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Champions League : Hooligans aus der Fußball High-Society

Gezielter Hieb: Navarro trifft Burdissos Nase Bild:

Nach der Keilerei zwischen Spielern des FC Valencia und Inter Mailand hat die Uefa eine Untersuchung eingeleitet. Die Brutalität nach Abpfiff war der unwürdige Schlusspunkt einer hart umkämpften Partie. Valencias Trainer Flores gab zu, es habe allen an Besonnenheit gefehlt.

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          Dass es zwischen dem FC Valencia und Inter Mailand eine ruppige Partie geben würde, schien ausgemacht. Aber niemand hatte diese Keilerei erwartet. Soeben war Inter Mailand durch das 0:0 im Mestalla-Stadion ausgeschieden, Valencias Fans feierten auf den Rängen, da stürmte Inters argentinischer Innenverteidiger Burdisso auf Marchena zu, um ihm an den Kragen zu gehen.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Valencias Stürmer Joaquín warf sich dazwischen. Wer dabei mäßigen und wer mitprügeln wollte, war in der einen Sekunde noch klar und in der nächsten schon nicht mehr. Die Frustration der Verlierer machte sich mit Rempeleien und Hieben Luft.

          Im Sprint zur Umkleide

          Plötzlich sprang der Valencianer Navarro von der Ersatzbank, aber statt zu schlichten, verpasste er Burdisso einen gezielten Faustschlag auf die Nase. Der Italiener sank blutend zu Boden, und eine ganze Gruppe blauschwarzer Spieler nahm die Verfolgung des Schlägers auf, der im Sprint den Tunnel zur Umkleide erreichte. Dort ging die Prügelei weiter, während auch auf dem Spielfeld noch Fäuste flogen. Ein unwürdiger Schlusspunkt einer äußerst umkämpften Partie.

          Danach ist Navarro der Gejagte

          Schon vor dem Spiel war das Wort „Rache“ in den Schlagzeilen spanischer Blätter aufgetaucht. Da war es noch sportlich gemeint: Der FC Valencia, Spaniens stärkste Defensivmannschaft, forderte Revanche dafür, dass er in der Champions League immer wieder an Inter Mailand gescheitert war.

          Harte Fouls schon während der Partie

          Diesmal wollten es die Spieler von Trainer Quique Flores wissen, und die Karten waren gut. Das 2:2 im Hinspiel zwang Mailand zum Angriff. In einer Abwehrschlacht trotzte Valencia den Attacken von Inter und steckte auch das eine oder andere harte Foul ein. Besonders Inters großgewachsener Mittelstürmer Ibrahimovic, ein Mann mit feiner Technik, aber einer guten Portion Hinterhältigkeit, ließ die Abwehrspieler mehr leiden, als sie es sonst gewohnt sind. Auch Crespo, Dacourt und Materazzi versuchten, sich mit Händen, Ellenbogen und gestrecktem Bein Respekt zu verschaffen.

          Am Ende sagt die Zahl von sechs Gelben Karten - vier für Inter, zwei für Valencia - nichts über die verbissene Intensität der Begegnung aus. Die Schläge nach dem Abpfiff trübten kurzzeitig den Stolz der Spanier, ihre „bestia negra“ besiegt zu haben.

          „Wir haben uns alle wie Hooligans aufgeführt“

          „Es war nicht unser Krieg“, sagte Trainer Quique Flores, der den Beginn der Streitigkeiten klar dem Gegner zuschrieb. Dann fügte er hinzu: „Es hat uns allen an Besonnenheit gefehlt.“ Selbstkritisch äußerte sich auch Valencias italienischer Verteidiger Moretti: „Wir haben verdient die nächste Runde erreicht. Wir haben ein großes Spiel geliefert, doch am Ende haben wir alle uns wie Hooligans aufgeführt, und so etwas darf es nicht geben.“ Die Fernsehbilder zeigen, das Moretti zu den Friedfertigen gehörte.

          Ironisch an diesem Vorfall ist, dass der FC Valencia immer eine Neigung zum italienischen Fußball hatte, die sich nicht nur in großen Defensivqualitäten, sondern auch in der Verpflichtung italienischer Spieler ausdrückt. Verteidiger wie Carboni, heute der äußerst umstrittene Sportdirektor des Vereins, und Pellegrini haben Valencias Abwehrarbeit in den vergangenen zehn Jahren geprägt.

          Disziplinarverfahren gegen beide Klubs

          Dass ein Auswechselspieler wie Navarro aufs Feld läuft und das Gerangel durch eine Aggression anheizt, die seinem Gegenüber einen Nasenbeinbruch beschert, wird wohl disziplinarische Folgen haben, unabhängig von der Beurteilung des Geschehens durch die Europäische Fußball-Union, die Disziplinarverfahren gegen beide Klubs einleitete.

          Navarro konnte aufgrund eines Blutergusses, den er durch einen Fußtritt von Inter-Spieler Córdoba bei der Verfolgungsjagd erlitt, nicht am Training teilnehmen. Selbst ein Konditionstrainer trug Blessuren davon. Präsident Soler wollte nach dem Erreichen des Viertelfinales nur vom errungenen Erfolg sprechen. Er sehe den FC Valencia schon „seit August im Finale der Champions League“. Der einzige mögliche italienische Gegner, der AS Rom, dürfte aber für den Kampfstil, wie ihn das Mestalla-Stadion jetzt erlebte, nicht zur Verfügung stehen.

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