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Champions-League-Glosse : Hofnarren der Königsklasse

Schon wieder ein Gegentor: Pilsen ging in München unter Bild: dpa

Geldbesitz, Spielerbesitz, Ballbesitz, in dieser Reihenfolge funktioniert das Geschäftsmodell der Dominanzklubs. Hollands, Belgiens und Tschechiens Meister sind daher nur Staffage für die Champions League.

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          Das belgische Nationalteam ist einer der aufregendsten Talentschuppen der Fußballwelt, Sechster der Weltrangliste, Geheimtipp für die WM. Der belgische Meister hat in der Champions League nach drei Spielen null Punkte und 0:10 Tore. Dabei war der RSC Anderlecht einmal eine Größe im europäischen Fußball.

          Ebenso wie Ajax Amsterdam, mit einem Punkt und 2:7 Toren ein weiterer chancenloser Letzter der Champions League. Hollands Nationalelf hat die WM-Qualifikation so überlegen geschafft wie Deutschland. Hollands Meister ist wie Belgiens Meister oder Tschechiens Meister Viktoria Pilsen, laut „Kicker“ beim 0:5 in München „wie eine Thekenmannschaft“, nur noch Staffage für die Champions League. Hofnarren der Königsklasse.

          Dabei sind diese Klubs immer noch groß – daheim. Jenseits davon nicht mehr. Es ist wie in dem berühmten Satz von Gloria Swanson als alte Stummfilmdiva in Billy Wilders Filmklassiker „Boulevard der Dämmerung“, die auf den Satz „Sie waren groß“ trotzig antwortet: „Ich bin groß. Es sind die Filme, die klein geworden sind“.

          Das große Kino der Champions League hat heute immer dieselben Hauptdarsteller und immer ein vorhersehbares Ende. Die Unsummen, die der Wettbewerb generiert und an die Top-Teams ausschüttet, betonieren die Kastengesellschaft von Jahr zu Jahr mehr. Aus den „spanischen Verhältnissen“, wie man sie auch in Deutschland befürchtet, mit nur zwei oder drei titelfähigen Teams, sind europäische Verhältnisse geworden.

          Geldbesitz, Spielerbesitz, Ballbesitz

          Belgiens Klubs können sich ihre eigenen Talente nicht mehr leisten. Fast ihr halbes Nationalteam gehört dem FC Chelsea, der mit russischen Milliarden flächendeckend Talente aufkauft, um sie dann gern auf die Tribüne zu setzen wie derzeit Kevin de Bruyne oder zu verleihen wie Torwart Thibaut Courtois. Oder den Torjäger Romelu Lukaku, das letzte große Talent, das Anderlecht hatte. Er ging mit 18.

          Geldbesitz, Spielerbesitz, Ballbesitz, in dieser Reihenfolge funktioniert das Geschäftsmodell der Dominanzklubs. Das macht die Vorrunde der Champions League zu einer immer zäheren Geschichte. Nur da, wo ein Team aus einer der vier Top-Ligen dauerhaft den Aufstieg in diesen Wettbewerb schafft, wie Dortmund oder Neapel, kommt es durch die Trägheit der Setzliste manchmal zu Spannung.

          Im DFB-Pokal passieren weit mehr Überraschungen

          Dabei reicht es für die Einstufung als „Todesgruppe“ schon, wenn eine Gruppe nicht todlangweilig ist – wie bei Dortmund mit Real und Manchester City vor einem Jahr und mit Arsenal und Neapel in diesem. Die meisten anderen Vorrundenspiele ähneln eher frühen Runden im nationalen Pokal, wenn Erstligaklubs auf unterklassige Teams treffen. Mit einem Unterschied: Im DFB-Pokal passieren weit mehr Überraschungen.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

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