https://www.faz.net/-gtl-6xv3t

Champions League : Inter verliert sich selbst

  • -Aktualisiert am

In der Ahnengalerie der ratlosen Trainer: Claudio Ranieri Bild: dpa

Seit dem Gewinn der Champions League vor zwei Jahren genügt Inter Mailand den eigenen Ansprüchen nicht mehr. Die Spieler wirken verunsichert, Trainer Ranieri ratlos. Gegen Marseille wartet die nächste Herausforderung 20.45 Uhr).

          Bei der 0:3-Heimniederlage von Inter Mailand zuletzt gegen den FC Bologna zeigte sich ein junger Stadionbesucher mit einem Banner, auf dem geschrieben stand: „Könnt ihr bitte gewinnen? Sonst werde ich in der Schule verspottet! Danke, Filippo.“ Der neun Jahre alte Grundschüler ist seither eine kleine Berühmtheit, sein Auftritt hat ihm zu einem Besuch bei seinen müden Helden verholfen. „Ich habe sie gebeten, dass sie wieder gewinnen, und der Kapitän hat mir gesagt, dass ich Glück habe, in einer Zeit geboren zu sein, in der Inter alles gewonnen hat.“ Am Mittwochabend wird er sehen, wie Inter im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Olympique Marseille abschneidet - und wie ernst es der Mannschaft mit der Wiedergutmachung ist.

          Wie alle Anhänger steckt der Knirps in dem Dilemma, dass Inter nach dem Gewinn der Champions League vor zwei Jahren den eigenen Ansprüchen nicht mehr genügt. In den vergangenen fünf Liga-Spielen holte die Mannschaft nur einen Punkt und ließ 13 Gegentore zu. Sollte das Spiel in Marseille ebenso verloren werden wie die Begegnungen gegen Lecce, Palermo, AS Rom, Novara und den Bologna, dann muss Trainer Claudio Ranieri mit seiner Entlassung rechnen. Er würde dann in die Galerie der hilflosen Ahnen José Mourinhos aufrücken, dem Architekten des Triple-Gewinns 2010. Nach Rafael Benitez, Leonardo und Gian Piero Gasperini wäre der 60-Jährige Trainer Nummer vier.

          Dabei hatte Ranieri zunächst alles richtig gemacht und das auf Grund gelaufene Flaggschiff der Serie A zu sieben Siegen in Serie geführt. Er gab der Mannschaft wieder einen defensiven Zuschnitt und konnte sich auf die Konter-Tore von Diego Milito verlassen. Als dann Wesley Sneijder wieder fit wurde, begannen die Probleme. Sneijder war unter Mourinho eine entscheidende Figur. Nun aber geriet mit dem Holländer das Gleichgewicht wieder durcheinander. Inter wurde plötzlich ausgekontert. Nun überlegt der Trainer, Sneijder gegen Marseille auf die Bank zu setzen und so seinen Job und Inters Chancen in der Champions League zu retten.

          Brachte das Gleichgewicht durcheinander: Wesley Sneijder

          „Ich erwarte nicht die Mannschaft der vergangenen Spiele“, sagte Didier Dechamps, der Trainer von Olympique. Er glaubt, dass Inter mit einer dem Siegerteam von 2010 ähnlichen Formation antreten werde. Doch es hat sich viel geändert. Das Spielsystem wurde mehrmals gewechselt, die Spieler wirken verunsichert. Auch beim Personal gab es Veränderungen.

          Motta und vor allem Eto’o sind nicht mehr da. Präsident Moratti verkaufte den Kameruner für 27 Millionen Euro an Anschi Machatschkala, um die katastrophale Vereinsbilanz im Hinblick auf das Finanz-Fairplay der Uefa aufzubessern. Motta wechselte zu Paris Saint-Germain und gab zu, Eto’os Abgang habe das Ende des Erfolgszyklus besiegelt. Spötter behaupten, er habe gerade noch rechtzeitig vor dem Untergang den Absprung geschafft.

          Bitterer Inter-Alltag: Zuletzt in fünf Liga-Spielen nur einen Punkt gewonnen

          Immer häufiger ist auch akustisch vernehmbar, wie schwer sich Inter mit der Gegenwart tut. Die Sprechchöre für Mourinho waren zuletzt wieder sehr laut. Der Trainer von Real Madrid ließ ausrichten, die Tifosi sollten doch bitte nicht seinen Namen, sondern den Ranieris und der Spieler rufen. Dem ratlosen Grundschüler gaben die Fans von Juventus Turin am Wochenende per Transparent schon mal einen anderen Tipp: „Filippo, entweder wechselst du die Schule oder den Verein!“

          Weitere Themen

          Nagelsmanns heißer Tanz

          Champions League : Nagelsmanns heißer Tanz

          Die nächste Premiere für Julian Nagelsmann: Erstmals steht der 32-Jährige als Trainer von RB Leipzig in der Champions League an der Linie. Gegen Benfica Lissabon geht es um viel – vor allem für ihn persönlich.

          Topmeldungen

          Dr. Ruth Gomez arbeitet  im universitären Kinderwunschzentrum in Mainz als Pränataldiagnostikerin.

          Spezielles Verfahren : Einzige Chance auf ein gesundes Kind

          In der Mainzer Universitätsklinik sind zum ersten Mal Babys nach einer Präimplantationsdiagnostik auf die Welt gekommen. In das ethisch umstrittene Verfahren setzen verzweifelte Paare ihre ganze Hoffnung.
          Bald nicht mehr vonnöten: Eine gelbe Krankschreibung.

          Digitale Krankschreibung : Der „gelbe Schein“ wird verschwinden

          Es geht um Millionen Zettel: Das Kabinett hat heute die Abschaffung der Krankschreibung auf Papier beschlossen. Außerdem steigen die Hartz-4-Sätze, Paketzustellern soll geholfen und überflüssige Bürokratie abgeschafft werden. Wir zeigen, was die Beschlüsse bringen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.