https://www.faz.net/-gtl-6rrcc

Champions League : Dortmund zahlt in Marseille Lehrgeld

  • Aktualisiert am

Entsetzen: Die Borussia um Neven Subotic (l.) und Sven Bender (r.) verliert deutlich gegen Marseille Bild: REUTERS

Der Meister als Lehrling: Borussia Dortmund macht in Marseille nichts aus seiner Überlegenheit. Nach der 0:3-Niederlage in Frankreich droht dem deutschen Titelträger das Ausscheiden nach der Gruppenphase der Champions League.

          2 Min.

          Peinliche Defensivpatzer, klägliche Chancenverwertung - Borussia Dortmund hat auf der großen Champions League-Bühne jede Menge Lehrgeld bezahlt. Der Deutsche Meister verlor am Mittwochabend 0:3 (0:1) bei Olympique Marseille und steht damit vor dem nächsten Auswärtsspiel am 19. Oktober bei Olympiakos Piräus bereits unter großem Druck. „Wir ermöglichen mit drei Fehlern die drei Tore“, sagte der Dortmunder Innenverteidiger Mats Hummels. „Andererseits können wir sechs, sieben Tore schießen, verlieren aber 0:3.“ Vor 30.000 Zuschauern im Stade Vélodrome trafen André Ayew (20., 69./Foulelfmeter) und Loic Remy (62.) für die effektiveren Franzosen, die Jordan Ayew unmittelbar vor Schluss durch Gelb-Rote Karte verloren. „Wir haben nicht gut gespielt und nicht verdient, einen Punkt mitzunehmen“, sagte Innenverteidiger Neven Subotic. „Wir hätten drei Stunden weiterspielen können, ohne ein Tor zu schießen. Wir haben heute Lehrgeld gezahlt.“

          Nach dem dürftigen Saisonstart in der Liga mit bereits drei Niederlagen bleibt der BVB in der Gruppe F vorerst auf einem Pünktchen sitzen. 15 Tage nach dem 1:1 im Heimspiel gegen den FC Arsenal tönte Dortmunds Coach Jürgen Klopp unmittelbar vor dem Anpfiff: „Wer uns schlagen will, muss über sich hinauswachsen.“ Mit der Rückkehr der wiedergenesenen Nationalspieler Sven Bender und Marcel Schmelzer versprach er sich mehr Stabilität in der Defensive. Der ausgeruhte Kevin Großkreutz, für den zuletzt starken Ivan Perisic dabei, sollte über die linke Seite Dampf machen. Klopps Plan ging allerdings nicht auf. Das junge BVB-Team - mit einer Erfahrung von nur 23 Champions League-Spielen - begann zerfahren und brachte sich mit einer ungewöhnlich hohen Fehlpassquote im Spielaufbau unnötig unter Druck.

          Die überraschend defensiven Gastgeber taten relativ wenig fürs Spiel, hatten aber bei einem Kopfball von Souleymane Diawara (9.) die erste Möglichkeit. Die Dortmunder hatten dank gewohnt großer Laufbereitschaft zwar über weite Strecken der ersten Hälfte gefühlt mehr Ballbesitz, waren bei ihren Angriffen aber zu berechenbar. Shinji Kagawa und Robert Lewandowski blieben weit unter Normalform, zwingende Torchancen basierten meist auf Einzelaktionen. So scheiterte Jungstar Mario Götze in der 19. Minute nach technisch hochwertiger Feinarbeit in aussichtsreicher Position an Torhüter Steve Mandanda. Im Gegenzug fiel die Führung für den Tabellen-13. der Ligue 1. Wie bereits beim entscheidenden 1:2 in Hannover rutschte Innenverteidiger Subotic vor dem eigenen Strafraum aus, André Ayew hämmerte den Querpass von Remy aus 17 Metern ins Netz. OM-Trainer Didier Deschamps, als Spieler Welt- und Europameister, dazu zweimal Champions League-Sieger, ballte auf der Bank die Faust. „Das ist mein Fehler, ich muss an der Fußarbeit feilen“, sagte Subotic zu seinem Ausrutscher.

          Jürgen Klopp kann es nicht glauben: Dortmund verliert das Spiel wegen individueller Fehler Bilderstrecke
          Jürgen Klopp kann es nicht glauben: Dortmund verliert das Spiel wegen individueller Fehler :

          In der 36. Minute erlebte er fast eine Kopie des 1:0, als Ayews Schuss aus halblinker Position nur mit viel Mühe von Torhüter Roman Weidenfeller pariert wurde. „Wir haben mehr Ballbesitz, laufen mehr, aber liegen hinten. Wir sind zu nervös und haben einfache Ballverluste. Insgesamt muss sich unser Spiel ändern“, analysierte BVB-Sportdirektor Michael Zorc in der Pause. Und die Borussia kam auch mit wesentlich mehr Druck und Dringlichkeit aus der Kabine. Nach einer guten Gelegenheit von Lucho Gonzalez (48.) vergab erneut Götze gleich zweimal den Ausgleich. In der 50. Minute traf der 19-Jährige nur den Innenpfosten, 60 Sekunden später konnte er Mandanda erneut nicht überwinden.

          Und dann kam's für den BVB im 175. Europacup-Spiel der Vereinsgeschichte knüppeldick. Ohne jegliche Bedrängnis köpfte Nationalspieler Mats Hummels in den Lauf von Remy und der erhöhte auf 2:0 (62.). Nach einem Foul von Kapitän Sebastian Kehl an Remy pfiff der schwedische Schiedsrichter Jonas Eriksson zurecht Elfmeter - Ayew (69.) setzte im Duell der beiden ehemaligen Champions League-Sieger mit seinem zweiten Treffer den Schlusspunkt. Der Latten-Kopfball des eingewechselten Lucas Barrios (88.) passte zur allgemeinen Dortmunder Tristesse. „Alle werden jetzt sagen: Der Meister zahlt Lehrgeld“, sagte Borussen-Trainer Klopp. „Es war aber ein skurriles Spiel mit vielen starken Phasen von uns. Die größten Torchancen hatten trotz drei Toren von Marseille wir. Aber wir machen die Dinger eben nicht.“

          Weitere Themen

          Nur ein Stück Stoff?

          Ganzkörperanzug beim Turnen : Nur ein Stück Stoff?

          Turnerin Sarah Voss trägt bei der EM „froh und stolz“ einen Ganzkörperanzug. Sie will Vorbild sein und zeigen, dass mehr Stoff und Sich-Wohlfühlen auch mit Ästhetik zusammenhängen kann.

          Topmeldungen

          Gesundheitsminister Jens Spahn in der Bundespressekonferenz (Archivbild)

          Corona-Liveblog : Was Spahn nun zur Corona-Lage sagt

          Nur 61 Landkreise trifft die „Bundes-Notbremse“ nicht +++ Indien meldet wieder neuen Höchststand +++ Deutsche Zoos: Größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg +++ Ethikrätin fordert Impfmobile für sozial schwache Viertel +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.
          Eine Frau vor einem Halbleiterbild auf einer Messe in Schanghai

          Dramatischer Chip-Mangel : „Das ist wie Brandbekämpfung“

          Weil Halbleiter knapp sind, gerät die Produktion in Not. Doch die Engpässe der Hersteller werden erst in den kommenden Wochen so richtig bei den Kunden ankommen – und das verspricht wenig Gutes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.