernabéu-Stadion nicht entschieden genug nach; Schalke verharrte beim zähen Abtasten mit den noch kühleren Strategen des FC Valencia zu lange in einer Konterhaltung und verlor darüber jegliche Giftigkeit; der VfB wurde mit der 1:0-Führung durch Gomez selbstgenügsam und verschenkte den Sieg an die biederen Rangers aus Glasgow.

          Keine sportlichen Glanzlichter des ungeliebten Klubs

          Mit schlechten mentalen Haltungsnoten verspielten die drei Mannschaften leichtfertig ihr Kapital. Ein Guthaben oder Teilguthaben zu mehren oder mindestens über die Zeit zu bringen, das konnten die diesmal verhinderten Münchner Bayern auch in der Champions League oft genug meisterhaft. Die Klubs, die es diesmal richten sollen und dazu aufgerufen sind, weiteren Schaden von der in letzter Zeit sowieso schon mausgrauen deutschen Europapokalbilanz abzuwenden, müssen nun rasch aus ihren Versäumnissen lernen. Sonst droht eine Champions-League-Runde, in der die Bundesliga nicht einmal eine beachtliche Außenseiterrolle spielt.

          Chancen nicht genutzt – da waren die deutschen Klubs am Dienstag und Mittwoch in prominenter Gesellschaft. Der FC Chelsea, letztmals unter der Obhut von Trainer José Mourinho, verschenkte trotz schwacher Leistung einen Heimsieg über Rosenborg Trondheim. Das 1:1-Unentschieden wirkte dann trotzdem wie eine Niederlage zu viel für den portugiesischen Star auf der Bank, der dem mit russischen Millionen aufgerüsteten ungeliebten Londoner Luxusklub schon länger keine sportlichen Glanzlichter mehr aufsetzen konnte.

          Spannende neue Zeitrechnung - auch für Ballack

          Mourinho hatte sich mit seinem defensiv verankerten Konzeptfußball abgenutzt, denn Chelseas ideenarmes Spiel mutete schließlich so neureich-seelenlos an wie die Struktur des Klubs, der in der englischen Hauptstadt niemals die Popularität des FC Arsenal oder der Tottenham Hotspurs erreichen wird. Götterdämmerung für Mourinho, damit war schon seit längerem zu rechnen, nachdem sich die Mannschaft des Managers, der mit dem Underdog FC Porto 2004 die Champions League eroberte, immer weiter von ihren höchsten Zielen zu entfernen schien.

          Was der Trainerwechsel auf Sicht für den seit langem verletzten deutschen Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack bedeutet, ist noch nicht ersichtlich. Chelsea hat ja nach einigen Irritationen versichert, an der Kooperation mit dem mannschaftsdienlichen Sachsen festhalten zu wollen. Das aber galt noch zu Zeiten von Mourinho. Mit wem es wohin geht in der neuen Zeitrechnung des Vereins, wird die Zukunft zeigen. Sie bleibt spannend – auch für einen gesunden Ballack.

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