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Champions-League-Finale : Dank Inzaghi gelingt Mailands Revanche

Glänzender Schlusspunkt für Paolo Maldini Bild: AP

Der AC Mailand hat dank „Super Pippo“ Inzaghi die viel beschworene Rache am FC Liverpool genommen und sich zum siebten Mal die begehrteste Trophäe des europäischen Vereinsfußballs gesichert. In der Neuauflage des von den Engländern gewonnenen Champions-League-Endspiels von 2005 setzten sich die Rossoneri mit 2:1 durch.

          3 Min.

          Die Revanche für die bitterste Niederlage des AC Mailand in Europa ist geglückt. Milan entledigte sich mit einem verdienten 2:1-Sieg im Finale gegen den FC Liverpool seines Endspieltraumas vor zwei Jahren. In Athen glückte den Italienern, was ihnen in der europäischen Fußball-Geschichte nun schon so oft gelungen ist: Sie gewannen nach einem sowohl leidenschaftlichen als auch taktisch klug geführten Spiel zum siebten Mal die europäische Fußballkrone.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          „Damit müssen wir jetzt fertig werden. Wir haben es nicht geschafft, die Trophäe zu holen, aber wir haben trotzdem viel geleistet, in dieses Finale zu kommen“, sagte Liverpools Xabi Alonso.

          Die beiden Treffer in einer anspruchsvollen, aber nur selten spielerisch hochklassigen Begegnung erzielte Filippo Inzaghi. In der 45. Minute, fälschte er einen Freistoß von Andrea Pirlo glücklich ins Tor ab, in der 81. Minute spielte er seine ganze Klasse aus, als er nach einem Pass von Kaka Torhüter Reina umkurvte und den Ball ins Tor schob. Dirk Kuyt gelang nur noch der Anschlusstreffer (88.). Zur Belohnung durfte dann Kapitän Paolo Maldini, der im kommenden Monat 39 Jahre alt wird, als erster den silbernen Pokal in Empfang nehmen - es ist für Mr. Milan schon der fünfte Triumph in der Champions League und er bedeutete einen glanzvollen Schlusspunkt für seine großen Karriere.

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          Champions-League-Finale : Dank Inzaghi gelingt Mailands Revanche

          Engländer bestimmen den Rhythmus

          Der Kampf der Systeme, so hatte es sich Rafael Benitez gedacht, würde Liverpool im Mittelfeld für sich entscheiden können. Der Liverpooler Trainer verzichtete zunächst einmal auf Stürmer Peter Crouch, den mit sechs Toren erfolgreichsten Torschützen in dieser europäischen Runde, um sein Mittelfeld mit mindestens vier, manchmal sogar fünf Spielern dicht staffeln zu können gegen den Kombinationsfußball alla Milanese. Das Vorhaben gelang in der ersten Halbzeit lange wie gewünscht. Die erfahrenen Italiener waren zwar häufig in Ballbesitz (58 Prozent), aber Kaka und Co. gelang es trotzdem eigentlich nie, den FC Liverpool unter Druck zu setzen. Meistens verhedderte sich Milan in der roten Übermacht, oder es produzierte harmlose Flanken.

          Liverpool hatte dazugelernt vom Finale von 2005, als es zur Halbzeit 0:3 zurück lag. Diesmal bestimmten die Engländer den Rhythmus, und vor allem über die schwache linke Mailänder Abwehrseite, wo Jankulowski wie verloren seinen Gegenspieler Pennant immer wieder an sich vorbei ziehen lassen musste, entwickelten die Engländer ihre schnellen Angriffe. Vier-, fünfmal setzten sie sich nach diesem Muster durch, aber im Abschluss blieben sie trotz guter Vorarbeiten harmlos. Alonso vefehlte nach 27. Minuten sein Ziel nur knapp, das war es aber auch schon an Aufregung, obwohl Steven Gerrard sein Team immer wieder mit Einsatz und enormer Laufbereitschaft antrieb.

          Eine Kleinigkeit macht den Unterschied

          Aber wie so oft bei Endspiel zwischen großen Mannschaften war es dann eine Minute vor der Pause nur eine Kleinigkeit, die im Ergebnis den Unterschied machte. Kaka nutzte den minimalen Freiraum, und kam im Zweikampf mit Alonso kurz vor dem Strafraum zu Fall, was der deutsche Schiedsrichter Heribert Fandel als Foul wertete. Eine bessere Gelegenheit hatte sich Milan bis dahin nicht eröffnete, und Pirlo schoss den Ball an der Mauer vorbei, traf dabei Inzaghi und von dessen Körper wurde der Ball unhaltbar für Reina mitten ins Tor zum 1:0 für Milan abgefälscht (45).

          Nun musste Liverpool nach der Pause wieder einem Rückstand hinterherlaufen, und genau so hatte sich das die Old Boys von Milan gewünscht. Das spart Kraft und schafft Raum. „Ich denke, dass Team vor zwei Jahren war stärker. Aber die Mannschaft von heute ist stärker motiviert, das Finale zu gewinnen“, sagte Trainer Carlo Ancelotti zu den Stärken und Schwächen, die im reifen Alter einer Mannschaft bei ihrem vielleicht letzten großen gemeinsamen Auftritt liegen. Milan war tatsächlich vollkommen entschlossen, sich den Abend diesmal nicht wieder verderben zu lassen. Die Abwehr stand nun deutlich sicherer wie zu Beginn der Partie, und die regelmäßigen Konter vor allem über Kaka und Inzaghi machten Liverpool zu schaffen.

          Kuyts Tor kommt zu spät

          Aber die Engländer, die 2005 in Istanbul noch ein 0:3 ausglichen und das Elfmeterschießen gewannen, glaubten auch in Athen bis zuletzt an ihre Chance. In der 63. Minuten waren sie dem Ausgleich auch schon ganz nahe, als sich Gerrard im Duell mit Nesta durchsetzte und alleine auf Torwart Dida zulief. Doch aus seitlich leicht versetzter Position war sein Schuss zu schwach (63.), um den Brasilianer wie damals nach der Pause zu bezwingen. Liverpool aber ließ nicht locker, seine Fans jedoch wurden immer stiller. Milan verschanzte sich, gestützt im defensiven Mittelfeld vor allem auf Gattuso und in der Viererkette auf Nesta, mit so großem Einsatz und Geschick, dass englische Raumgewinne und Torchancen selten blieben.

          In der 78. Minute zog Benitez seinen letzten Trumpf, den turmgroßen Crouch. Aber Milan spielte seine ganze Routine aus, und nach genialer Vorarbeit von Kaka machte Inzaghi sein Meisterstück. Er spielte den Torwart aus und erzielte das 2:0 (81.). Milan schien der Sieg nun sicher wie vor zwei Jahren, doch als Kuyt mit einem Kopfball nach einer Ecke überraschend noch das 1:2 (88.) gelang, waren die Liverpooler Träume und die Mailänder Alpträume auf einmal wieder da. Doch Milan hat auch im Alter noch dazu gelernt - diesmal verteidigten sie ihren großen Sieg.

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