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Champions League: Hugo Lloris : Fliegen für Lyon

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Fliegen für Lyon, träumen vom AC Milan? Fast wäre Hugo lloris schon 2008 in der Lombardei gelandet Bild: REUTERS

Hugo Lloris gilt als der Aufsteiger unter den besten europäischen Torhütern, Spitzenklubs aus ganz Europa sollen Interesse am Schlussmann von Olympique Lyon haben - auch der FC Bayern. Im Halbfinal-Rückspiel der Champions League will der scheue Franzose gegen die Münchner Geschichte schreiben.

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          Die Equipe Tricolore verdankt seinen Paraden die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Südafrika. Auch seinem Klub hat er mit einer Reihe von außergewöhnlichen Rettungstaten den Einzug in das Halbfinale der Champions League ermöglicht, in dem Olympique Lyon nach dem 0:1 in München an diesem Dienstagabend das Rückspiel gegen die Bayern bestreitet. Torhüter Hugo Lloris ist der neue Stern am französischen Fußball-Himmel.

          So auffällig der Dreiundzwanzigjährige, der inzwischen neun Länderspiele absolviert hat, auf dem Platz ist, so scheu und schüchtern gibt er sich in der Öffentlichkeit. Er wirkt manchmal geradezu eintönig, so nüchtern, glatt und kontrolliert klingen seine Aussagen – wenn er überhaupt etwas sagt, wie bei dem Medientermin vor dem Hinspiel in München. Lloris möchte am liebsten in Ruhe gelassen werden.

          Erst am vergangenen Freitag, nach dem Training von Olympique, sprach der Torwart mit den feingeschnittenen Gesichtszügen wieder – ruhig, überlegt, seine Worte wägend: „Die Bayern sind unbestreitbar auf einem guten Weg. Es wird kompliziert, sie auszuschalten. Unsere Solidarität, unser Zusammengehörigkeitsgefühl sind unsere Trümpfe. Wir dürfen uns nicht um die Bayern scheren, sondern müssen uns um uns selbst kümmern, um den Einzug ins Endspiel zu schaffen und so in die Fußballgeschichte einzugehen.“

          Am liebsten wird er in Ruhe gelassen: Hugo Lloris gibt sich oft eintönig
          Am liebsten wird er in Ruhe gelassen: Hugo Lloris gibt sich oft eintönig : Bild: AP

          Außer Stade Reims (1956, 1959), AS St. Etienne (1976 gegen Bayern München), Olympique Marseille (1991, 1993) und AS Monaco (als Mannschaft der Ligue 1) 2004 hat noch kein französischer Verein das Finale im früheren Europapokal der Landesmeister oder in der Champions League erreicht. Einziger Sieger war Marseille (1993; 1:0 gegen den AC Mailand in München).

          In ganz Europa begehrt

          Nun möchte Lloris mit Lyon Geschichte schreiben. Ein Torwart, der nicht in jeder Hinsicht dem Ideal seiner Zunft entspricht, weil er fußballerisch nicht allzu stark ist. Dafür wird der elegante Keeper mit dem bisweilen unglaublich anmutenden Reaktionsvermögen ob seiner Handarbeit gerühmt. Längst ist er in ganz Europa begehrt, obwohl sein Vertrag noch bis 2012 läuft und Lloris nicht zu erkennen gibt, jetzt schon den Verein wechseln zu wollen.

          Was man von ihm weiß, ist, dass der AC Mailand der Klub seiner Träume ist. Dort wäre er 2008 auch fast gelandet, hätte nicht sein Vorgänger in Lyon, Grégory Coupet, damals Nationaltorhüter, eindringlich auf ihn eingeredet. So wechselte er an die Rhone, nachdem OL 8,5 Millionen Euro an seinen ersten Profiverein, OGC Nizza, überwiesen hatte. Rund um das Stade Gerland ist Coupet inzwischen fast vergessen, und selbst der härteste Rivale von Lloris im Kampf um den Platz im Tor der Nationalmannschaft, Steve Mandanda aus Marseille, räumt ein: „Er verdient seinen Platz als Nummer eins. Er ist zuverlässig und gut.“ Sollte Lyon sich nicht abermals für die Champions League qualifizieren, kann es sein, dass der Verein darüber nachdenkt, seinen wertvollsten Profi, Lloris, vorzeitig zu verkaufen. Viele Stars hat der siebenmalige Meister in Folge (2002 bis 2008) nicht mehr.

          Einziger Luxus: Ein italienischer Sportwagen

          Der AC Mailand hat die rasante Entwicklung des Torhüters Hugo Lloris interessiert verfolgt, Arsène Wenger, der Coach des FC Arsenal, auch, und die Scouts von Manchester United gleichfalls. Was die Verantwortlichen von Olympique Lyon aber am meisten alarmiert, ist, dass die ehemaligen französischen Bayern-Profis Bixente Lizarazu und Willy Sagnol nicht aufhören, den Münchner Kluboberen den Namen „Hugo“ ins Ohr zu flüstern. Und in Lyon erinnert man sich, schon den Kampf um einen gewissen Franck Ribéry gegen die Bayern verloren zu haben.

          Lloris hat kürzlich seinen Vater verloren. Heimatverbunden ist er, nutzt jede Gelegenheit, um nach Nizza zu seiner Familie und zu seinen Freunden zu reisen. Er ist ledig, lebt aber in einer festen Beziehung. Obwohl Nationalspieler und auch in Lyon gewiss nicht schlecht bezahlt, gönnt er sich nur einen Luxus. Er hat sich einen italienischen Sportwagen gekauft – keinen deutschen.

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