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Champions-League-Kommentar : FC Deutschland

  • -Aktualisiert am

Der goldene Schuss: Robben lässt sich nicht mehr aufhalten Bild: AP

Die Bayern sind dabei, zu einer Weltmarke aufzusteigen. Der Triumph von Wembley wird diese Entwicklung noch befeuern. Dass die Münchner ihre Traumsaison wiederholen können, ist jedoch längst nicht ausgemacht.

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          Der FC Bayern München hat am Samstag endgültig den europäischen Fußball-Thron bestiegen. Der Sieg über Borussia Dortmund im Finale der Champions League im Londoner Wembley-Stadion war die Krönung einer außergewöhnlichen Saison, in deren Verlauf sich der deutsche Rekordmeister schon zuvor den Ruf erworben hatte, die beste europäische Fußballmannschaft zu sein.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Bayern waren deutscher Meister mit sagenhaften 25 Punkten Vorsprung vor Dortmund geworden und hatten sich im Halbfinale der Königsklasse mit zwei Siegen und sieben zu null Toren über den FC Barcelona hinweggesetzt, der bis dahin als das Nonplusultra im europäischen Vereinsfußball angesehen worden war.

          Und wenn die Bayern am kommenden Samstag (20.00 Uhr / Live im DFB-Pokal-Ticker bei FAZ.NET) auch noch im Endspiel um den deutschen Vereinspokal den VfB Stuttgart im Berliner Olympiastadion besiegten - und wer zweifelte schon daran? -, dann hätten sie eine perfekte Spielzeit hingelegt.

          Diese Erfolgsserie hat der FC Bayern auch dem sportlichen Aufstieg von Borussia Dortmund in den vergangenen beiden Jahren zu verdanken. Die junge Mannschaft des charismatischen Trainers Jürgen Klopp schnappte dem deutschen Rekordmeister zweimal nacheinander den nationalen Titel weg und ließ der Bayern-Klubführung gar keine andere Wahl, als sich mit der modernen Spielauffassung des neuen Herausforderers zu beschäftigen.

          Trainer Jupp Heynckes gelang die Umsetzung so gut, dass sein Kollege Klopp den Bayern vorhielt, es wie die Chinesen in der Wirtschaft zu machen: „Gucken, was die anderen tun und es dann abkupfern und mit mehr Geld und anderen Spielern den gleichen Weg einschlagen.“

          Mehr Geld als jeder andere deutsche Fußballverein, das haben die Bayern schon seit Jahrzehnten. Sie setzten es nur nicht immer ganz so sinnvoll ein wie in dieser Saison. Der heutige Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat den Verein schon Ende der achtziger Jahre, damals als Manager, zu einer nationalen Marke gemacht, als in anderen Vereinen Begriffe wie Marketing oder Corporate Identity noch nicht einmal richtig ausgesprochen werden konnten.

          Als Erfolgsgeheimnis nennt Hoeneß bis heute, dass Sponsoren in seinem Verein eine gute Rendite für ihr Engagement erhielten. Die Bayern sind nun mal nicht nur in München der populärste deutsche Fußballklub, sondern in vielen deutschen Städten. In 43 von 95 Postleitzahlenbezirken sind seine Fanklubs am stärksten vertreten. Die durchschnittliche Anreise eines Bayern-Fans zu einem Heimspiel beträgt 225 Kilometer. Kein Wunder, dass die Münchner auch FC Deutschland genannt werden.

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          Den früh erarbeiteten finanziellen Vorsprung haben die Bayern gegenüber der nationalen Konkurrenz stets verteidigt, weil sie ihr erwirtschaftetes Kapital umsichtig einsetzten und in Steine und Beine investierten. Die für 350 Millionen Euro erbaute Allianz-Arena wird nach Klubangaben in wenigen Jahren abbezahlt sein, der Marktwert des Spielerkaders zwischen 400 und 450 Millionen Euro taxiert. Der Verein ist schuldenfrei und verfügt über ein Festgeldkonto.

          Seit 1996 verpassten die Münchner nur einmal die Teilnahme an der lukrativen Champions League, deren außerordentlich hohes Prämiensystem für eine Zweiklassengesellschaft sorgt. Je nach Abschneiden lassen sich in diesem Wettbewerb der besten Klubs zwischen 15 und 70 Millionen Euro im Jahr einnehmen.

          Ein durchschnittlicher Bundesligaverein macht einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro. In diesem Geschäftsjahr wird der Umsatz der Münchner erstmals 400 Millionen Euro übersteigen. Die Bayern sind auch wegen der von der Europäischen Fußball-Union geschickt vermarkteten Champions League dabei, zu einer Weltmarke aufzusteigen.

          Der Triumph von Wembley wird diese Entwicklung noch befeuern. Nur noch Real Madrid, der FC Barcelona und Manchester United weisen höhere Umsätze auf als die Münchner, sie haben den Vorteil deutlich höherer Einnahmen aus dem Verkauf der Fernsehrechte. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa und der Einführung des „Financial Fairplay“ der Europäischen Fußball-Union, nach dem Vereine nicht mehr ausgeben dürfen, als sie einnehmen, spricht alles dafür, dass der FC Bayern seinen Platz in der europäischen Fußball-Hierarchie noch weiter festigt.

          In diesem Sommer sind die Bayern die Könige von Europa

          Die Wettbewerbsvorteile südeuropäischer Vereine durch die nationale Steuergesetzgebung, bis hin zur Stundung oder zum Erlassen der Steuerschulden, sind in den Fokus der Kontrollorganisationen der Europäischen Union geraten. Die Spitzenklubs der Bundesliga, ganz besonders die Bayern, werden für Fußballstars immer interessanter. So unterschrieb der ehemalige Trainer des FC Barcelona, Pep Guardiola, als Nachfolger von Jupp Heynckes bei den Bayern, obwohl er sich jeden Klub der Welt hätte aussuchen können.

          Dass die Bayern mit Guardiola ihre Traumsaison wiederholen können, ist jedoch längst nicht ausgemacht. Zuletzt wiederholte der AC Mailand 1990 seinen Champions-League-Triumph aus dem Vorjahr. Jedenfalls haben die Bayern sich die besten Voraussetzungen geschaffen, auf Jahre hinaus zu den größten Titelanwärtern zu zählen.

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