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Champions League : Dortmund torlos in Malaga

Ein Tor lag in der Luft, aber Neven Subotic (Mitte)und Borussia Dortmund müssen sich mit einem torlosen Remis in Malaga begnügen Bild: AFP

Borussia Dortmund hat zahlreiche Chancen. Aber am Ende fällt in Malaga kein einziges Tor. Nach dem 0:0 in Spanien hat die Borussia aber alle Chancen aufs Erreichen des Halbfinals der Champions League.

          Neven Subotic hatte in den vergangenen Tagen einen schönen Vergleich gefunden: Die Champions League, das sei für ihn und seine Dortmunder wie ein „Erlebnispark“ - in dem man so lange wie möglich bleiben wolle, weil die „besten Achterbahnen“, so der Innenverteidiger der Borussen, ja bekanntlich erst zum Schluss kämen. In puncto Tempo, Atmosphäre und gelegentlich auch Nervenkitzel war schon der andalusische Rummel von Málaga nicht von schlechten Eltern. Und weil die Dortmunder am Mittwochabend im Stadion „La Rosaleda“ insgesamt den mehr zu einem sehr unterhaltsamen Fußballabend beitrugen, stiegen auch ihre Chancen auf die eine oder andere Extrarunde in diesem Wettbewerb.

          Man muss allerdings sagen, dass das 0:0, welches sich der deutsche Meister beim aktuellen Fünften der spanischen Liga erspielte, eigentlich zu wenig war angesichts mehrerer Möglichkeiten der gehobenen Kategorie. Dass sie einen Platz im Halbfinale verdient hätte, zeigte die Mannschaft von Jürgen Klopp durchaus - sie hätte der Runde der letzten Vier allerdings schon im ersten Teil dieses deutsch-spanischen Vergleichs ein gutes Stück näher kommen können, wenn ihre Chancenverwertung das Niveau ihres Engagements und ihrer Spielfreude erreicht hätte.

          Málaga gegen Dortmund, das ist das Duell zweier Überraschungsmannschaften dieser Champions-League-Saison. Wobei bei den Borussen weniger die Tatsache, es so weit gebracht zu haben, an sich bemerkenswert ist, sondern vielmehr die mitreißende Art und Weise, wie sie den Weg in dieses Viertelfinale zurückgelegt haben. Mit den Andalusiern, denen vom Besitzer, einem Scheich, vor einiger Zeit kurzerhand den Geldhahn zugedreht worden war, hatte hingegen kaum einer gerechnet.

          Fußball als Herzenssache

          In der Summe ergab diese Paarung ein packendes Duell zweier Mannschaften, die es sich zum Markenkern gemacht haben, mit einer Extraportion Herz zur Sache zu gehen. Die Vorteile lagen dabei alles in allem schon bei den Borussen, die neben dem besseren Kader auch über die mächtigere Spielidee verfügen. Und doch deutete der vor allem in der ersten Hälfte flotte Mittwochabend auf eine sehenswerte Fortsetzung am kommenden Dienstag in Dortmund hin - mit den besseren Aussichten gewiss für die Borussia. „Schlacht um Schlacht erobern wir Europa“ - mit dieser Botschaft empfingen die spanischen Fans die beiden Teams.

          Doch vom Anpfiff weg schien es eher, als wollten die Dortmunder keine Gefangenen machen. Bis weit in die gegnerische Hälfte und gar bis zum Strafraum jagten sie Ball und Gegner und konnten dabei manchen kleinen Erfolg verbuchen. Klopp hatte, was sein Personal betraf, nicht alle Genesungswünsche erfüllt bekommen. Marcel Schmelzer war zwar nach seinem Nasenbeinbruch aus dem ruppigen Bundesliga-Alltag dank einer Spezialmaske mit von der Partie, Sven Bender und Jakub Blaszczykowski aber waren nicht rechtzeitig fit geworden. Für sie spielten Sebastian Kehl und Kevin Großkreutz.

          Gut maskiert in der Heimat von „Zorro“ Antonio Banderas: Marcel Schmelzer spielt mit Nasenbeinbruch

          Wieder einmal aber zeigten die Dortmunder, wie gut sie in verschiedenen Konstellationen aufeinander eingespielt sind. Wobei die ersten kreativen Großtaten ohnehin von den bestens bekannten Dauergrößen aus der Offensivabteilung kamen. Allein Mario Götze hatte zwei Mal - einmal legte Lewandowski per Kopf vor, einmal war es Gündogans Pass - freie Bahn auf das Tor der Spanier, schloss aber beide Male etwas zu unverbindlich ab. In der ersten halben Stunde schien es nur eine Frage der Zeit, bis die Dortmunder Kombinations- und Angriffslust, die ihre auffälligsten Vertreter in Gündogan und Lewandowski hatte, auch in einen Treffer münden würde. Reus, Großkreutz und Lewandowski hatten weitere gute Chancen.

          Doch je länger die erste Hälfte dauerte, nach etlichen wunderbar anzusehenden Dortmunder Doppel- und Dreifachpässen - so langsam fand sich Málaga doch immer besser zurecht. Manuel Pellegrini, der chilenische Trainer, wird nicht umsonst dafür verehrt, aus Recken älteren Semesters, die schon manche Fußballschlacht geschlagen haben (wie etwa der frühere Münchner Martín Demichelis) und frischem Talent (vor allem in Person des 20 Jahre alten Isco) ein homogenes, gut anzusehendes Ensemble geschaffen zu haben. Gegen Ende der ersten Hälfte waren die Andalusier ein, zwei Mal kurz davor, die Dortmunder Nachlässigkeiten vor dem Tor zu bestrafen.

          Zweite Halbzeit weniger unterhaltsam

          Was immer sich die Dortmunder für die zweite Hälfte vorgenommen hatten - vor dem Tor half es nicht. Lewandowski schien unmittelbar nach der Pause schon zum Einschuss bereit, traf den Ball aber nicht richtig. Und Götze machte es auch im dritten Versuch nicht besser, diesmal verzog er knapp (65.). Auf der Gegenseite prüfte Isco Torhüter Weidenfeller mit einem kräftigen Schuss.

          Es war insgesamt nun nicht mehr das ganz pralle Vergnügen wie noch in der ersten Hälfte, so manches wurde nun doch unpräzise bis zerfahren - oder auch ein wenig gebremst, um ohne Schaden ins Rückspiel zu kommen. Klopp brachte noch Julian Schieber für den enttäuschenden Reus, um noch einmal einen Impuls zu geben, Doch am Resultat änderte das genauso wenig wie der Joker-Einsatz des anderen früheren Münchners, Roque Santa Cruz, auf Seiten Málagas.

          FC Málaga - Borussia Dortmund 0:0

          FC Málaga: Willy - Gámez, Demichelis, Weligton, Antunes - Toulalan, Iturra - Joaquín, Júlio Baptista (76. Santa Cruz), Isco (87. Duda) - Saviola (68. Portillo)
          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Felipe Santana, Schmelzer - Gündogan, Kehl (80. Bender) - Reus (69. Schieber), Götze, Großkreutz - Lewandowski
          Schiedsrichter: Eriksson (Schweden)
          Zuschauer: 28 900 (ausverkauft)
          Gelbe Karten: Antunes, Iturra, Weligton / Großkreutz

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